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Wie Tim Hartmann aus Mittelrode fürs Leben auf dem Land wirbt

Das Dorfkind wehrt sich

Mittelrode. Tim Hartmann war es leid, allen Kollegen immer wieder erklären zu müssen, wo er wohnt. Bei Völksen? Kennt keiner. Springe? Auch nicht. Erst wenn er sagt, dass Mittelrode zwischen Hameln und Hannover liegt, tut sich etwas. Jetzt wehrt sich der 22-Jährige. Und hat ein Projekt gegründet, das eine Liebeserklärung an alle Dörfer im Land ist.


 

Da ist dieser Geruch, der in der Stadt fast nie gerochen wird. Würzig, leicht süßlich und erdig liegt das Aroma der gold-gelben Ähren auf der Straße zur Hallermühle. Landluft, wie sie Tim Hartmann, 22, weiße Socken, weiße Sneakers mit roter Linie am Rand, liebt. Das sagt er auch. Und er zeigt es. Etwa auf seinem T-Shirt: „DorfstattStadt“ steht darauf in großen weißen Lettern. Die Worte sind dabei nicht mit Trennstrichen abgegrenzt. „Das soll so sein, das ist schließlich eine Marke“, sagt der gelernte Mediengestalter und tippt mit dem Finger aufs Logo.

 

Hartmann hat eine klassische Dorf-Biografie: Als kleiner Junge trat er dem Fußballverein bei, war Mitglied bei der Feuerwehr Mittelrode, leitet sogar selbst als Trainer eine Mannschaft. Sein gesellschaftliches Leben spielt sich in Mittelrode ab, Freunde, Bekannte, Nachbarn lädt er zum Grillen ein, alles hat seinen Platz. Wer über die Straße geht, grüßt jeden. Nach seinem Fachabitur am Wirtschaftsteil der Berufsbildenden Schulen in Springe stand er vor der Entscheidung: gehen – oder doch lieber bleiben?

 

Als Hartmann in Hannover seine Ausbildung zum Mediengestalter begann, war ein Umzug für ihn kein Thema. Er wohnte weiter im elterlichen Haus in Mittelrode. Später bekam er ein Angebot einer großen Agentur aus Hamburg – und erschlug es aus. „Es fühlte sich einfach falsch an, das Dorf zu verlassen“, sagt er heute. Und er blieb da.
Auf dem Holztisch, der auf der elterlichen Terrasse steht, hat Hartmann Gebäck ausgelegt: Waffelrollen mit Schokoüberzug, Kekse mit Füllung. Hier, in der Heimat, kam ihm die Idee zu dem Projekt.

 

Auf der Facebook-Seite, die der Mediengestalter angelegt hat, steht als Erklärung für Besucher: „Vom Dorfkind für Dorfkinder.“ Hartmann schreibt dort sei Januar regelmäßig kurze Texte aus der Rubrik „Leben auf dem Dorf ist...“. Liebeserklärungen an das Land-Leben, die bei vielen gut ankommen. Geld verdienen will er damit nicht, sagt er. Stattdessen möchte er erreichen, dass sich Leute vom Dorf aus ganz Deutschland stärker miteinander vernetzen, über ihre Heimat ins Gespräch kommen. Die ersten T-Shirts mit dem Dorf-Logo in großer Auflage werden in wenigen Wochen verkauft. Kosten: 23 Euro.

 

Im Januar hatte Hartmann begonnen, auf Facebook unter dem Namen „DorfstattStadt“ Texte und Fotos einzustellen. Mittlerweile folgen 848 Personen seinen Veröffentlichungen im sozialen Netzwerk. Und mittlerweile fragen ihn Kollegen aus Hannover, ob sie auch solche T-Shirts haben können. Bisher gibt es nämlich nur 35 Stück.

 

Hartmann steht vor dem Ortsschild, schaut auf die Felder, die in der Sonne goldgelb strahlen. „Das Tolle am Dorf ist einfach, dass alle zusammenhalten und dass sich im Ernstfall jeder um jeden kümmert“, sagt der junge Mann. Und betont, dass er und seine Seite und alles was er mache, authentisch sei. Wie das Dorf. Das ist ihm besonders wichtig.

 

Wenn „DorfstattStadt“ mit den neuen T-Shirts Gewinn abwerfen sollte, möchte der junge Mann ihn spenden – und davon mehr Treffen mit Dorf-Fans aus dem ganzen Land organisieren. Ein Termin fürs nächste Grillfest steht schon.

 

www.dorfstattstadt.de

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