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Cornelius Schneider-Pungs spricht über Martin Luther

SPRINGE. Bänkerücken in der St.-Andreas-Kirche: Statt – wie sonst üblich – auf den Altar zu schauen, blickten die 120 Zuhörer auf die Orgel. Und das aus gutem Grund:

Auch Horst Callies aus Völksen diskutiert mit Cornelius Schneider-Pungs (rechts) über die Reformation. FOTO: Lüdersen

Autor

Friedhelm Lüdersen Reporter

Cornelius Schneider-Pungs pendelte in seinem Vortrag zwischen Mikrofon und Orgelbank. Der ehemalige Kreiskantor hat sich der Reformation aus musikalischer Sicht genähert.

Der Kirchenmusiker war auf Einladung des Springer Rotary-Clubs gekommen, um über die die Folgen der Reformation für die Kirchenmusik zu sprechen. Schneider-Pungs stand 30 Jahre im Dienst der Kirchenmusik in der St.-Andreas-Kirche und hat die Klaiss-Orgel mit konzipiert“, sagte Kirchenvorsteherin Karin Müller-Rothe. Schneider-Pungs ist seit 2015 im Ruhestand und wohnt mittlerweile in der Nähe von Hamburg. „Ich muss einige Orgelstücke wegen der Temperaturen in der Kirche weglassen“, entschuldigte sich der Referent gleich zu Beginn.

Seinen Vortrag begann er mit der Feststellung, dass Luther ein sehr musikalischer Mensch gewesen sei, der Gesang gelernt und Laute gespielt habe. Schneider-Pungs untersuchte zunächst die Musik zu Zeiten Luthers anhand von Tonbeispielen vom Plattenteller. Luther wollte weg von den gregorianischen Gesängen im Gottesdienst, er sei mehr für kunstvolle Mehrstimmigkeit gewesen. Damit habe er aber noch nicht die Kirchenmusik verändert, aber für neue Motivation gesorgt, dass überhaupt Musik und die deutsche Sprache im Gottesdienst eingeführt wurde.

„Luther hatte nicht vor, die Kirchenmusik zu revolutionieren, sondern er wollte mit der Musik liturgische Änderungen durchsetzen und dabei das Wort in den Mittelpunkt des Gottesdienstes stellen“, erklärte Schneider-Pungs. Die Orgel habe daran großen Anteil, und das erste Lied auf der Klaiss-Orgel, das Schneider- Pungs spielte, war „Christ ist erstanden“. Er spielte es so, wie es zu Luthers Zeiten geklungen hat, mit kleinen Orgelpfeifen.

Die Lutherlieder, wie sie heute im Gesangbuch stehen (eine feste Burg ist unser Gott), seien erst später gekommen und haben mit Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude und auch Johann-Sebastian Bach zu tun, die die Kirchenmusik mit beeinflusst haben. Luther habe erkannt, dass nichts auf Erden kräftiger ist, die Traurigen fröhlicher, die Verzagten herzhafter mache als die Musik.

Luther habe sich daher dafür eingesetzt, die Musik im Gottesdienst stärker zu verankern. „Worte erreichen die Herzen nur mit Musik“, schloss Schneider-Pungs den Vortrag ab.

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