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Interview: Regionsdezernent Ulf-Birger Franz zu den Plänen für den neuen Bahnhof

„Das Ziel ist immer: Noch mehr Fahrgäste“

Springe. Auf der S 5 droht eine längere Fahrtzeit nach Hannover, Änderungen bei den Direktverbindungen zum Flughafen und nach Paderborn plant die Region auch. Grund genug, beim zuständigen Verkehrsdezernenten Ulf-Birger Franz nachzuhaken. Im NDZ-Interview mit Christian Zett verteidigt er die Pläne. Und macht Springe Hoffnungen auf einen neuen Kernstadt-Bahnhof.

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Der Nahverkehrsplan 2015 der Region Hannover sieht zusätzliche Haltepunkte auf der Strecke der S5 vor. Das würde die Fahrtzeit nach Hannover verlängern. Wie konkret sind diese Pläne?


Wir warten auf die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie. Grundsätzlich ist die Fahrzeit zwischen Springe und Hannover kurz – gemessen an der Entfernung. Durch den Sprinter konnten wir sie noch mal reduzieren. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir dafür im Gegenzug prüfen, weitere Bereiche durch die S 5 zu erschließen. Wir reden ja allenfalls von zwei bis drei Stationen, die die Fahrtzeit um zwei bis drei Minuten verlängern.

 

Einer dieser diskutierten Haltepunkte ist Springe- Deisterpforte in Höhe des Bahnübergangs Heinrich-Göbel-Straße. Ist das nicht viel zu nah am bestehenden Bahnhof?


Ganz so nah wäre das aus unserer Sicht nicht. Wir erhoffen uns durch den zusätzlichen Haltepunkt einen zusätzlichen Einzugsbereich. Fördermittel gibt es ohnehin nur, wenn absehbar mehr Fahrgäste zum Umstieg auf die Bahn bewegt werden. Wer beispielsweise oben am Berg wohnt und mit dem Bus zum Bahnhof fahren müsste, für den ist ein neuer Halt eine gute Alternative.

Wie wahrscheinlich ist die Umsetzung denn?

Im Moment sieht es ganz gut aus. Der Haltepunkt ist vom Land in eine Liste zum Neubaubedarf aufgenommen. Für die bauliche Seite gibt es auch ein Gutachten, das besagt: Die Kosten sind überschaubar. Wir sind also optimistisch. Man muss aber auch sagen: Das klappt nicht vor 2020. Neue Stationen haben lange Genehmigungsverfahren.

Hat der Sprinter eigentlich auch neue Fahrgäste gebracht?

Das war nie das Ziel, und das ist auch nicht eingetreten. Aber die S 5 war vorher gerade zu den Stoßzeiten immer sehr voll. Und jetzt haben sich die Fahrgäste besser verteilt; eine Entlastung ist eingetreten. Der Sprinter ist eine gute Entscheidung.

 

Es gibt ja Überlegungen, ihn bis Paderborn fahren zu lassen und die S5 dann bis Hameln zu verkürzen.


Das Thema existiert, ja. Und das wäre auch die beste Lösung. Das Problem ist aber, dass wir mit den aktuellen Fahrplänen keinen vernünftigen Anschluss in Paderborn hinbekommen. Wir sind weiter im Gespräch mit der zuständigen Nahverkehrsgesellschaft aus NRW.

 

Nur: Dann käme man ja nur noch unter der Woche und zu den Stoßzeiten nach Paderborn.


Richtig – wir müssten dann auch die Fahrtzeiten des Sprinters ausbauen. Da müsste geprüft werden, inwieweit sich das lohnt.

 

In der Politik ist die Empörung groß, dass Springe und Bad Münder auch noch ihre Direktverbindung zum Flughafen verlieren könnte, weil Sie den gerne an die Messe anschließen möchten.


Es war immer geplant, die Flughafen-Linie direkt zur Messe zu führen. Dies ging allerdings aus betrieblichen Gründen zunächst nicht, deshalb wurde die Linie erst einmal nach Springe geführt. Ob die direkte Flughafen-Messe-Linie in absehbarer Zeit kommen wird, ist noch offen. Das Problem ist für Springe ohnehin eher ein symbolisches – denn die Nachfrage zum Flughafen ist überschaubar. Zudem würden wir bei einer Umlegung der Flughafen-Linie für gute Umsteigemöglichkeiten in Hannover ab Hameln und Springe sorgen.

 

Weil Sie ohnehin Probleme haben, das S-Bahn-Netz aus- oder umzubauen?

 

Das Problem ist Hannover. Im Hauptbahnhof kann keine zusätzliche S-Bahn mehr halten, kein Regionalzug. Wir untersuchen jetzt, zusammen mit der Deutschen Bahn und dem Land, wie man die Aufnahmefähigkeit erhöhen kann. Da geht es um Signale, um Weichen. Ich meine auch, zwei zusätzliche Gleise wären sinnvoll. Denn die Zahl der S-Bahn-Nutzer wächst weiter. Wir brauchen mehr Kapazitäten.

 

 

Ein Ziel ist auch, den Umstieg vom Rad auf die Bahn zu erleichtern.


Momentan lassen wir die S-Bahn-Wagen umbauen, so dass in den Mehrzweckabteilen mehr Platz für Räder und Rollstühle ist. Ansonsten sind die Springer Bahnhöfe recht gut aufgestellt. In Völksen wurde die Bike-and-Ride-Anlage gerade erweitert. In Springe gibt es auf dem Vorplatz die große Überdachung mit 164 Plätzen. Dazu kommen 18 Stellplätze und 64 Vorderradklemmen auf der Nordseite.

 

Eine Fahrradgarage wie an anderen Bahnhöfen planen Sie nicht?

 

Nein, eine Erweiterung ist aktuell nicht vorgesehen. Aber in Springe wollen wir das noch mal prüfen, wenn wir, wie im Nahverkehrsplan vorgesehen, den gesamten ZOB neu überplanen und umgestalten.

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