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Hische tritt nach 28 Jahren aus der CDU aus / Woltmann empfiehlt sich Parteibasis als Finanzfachmann

Bürgermeister gibt sein Parteibuch zurück

Springe (mf/zett). Nach über 28 Jahren Mitgliedschaft ist Bürgermeister Jörg-Roger Hische gestern „mit sofortiger Wirkung“ aus der CDU ausgetreten. Er zieht damit die Konsequenzen aus dem monatelangen Streit mit den Spitzen von Stadtverband und Fraktion. Am Mittag legte Hische sein Parteibuch, eine unscheinbare blaue Papierkarte von gerade acht mal neuneinhalb Zentimetern Größe, in einen Briefumschlag, den er an Parteichefin Anette Henkels adressierte.


Das Begleitschreiben fiel für einen Abschiedsbrief ausgesprochen knapp aus: In einem Einzeiler teilte er Henkels seine Entscheidung mit – ohne weitere Begründung.

Mit dem Schritt habe er dem drohenden Ausschlussverfahren zuvorkommen wollen, sagte Hische im Gespräch mit der NDZ. „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen und werde mich deshalb auch nicht wegen angeblich parteischädigenden Verhaltens rausschmeißen lassen.“ Der Bürgermeister schüttelt energisch den Kopf, räumt aber gleichzeitig ein: „Nach so langer Zeit in der CDU empfinde ich schon Wehmut. Andererseits war die Entwicklung absehbar.“ Nach nicht enden wollenden Querelen mit Teilen der Partei hatte der 52-Jährige Anfang des Jahres bekannt gegeben, bei der Kommunalwahl 2011 nicht mehr als CDU-Kandidat antreten zu wollen – sondern als unabhängiger Einzelbewerber. Er werde sich nicht länger in die Amtsführung reinreden lassen, so Hische.

Seine Rolle in der CDU übernimmt nun Friedrich Woltmann. Am Mittwochabend kürten die Christdemokraten den Alvesröder in einer nichtöffentlichen Sitzung zu ihrem Kandidaten (NDZ berichtete). Angetreten als einziger Bewerber, kam er auf 72,6 Prozent der knapp hundert abgegebenen Stimmen. Einige Mitglieder hätten wegen ihrer Freundschaft zu Hische nicht über ihren Schatten springen können, sagte Woltmann gestern: „Das verstehe ich.“

Teilnehmer der Sitzung berichten von einer angespannten, aber sachlichen Atmosphäre. Wer erwartet hatte, dass schmutzige Wäsche gewaschen würde, wurde enttäuscht. In seiner Bewerbungsrede erwähnte Woltmann Hische mit keiner Silbe, betonte lediglich, dass er eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Partei anstrebe. Ansonsten empfahl sich der 49-jährige Wirtschaftsprüfer als Finanzfachmann, der sein Wissen in den Dienst Springes stellen wolle.

Ohne weitere Diskussion – es gab lediglich eine einzelne Sympathiebekundung und eine Nachfrage – schritten die Mitglieder dann zur geheimen Wahl, die von Henkels’ Vorgänger Rainer Starke und der Landtagsabgeordneten Gabriela Kohlenberg geleitet wurde. Nacheinander wurden die Anwesenden aufgerufen, in einer der beiden aufgestellten Kabinen ihre Stimme abzugeben.

Wenngleich die Vertreter des Hische-Lagers sich in der Sitzung nicht erneut zu Wort gemeldet haben, kann er sich ihrer Unterstützung wohl sicher sein. Gegenüber der NDZ kündigten gestern mehrere Parteimitglieder an, für den amtierenden Bürgermeister Wahlkampf machen zu wollen – an Info-Ständen und mittels Anzeigenkampagne.

Stadtverbandschefin Henkels weiß denn auch um die Gefahr, dass Hische und Woltmann das konservative Lager spalten und so beide als Verlierer aus dem Rennen gehen könnten. Indirekt hofft sie gar auf einen Rückzieher des Amtsinhabers: „Ich bin gespannt, wie er auf das Abstimmungsergebnis reagiert. Vielleicht denkt er noch einmal nach.“ Hische habe sich wohl insgeheim ein „deutlich positiveres Votum“ für sich erhofft, spekuliert Henkels.

Von einer „Zerreißprobe“, die ihr Vize Torsten Luhm in der vergangenen Woche noch prognostiziert hatte, sei in der Sitzung am Mittwochabend jedenfalls nichts zu spüren gewesen. Luhms Äußerungen nagen noch spürbar an der Parteichefin: „Wenn ich die Mitteilung vorher gesehen hätte, hätte ich da noch ein paar Takte zu gesagt“, so Henkels gestern. Hische indes sieht keinen Anlass, seine Einzel-Kandidatur noch einmal zu überdenken. „Ich gehe meinen Weg.“ Er werde sich deshalb aber auch keiner anderen Partei anschließen.

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