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Ein Jahr danach: Die Abwrackprämie hat bei heimischen Autohändlern Spuren hinterlassen

„Das war eine Katastrophe im positiven Sinn“

Springe (ric). Etwas mehr als ein Jahr ist es her, da zogen heimische Autohändler einen dicken Schlussstrich unter eine außergewöhnliche Zeit, hakten unnatürlich hohe Verkaufszahlen ab. Und blickten besorgt in eine schwer kalkulierbare Zukunft voller düsterer Prognosen. Die Abwrackprämie ist Vergangenheit. Wem sie genutzt hat, wer noch heute profitiert – eine Übersicht.

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„Das ist im positiven Sinne eine Katastrophe gewesen“, sagt Carsten Riegler und lacht. Das kann der Suzuki-Händler inzwischen auch wieder. Denn für ihn steht fest: Der Markt hat sich längst erholt. „Wir haben anfangs vorsichtig in diesem Jahr kalkuliert“, sagt Riegler. Doch durch den langen Winter waren im Offroad-Bereich sämtliche Wagen vergriffen. Und das schon im April. Riegler sagt, er habe den Vorteil, als einer der größten Suzuki-Händler in Norddeutschland auf weitere Kontingente zurückgreifen zu können. Bei Kleinstwagen hätten sich die Leute zwar eingedeckt, größere Modelle würden allerdings zum Teil doppelt so gut gehen wie im Vorjahr. „Damals hatten wir ungewöhnlich viele Neukunden – jetzt sind die Stammkunden wieder da, denen es während der Prämienzeit eindeutig zu stressig gewesen ist“, sagt Riegler und gibt sich insgesamt „ausgesprochen zufrieden.“

Zum ersten Mal werden in Deutschland in diesem Jahr weniger als drei Millionen Neufahrzeuge zugelassen, berichtet Ernst Sustrate, Opel-Händler aus Gestorf. „Das ist schon ein echter Hammer“, der Markt sei um ein Drittel eingebrochen. Sustrate registriert einen Boom bei sogenannten Premiummarken, die von der Prämie größtenteils ausgespart blieben. Und: „Gebrauchtwagen laufen wieder gut – aber insgesamt gibt es zu wenige davon.“

Ein Phänomen, das auch Wolfgang Stegemann vom gleichnamigen Citroën-Autohaus in Springe festgestellt hat. „Wenn sich junge Leute einen günstigen Alten kaufen wollen, dann bekommen sie echte Probleme.“ Stegemann berichtet, dass nach der stattlichen staatlichen Prämie „alles ruhiger geworden sei“, inzwischen aber wieder anlaufen würde. „Wir merken, dass die Kunden wieder Geld in der Tasche haben.“

„Gut aufgestellt“ sieht Verkaufsleiter Rainer Ernst sein Autohaus. Der Neuwagen-Verkauf habe nicht nachgelassen, sagt der Fachmann von BMW Siekmann. Ein Modell, der X1, sei besonders stark nachgefragt, die Wartezeit liege im Schnitt bei vier Monaten. Sicher: Die Branche sei verunsichert gewesen, nicht zuletzt, weil die Prämie den Markt hatte boomen lassen.

Rückblickend bezeichnet Peter Averdieck vom Autohaus Mensenkamp, das Neu- und Gebrauchtwagen von VW, Audi und Skoda vertreibt, das vergangene Geschäftsjahr als außergewöhnlich. „Es war die allgemeine Tendenz, dass Interessierte die Gelegenheit genutzt haben und ohnehin geplante Käufe vorzogen“, stellt der Prokurist fest. Dank Wirtschaftsboom und eines günstigeren Arbeitsmarktes sei die Tendenz im Jahr 2010 besser als erwartet. „Die Prämie hat bei uns keine Auswirkungen auf die Zeit danach gehabt – im Gegenteil: Wir haben jetzt sogar erhöhte Lieferzeiten“. Rundum zufrieden sei er, sagt Averdieck, auch deshalb, weil sich die Situation wieder normalisiert hatte. Und weil der Kunde wieder mehr Interesse an neuen Modellen zeige.

Suzuki-Händler Riegler macht das, was ihm einige Kollegen aus der Branche gleichtun: Er klammert das Jahr 2009 komplett aus seinen Prognosen aus. „Wenn wir einen Vergleich ziehen, dann nur zwischen 2008 und 2010 – alles andere bringt eine Schieflage.“

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