weather-image
17°
Unbekannte werfen in Boitzum drei Molotowcocktails

Brandanschlag auf Wohnhaus

Boitzum. Ein Brandanschlag erschüttert das Dorfleben im beschaulichen Boitzum: Unbekannte haben drei Molotowcocktails auf ein bewohntes Haus geworfen, in dem sich zum Tatzeitpunkt drei Menschen aufhielten. Soll der Eigentümer eingeschüchtert werden?

270_008_6621561_PRIO_2.jpg

Autor:

VON MARKUS RICHTER UND CHRISTIAN ZETT

Das Gebäude liegt idyllisch am Ortsrand. „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ steht in einer geschnörkelten Schrift über dem Portal. Der Vorgarten ist gepflegt, hier, wo Ende des 19. Jahrhunderts die alte Dorfschule mit Viehstall und Strohlager war. Heute ist das Haus – weit über Boitzum hinaus bekannt, weil sich hier in den 70er-Jahren eine angesagte Diskothek befand – in privater Hand und liebevoll saniert.

Es ist Sonnabendvormittag, als der 50-jährige Eigentümer in seinen Wagen steigt, den er direkt neben dem Eingang geparkt hat. „Mir ist sofort der fürchterliche Benzingeruch aufgefallen“, berichtet er gegenüber der Neuen Deister-Zeitung. Der penetrante Gestank will auch beim Lüften nicht weichen. In der Werkstatt wird der Mercedes untersucht. Die Monteure stellen fest: Der Geruch kommt aus den Lüftungsschlitzen der Motorhaube. „Da habe ich mir gedacht, da will dir jemand nichts Gutes.“

Der Mann erstattet Anzeige. Die Beamten machen ihm zu diesem Zeitpunkt wenig Hoffnung auf eine schnelle Klärung des Falls. Als der 50-Jährige mit dem Wagen zurücksetzt in seine Einfahrt, traut er seinen Augen kaum: An der Wand neben dem Parkplatz ist ein schwarzer Brandfleck. Scherben liegen verstreut. Eine Flasche ist in einer nahen Hecke gelandet, die ebenfalls leicht angebrannt ist. Ein schwarzer Rußstreifen zieht sich drei Meter lang über das Grundstück.

Besorgt greift der Boitzumer zum Telefon. Dieses Mal kommen die Ermittler des Kriminaldauerdienstes aus Hannover. Sie sichern Spuren. „In den Flaschen befand sich ein bislang unbekannter Brandbeschleuniger“, sagte ein Polizeisprecher gestern. Gefunden werden außerdem die Reste verkohlter Handtücher, die von dem oder den Tätern in die Benzinbomben gesteckt und angezündet worden waren.

Die Ermittler des Zentralen Kriminaldienstes gehen nach einer Besichtigung des Grundstücks von versuchter schwerer Brandstiftung aus. Nennenswerter Sachschaden entstand nicht. „Das ist trotzdem heftig“, sagt der betroffene 50-Jährige.

Die Tat dürfte sich am Sonnabend zwischen Mitternacht und 10 Uhr ereignet haben. „Nachts sind hier keine Laternen an, es war stockdunkle Nacht, als das passierte“, sagt der Geschädigte. Zum Tatzeitpunkt befinden sich er und zwei weitere Personen im Anwesen. Dass sie nicht zu Schaden gekommen sind, verdanken sie offenbar dem Steinsockel und der Backsteinmauer, die ein Übergreifen der Flammen auf den Rest des Hauses verhindert haben. „Ich habe absolut nichts gehört von dem Anschlag. Aber zerschlagene Flaschen sind ja nun mal nicht unbedingt laut“, sagt der Hausbesitzer.

Die Hintergründe des Anschlags sind noch unklar. Laut Polizei liegt kein konkreter Verdacht vor. Der Hauseigentümer schließt nicht aus, dass er den Täter kennt: „Ich habe da schon jemanden im Auge“, sagt er – offenbar liegt er mit Bekannten im Clinch.

Die Ermittler aus Hannover suchen jetzt dringend Zeugenhinweise. Wer etwas Verdächtiges beobachtet oder gehört hat, sollte sich umgehend unter 0511/1095555 beim Kriminaldauerdienst Hannover melden.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare