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Neun amerikanische Soldaten kommen 1944 auf einem Feld ums Leben – jetzt wird an sie erinnert

Der Absturz des Erzengels hinterlässt Freunde

Von Markus Richter

Oerie/Bennigsen. Es ist Sonntag, der 26. November 1944. Ein schwarzer Tag für die Crew des amerikanischen Bombers Ark Angel (Erzengel): In den Mittagsstunden ist die Maschine vom Typ B-24 der US Army Air Force von seiner Station in England unterwegs zu den Ölhydrierwerken nach Hannover-Misburg. Die Amerikaner geraten unter schweren Beschuss der deutschen Luftwaffe – alle neun Besatzungsmitglieder sterben, als sie auf einem Acker zwischen Oerie und dem Jeinser Wald notlanden. Bald treffen die Nachfahren freundschaftlich mit Menschen aus Oerie zusammen.

Barney und Larry McKee haben 1944 in Oerie ihren Bruder verloren

Von Markus Richter

Oerie/Bennigsen. Es ist Sonntag, der 26. November 1944. Ein schwarzer Tag für die Crew des amerikanischen Bombers Ark Angel (Erzengel): In den Mittagsstunden ist die Maschine vom Typ B-24 der US Army Air Force von seiner Station in England unterwegs zu den Ölhydrierwerken nach Hannover-Misburg. Die Amerikaner geraten unter schweren Beschuss der deutschen Luftwaffe – alle neun Besatzungsmitglieder sterben, als sie auf einem Acker zwischen Oerie und dem Jeinser Wald notlanden. Bald treffen die Nachfahren freundschaftlich mit Menschen aus Oerie zusammen.

Sie sind die Verwandten des damals 25-jährigen Raymond Otto McKee, dem Bordschützen, des trotz seiner jungen Jahre ältesten Crewmitgliedes. Vor fast 66 Jahren war es Else Mensing, die an jenem schicksalshaften Tag von Bennigsen nach Oerie unterwegs ist. Es ist Totensonntag. Mensing will mit ihrer Schwägerin Hilde einen Kranz auf dem Friedhof niederlegen, als sie die Rauchsäule emporsteigen sieht.

In dem Flugzeug sitzen die verkohlten Leichen der Besatzung, einige Soldaten liegen reglos auf dem Feld, andere hängen in Bäumen – ihre Fallschirme haben sich nicht mehr rechtzeitig geöffnet. Die damals 24-jährige Zeugin informiert die Dorfbewohner. Sie bergen die Toten und bestatten sie auf dem Oerier Friedhof. Später wurden einige auf einen amerikanischen Militärfriedhof in Belgien umgebettet, die anderen fanden ihre letzte Ruhestätte in ihren Heimatstädten in den Vereinigten Staaten.

Soldaten der Air Force mit ihrem Bomber, dem Ark Angel. Fotos: p
  • Soldaten der Air Force mit ihrem Bomber, dem Ark Angel. Fotos: pr.
Unter der Trauerweide wird Sonntag der Gedenkstein aufgestellt.
  • Unter der Trauerweide wird Sonntag der Gedenkstein aufgestellt.

Seit dem Zweiten Weltkrieg verbindet sich also das Schicksal zweier Familien aus den USA und Deutschland: Hannelore Pohl, die Tochter von Else Mensing, und ihr Sohn Thomas Pohl stellten Nachforschungen an. Parallel sucht in den Staaten die Familie McKee nach ihrer Geschichte – es kommt zur Kontaktaufnahme, als Amerikaner und Dänen 1989 auf dem Oerier Friedhof mit Pohl zusammentreffen.

Im Jahr 1991 schreibt John T. Keene, der damalige Crew-Chief der B24J an Hannelore Pohl: „Hannelore, das deutsche Volk war nicht unser Feind, einzig und allein die Führung und die Regierung wollten wir bekämpfen. […] Ich möchte Dir und den Leuten danken, die so menschlich waren, und diesen Männern eine christliche Bestattung gaben. Du kannst sicher sein, dass Gott der Allmächtige jeden von Euch dafür belohnen wird.“

Zu einem großen Treffen kam es im vergangenen Oktober: Larry, Barney, Kevin und Shawn McKee wurden freundlich von Thomas Pohl und seiner Familie empfangen. Gemeinsam besuchten sie das Feld. Jetzt wollen sich die Amerikaner bedanken: Unter anderem werden die Angehörigen Raymond McKee junior und Eddeana Moore nach Oerie kommen. Dabei sind auch Geschichtsforscher wie der Niederländer John Meurs, der selbst einen Bomberabsturz erlebt hat, und seine Frau, die aus der Schweiz anreisen. Und: „Die Familien der Verstorbenen freuen sich über jeden Teilnehmer, alle Bürger sind zur Feierstunde herzlich eingeladen“, sagt Thomas Pohl. Der Gedenkstein wird am Sonntag, 30. Mai, um 14 Uhr eingeweiht.

Große Geste: Die amerikanischen Gäste besuchen am Vortag der Gedenksteinenthüllung den Wunstorfer Friedhof. Dort liegen zwölf deutsche Soldaten begraben, die ebenfalls bei den Luftgefechten am 26. November 1944 ihr Leben ließen.

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