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Salzhemmendorf-Prozess: Springerin zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt

„Das zeigt, wes Geistes Kind Sie sind“

Springe. Saskia B. rollten zeitweise Tränen über die Wangen. Der vorsitzende Richter hatte ihr fremdenfeindliche Tendenzen attestiert - und eine lange Haftstrafe verhängt.


Springe. Saskia B. rollten zeitweise Tränen über die Wangen. Die Staatsanwaltschaft hatte für die 24-jährige Springerin beim Prozess zum Brandanschlag auf ein von Asylbewerbern bewohntes Haus in Salzhemmendorf vier Jahre und zwei Monate wegen Beihilfe zum versuchten Mord beantragt. Die zweifache Mutter hatte auf eine Bewährungsstrafe gehofft. Am Ende hat das Gericht die Haftstrafe auf viereinhalb Jahre erhöht.

Der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts sprach klare Worte. An die drei Angeklagten, die am 28. August 2015 den Brandanschlag auf ein von 31 Asylbewerbern und neun Deutschen bewohntes Haus in Salzhemmendorf verübt haben, gerichtet, sagte Wolfgang Rosenbusch: „Durch das, was Sie in dieser Nacht getan haben, unterscheidet Sie nichts von marodierenden SA-Trupps, die am 9. November 1938 jüdische Geschäfte und Synagogen angezündet haben.“ Es unterscheide sich auch nicht von Ku-Klux-Klan-Mitgliedern, die Menschen aufgehängt haben, weil deren Hautfarbe schwarz ist und auch nicht von den IS-Terroristen, die in Paris Menschen getötet haben, nur, weil sie anders sind und anders denken. Die Urteile, die Rosenbusch sprach, fielen denn auch hart aus. Dennis L. (31) aus Lauenstein, der gestanden hat, den Molotow-Cocktail geworfen zu haben, muss acht Jahre, sein Kumpel Sascha D. (25) aus Salzhemmendorf, der geholfen hat, den Brandsatz zu bauen, sieben Jahre.

Saskia B. hatte die Männer seinerzeit zum Tatort gefahren und nach dem Anschlag den Fluchtwagen gesteuert. Der alkoholkranke Sascha D. muss zunächst anderthalb Jahre Haft im Gefängnis verbüßen, danach wird er auf Anweisung der Kammer in eine Entziehungsanstalt verlegt. Er hat die Chance, nach dreieinhalb Jahren entlassen zu werden, wenn er in der Therapie aktiv mitarbeitet. Die Angeklagten nahmen die Entscheidungen der Richter mit versteinerter Miene und hängenden Köpfen entgegen. Nur Sasia B. zeigte eine Gefühlsregung.

Rosenbusch hatte vorab erklärt, die Kammer sehe sie als Mittäterin. „Sie haben sich das zwar nicht ausgedacht, aber Sie hätten es stoppen können. Wenn Sie die Männer nicht gefahren hätten, wäre wahrscheinlich nichts passiert“, mutmaßte der Richter. Saskia B. sei in das Boot gestiegen, das da abgelegt habe.

Auch die Behauptung von Saskia B., sie habe nicht gewusst, was ein Molotow-Cocktail ist, ließ das Gericht nicht gelten. „Wer beim Bau eines solchen Brandsatzes dabei ist, weiß natürlich, was passiert, wenn man ihn anzündet und in ein Haus wirft“, sagte Rosenbusch und fügte hinzu: „Frau B., Sie haben Realschulabschluss. Sie sind nicht doof.“

Das Gericht ist davon überzeugt, dass auch die Springerin aus fremdenfeindlichen Motiven gehandelt hat. Rosenbusch attestierte ihr „Rassismus und Ausländerhass“. Sie habe damit kokettiert, ihrem zweijährigen Sohn „Sieg heil!“ beigebracht zu haben. „Das zeigt schon, wes Geistes Kind Sie sind.“

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