weather-image
27°

Das Baum-Rätsel von Lüdersen

LÜDERSEN. Er war da – und nun ist er weg. Die Frage, warum der Baum nicht mehr da ist, treibt derzeit die Aktiven der Initiative Gegenwind Lüdersen um. Sie fürchten, dass das Verschwinden in direktem Zusammenhang mit den geplanten Windkraftanlagen zwischen Pattensen und Lüdersen steht. Die Polizei ermittelt.

Genja Gerber und Wolfgang Salomon zeigen Achim Gregor von der Polizei in Pattensen Fotos und Koordinaten des verschwundenen Baumes. FOTO: MISCHER
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

„Wenn hier ein Rotmilan brüten würde, wäre es mit den Planungen für die Windkraft an dieser Stelle aus“, sagt Wolfgang Salomon, Vorsitzender von Gegenwind Lüdersen.

Bislang kann nur spekuliert werden, was auf einem Feld zwischen Pattensen und Lüdersen geschehen ist – und warum. Aufmerksam auf die Baum-Fällung wurde Genja Gerber. Sie hatte in einer Weide mitten auf einem Feld bereits im September ein großes Vogelnest, einen Horst, gefunden. „Es spricht vieles dafür, dass es sich um den Horst von Rotmilanen gehandelt hat“, sagt sie. Immerhin sei unter anderem ein Schal in dem Nest verbaut worden, „ganz typisch für die geschützten Vögel“. Salomon berichtet zugleich, dass in Lüdersen und auf den Feldern rundherum immer wieder Rotmilane gesichtet würden. Und ergänzt: „Im Umkreis von 1,5 Kilometern rund um Rotmilan-Horste dürfen keine Windräder gebaut werden.“ Logisch, dass die Windkraftkritiker das mögliche Nest von Experten begutachten lassen wollten. Die kamen aber nun zu spät.

Immer wieder hatte Gerber das Nest mit dem Fernglas von Lüdersen aus beobachtet und Fotos gemacht. Belegt ist, dass der Baum am 16. Januar noch stand, weniger Tage später war er weg. Und mit ihm das, was ein Greifvogelhorst gewesen sein könnte.

Die Aktiven von Gegenwind trieb das Verschwinden der Weide um. Gerber kontaktierte einen Rotmilan-Experten. Anhand der Fotos konnte er bestätigen, dass es eine große Wahrscheinlichkeit dafür gebe, dass es sich um einen Horst der geschützten Art handele. Sicher sagen konnte er es aber nicht. „Dafür hätte er den Horst untersuchen müssen.“

Kann er aber nicht mehr. Und die Windkraftgegner fürchten nun, dass das nicht ihnen, sondern den Windkraftbefürwortern und der Investorenfirma in die Hände spielt. Aus dem Grund haben sie schließlich auch bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Der Rotmilanbestand ist in den letzten zwanzig Jahren um 30 Prozent eingebrochen. Die Intensivierung in der Landwirtschaft, Störungen der Bruten und Verluste an Stromleitungen und Windkraftanlagen werden immer mehr zum Problem. Deshalb gilt für den Greifvogel ein besonderer Schutzstatus. Wer einen Baum fällt, in dem ein Rotmilan brütet , verstößt gegen das Bundesartenschutzgesetz – und macht sich strafbar. Die Polizei nimmt die Anzeige offenbar ernst und hat vor Ort Ermittlungen aufgenommen, wertet Fotos aus und führt Gespräche mit dem Grundstückseigentümer.

Information

Die Windkraftgegner beobachten weitere Baumfällungen in der Feldmark zwischen Lüdersen und Pattensen kritisch. Sie bitten mögliche Zeugen der Rodungsaktionen, sich zu melden per Mail:

kontakt@gegenwind.luedersen.de

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare