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Lebhafte Debatten beim NDZ-Wahlforum

Da ist Pfeffer drin

Springe. Langweilig sei er, der Bundestagswahlkampf, klagten viele – vorhersehbar und ohne Kontroversen. Während diese Vorwürfe im Kanzler-Rennen spätestens seit dem TV-Duell überholt sind, zeigte sich am Dienstagabend auch in Springe: Da ist Pfeffer drin. Die sechs Kandidaten aus dem Wahlkreis 47 lieferten sich teils hitzige Auseinandersetzungen. Vor allem die Themen Atomkraft, und Mindestlohn sorgten für Streit.

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Da musste Maria Flachsbarth doch mal laut werden gegenüber dem „geschätzten Kollegen“ Matthias Miersch (SPD). Gerade hatte der Rechtsanwalt auf dem Podium im Schulzentrum Nord das Thema Mindestlohn anhand der Gebührenordnung für seinen eigenen Berufsstand erklärt – da platzte seiner CDU-Rivalin der Kragen: „Sie vergleichen doch Äpfel mit Birnen!“, wetterte Flachsbarth.

Es sollte nicht die einzige Auseinandersetzung an diesem Abend bleiben. FDP-Kandidat Dirk Weissleder erntete für seine These, Hartz IV sei doch eine Art Lohn-Untergrenze, gar Gelächter und Buh-Rufe aus dem Publikum. Weissleder war es auch, mit dem Moderator und NDZ-Chefredakteur Marc Fügmann die Fragerunde eröffnete: „Haben Sie überhaupt noch Lust, für eine derart krisengeschüttelte Partei Wahlkampf zu machen?“ Weissleder bejahte: „Ich bin zuversichtlich.“ Eine „gewisse Leidensfähigkeit“ sei als FDP-Mitglied Voraussetzung: „Manchmal weiß ich nicht, ob der Schmerz gerade kommt oder geht.“

SPD-Kandidat Miersch sah sich mit der Frage nach Koalitionen konfrontiert. Die Debatte um Rot-Rot-Grün oder Rot-Schwarz sei „etwas daneben“, sagte Miersch: „Ziel ist Rot-Grün. Und es ist noch viel im Fluss.“ Man müsse aber weg von der „Ausschließeritis“. Für eine Koalitionsentscheidung seien ihm Inhalte wichtig – und da sehe er aktuell zu wenig Schnittmengen mit der Linken: „Wir können es uns nicht leisten, die Bundesrepublik gemeinsam zu regieren, wenn wir in zentralen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik nicht übereinstimmen.“

Doch auch ein Zusammengehen mit der CDU ist für den SPD-Mann nicht einfach: „Ich sehe viele unterschiedliche Politikansätze“, etwa bei eben jenem Mindestlohn, den die CDU zumindest flächendeckend und einheitlich ablehnt. In der Großen Koalition „haben wir sozialdemokratische Kernkompetenzen abgegeben. Das darf nie mehr passieren.“

zett

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