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Farbe bekennen

Bürgermeister-Kandidaten beantworten Fragen der Leser

Springe. „Eine Frage noch, Herr Kandidat“: Unter diesem Motto hatte die NDZ ihre Leser und einige Interessensvertreter gebeten, kurz vor der Stichwahl Fragen an beide Bürgermeister-Bewerber zu richten. Die aufschlussreichen Antworten:


Springe. „Eine Frage noch, Herr Kandidat“: Unter diesem Motto hatte die NDZ ihre Leser und einige Interessensvertreter gebeten, auf den letzten Metern vor der Stichwahl Fragen an beide Bürgermeister-Bewerber zu richten. In den Verlagsräumen an der Bahnhofstraße bekannten Ralf Burmeister (CDU) und Christian Springfeld (FDP) jetzt Farbe.

 

Wie geht es weiter mit der Sportstättennutzungsgebühr? (Manfred Wissmach, Springe)

Burmeister: Ich bin grundsätzlich dagegen. So viele Bürger sind ehrenamtlich in den Sportvereinen organisiert. Klar – wir sind in der Haushaltskonsolidierung. Aber ob das den Schuldenstand so dermaßen drückt, weiß ich nicht.

 

Springfeld: Ich schließe mich an. Man soll den Ehrenamtlichen nicht noch Steine in den Weg legen. Damit machen wir mehr kaputt, als es bringt.

 

Wie wollen Sie mit dem Thema Straßenausbau-Beiträge umgehen? (Manfred Schwabe, Springe)

Springfeld: Das Modell, die Kosten für den Straßenausbau auf alle Bürger umzulegen und auf die Gebühren für Anwohner zu verzichten, gibt es zum Beispiel in Schleswig-Holstein schon. Und auch in Niedersachsen haben wir eine Gesetzesinitiative. Das sollte hier auch möglich sein.

 

Burmeister: Da spielt auch der defizitäre Haushalt eine Rolle: Einnahmen durch Beiträge müssen wir erheben. Eine Umlage für alle trifft aber nicht nur Grundstücksbesitzer, sondern auch Mieter. Außerdem müssen wir darauf achten, dass Leute, die gerade erst bezahlt haben, nicht plötzlich doppelt zur Kasse gebeten werden.

 

Wenn es für IGS und Realschule aus Platznot eine Außenstelle gibt, fürchten wir, dass unsere Tochter mit anderen Realschülern abgeschoben und aus dem sozialen Schulleben isoliert wird. Was schlagen Sie vor? (Dr. Petra Böhmer-Brinks und Thomas Brinks, Springe)

Burmeister: Es tut mir leid, dass Haupt- und Realschüler hin- und hergeschoben werden. Das ist nicht schön. Vorstellbar ist ja, dass nur die Fachräume in die jetzige Hauptschule umziehen. Eine Lösung muss der Runde Tisch erarbeiten.

 

Springfeld: Das ist eine unglückliche Situation für alle Beteiligten. Man muss die Ressourcen in der Stadtverwaltung auf das Schulzentrum Nord konzentrieren, bevor wir andere Großprojekte angehen.

 

Soll der Deisterkessel am Hamannsbruch bebaut werden? (Stefan Sohns, Springe)

Springfeld: Das ist ein Filetstück, das wir in Angriff nehmen und diskutieren müssen. Ausschließen möchte ich da nichts. Es wäre ja logisch, dort das fortzusetzen, was mit dem Kreisverkehr schon angelegt ist.

 

Burmeister: Springe soll als Wohnstandort interessanter werden. Und da gehört dazu, dass wir uns Baugebiete wie dieses und die Schille in Bennigsen anschauen. Ich möchte da ohne Vorbehalte rangehen.

 

Welches Thema zum Verhältnis von Kommune und Kirche möchten Sie mit mir zuerst diskutieren? (Superintendent Detlef Brandes, Kirchenkreis Laatzen-Springe)

Springfeld: Zuerst denke ich an das Flüchtlingsthema. Bisher wird da Beeindruckendes geleistet. Mein Anliegen ist aber, dass die ehrenamtliche Arbeit besser koordiniert wird.

 

Burmeister: Die Kirche stellt in der Kommune eine wichtige Schnittstelle dar, etwa bei den Kitas, aber auch bei den Flüchtlingen. Ich würde umgekehrt einfach fragen, welche Bedürfnisse die Kirche in Springe hat.

 

Der Bürgermeister hat im Rat nur eine Stimme – und ist für die effiziente Führung der Verwaltung verantwortlich. Welche konkreten Maßnahmen ergreifen Sie da? (Wolfgang Klemmt, Springe)

Burmeister: Jeder hat seinen Führungsstil. Ich habe Lehrgänge besucht und weiß, wie man große Organisationseinheiten führt. Ich werde die Mitarbeiter darauf einschwören, dass wir als Einheit auftreten müssen. Nur gemeinsam können wir effizient sein.

 

Springfeld: Ich will ein Wir-Gefühl schaffen. Dazu muss ich die Mitarbeiter kennenlernen. Das Ziel muss sein, dass die Leute begreifen, dass sie Springe repräsentieren. Wenn ein Mitarbeiter im Bürgergespräch einen schlechten Tag hat, hat auch Springe einen schlechten Tag.

 

Was können Sie für die Springer Schulen tun? (Stephan Kohser, stellvertretender Leiter OHG)

Burmeister: Wir müssen die richtigen Voraussetzungen geben, damit die Schüler dort lernen können. Mit guten Schulen kann ich auch Bauwillige anlocken. Aber wir können eben nur die Rahmenbedingungen schaffen.

 

Springfeld: Ich würde einen Runden Tisch anbieten. Man darf das Instrument nicht überstrapazieren. Aber ich würde die Schulleiter gerne fragen: Was ist für Sie dringlich?

 

Eine Stadt ohne Kultur ist eine tote Stadt. Was wollen Sie unternehmen? (Hinrich Bergmeier, Kulturkreis Springe)

Springfeld: Was ich als Bürgermeister konkret machen kann, ist nicht mehr als ideelle Unterstützung zu geben. Mit Vorschlägen sollte der Kulturkreis selbst aktiv werden – und sie ins Rathaus tragen.

 

Burmeister: Die Kulturangebote sind in Springe nicht sehr ausgeprägt. Ich freue mich über alle, die etwas organisieren – aber konkrete Ideen müssten von ihnen kommen. Ich kann keine Geldzusagen machen, denn darüber entscheidet der Rat. Ich kann nur das klare Bekenntnis geben, dass ich diese Institutionen erhalten möchte.

 

Wie lauten für Sie die drei wichtigsten Punkte in einem Arbeitspapier mit dem Titel „Visionen für die Innenstadt? (Wilko Struckmann, Vorsitzender Werbegemeinschaft WIR)

Burmeister: Erstens: Leerstandsbeseitigung. Zweitens: mehr Aktivitäten. Da muss immer Leben sein. Und drittens: Anreize schaffen für weitere Ansiedlungen. Wir müssen einen Magneten haben, der Leute anzieht.

 

Springfeld: Ich möchte erstens einen Jour-Fixe mit der Werbegemeinschaft einrichten. Das verbessert die Kommunikation. Zweitens ist es wichtig, das Woolworth-Gebäude ins Visier zu nehmen. Da ist planerisch der größte Spielraum. Drittens wäre mir wichtig, dass sich die Kaufleute bewusst werden, dass sie Dinge anbieten müssen, die es im Internet nicht gibt: gute Beratung und tollen Service.

 

Eine Baumsatzung könnte verhindern helfen, dass auch die letzten alten Bäume auf Privatgrundstücken verschwinden. Was meinen Sie? (Rudolf Krause, Altenhagen I)

Springfeld: Ich habe mir im Detail dazu noch keine Meinung bilden können. Ich bin da offen für Gespräche.

 

Burmeister: Ich halte nichts davon, den Bürgern zu viele Vorschriften zu machen, was das eigene Grundstück angeht. Bei besonderen Baumbeständen könnte ich mir aber Absprachen vorstellen.

 

Wie sehen Sie die Zukunft kleinerer Grundschulen wie Gestorf? (Annette Hoffmann, Gestorf)

Burmeister: Ginge es nach mir, würde ich alle Grundschulen erhalten. Leider geht das nicht immer – wie in Altenhagen I. Ich persönlich werde dem Rat nicht vorschlagen, Grundschulen zu schließen.

 

Springfeld: Ich möchte alle Ortsteile stärken – denn Springes Charme liegt gerade da. Wo gibt es solche Dorfschulen denn noch? Von mir wird es da keine Initiative zur Schließung geben.

 

Was werden Sie unternehmen, um den Ausbau des Schulzentrums Nord möglichst schnell zu realisieren? (Frank Kasburg, Leiter IGS)

Springfeld: Das hätte für mich erste Priorität. Deshalb würde ich die vorhandenen Ressourcen in der Verwaltung darauf konzentrieren.

 

Burmeister: Wir haben jetzt die Konsequenzen der einjährigen Verzögerung zu tragen. Aber die Mittel für die Erweiterung stehen im Haushalt. Vielleicht hätte man den Start der IGS auch zurückstellen sollen, bis man die baulichen Voraussetzungen geschaffen hat.

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