weather-image
21°
Salzhemmendorf-Prozess: Urteil vertagt / Ministerpräsident muss nicht als Zeuge aussagen

Brandanschlag: Angeklagter könnte in Entziehungsanstalt

Springe/Hannover. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) muss im Schwurgericht Hannover nicht als Zeuge aussagen. Im Prozess um den Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf lehnte die 13. Große Strafkammer diesen Beweisantrag der beiden Verteidiger des Hauptangeklagten Dennis L. (31) gestern ab.

270_008_7841057_IMG_0298.jpg

Autor:

VON AXEL STURM

Weil hatte den Anschlag am Tag nach der Tat als versuchten Mord bezeichnet. Die Verteidiger kritisierten, dass die Staatsanwaltschaft bis zu diesem Zeitpunkt nur wegen schwerer Brandstiftung ermittelte, nach dem Zitat des Regierungschefs den Mordvorwurf aufgegriffen hatte. Richter Wolfgang Rosenbusch gestern: „Eine Äußerung einer Person des öffentlichen Lebens hat keinen Einfluss auf richterliche Entscheidungen!“ Holzmechaniker Dennis L. und seine Komplizen Sascha D. (25) sowie die Springerin Saskia B. (24) sollen am 28. August den Anschlag verübt haben. Das Trio ist wegen versuchter schwerer Brandstiftung und gemeinschaftlichen versuchten Mordes angeklagt.

Ebenfalls abgelehnt wurden gestern weitere 13 Beweisanträge der Verteidiger und der Nebenklägervertreter. Richter Rosenbusch gab einen rechtlichen Hinweis, dass der alkoholkranke Sascha D. möglicherweise in eine Entziehungsanstalt eingewiesen wird. Dies hatte der forensische Psychiater Dr. Michael von der Haar bereits in seinem Gutachten vorgeschlagen.

Der Vorsitzende des Schwurgerichts hält auch eine Verurteilung des Trios wegen versuchten Mordes in vier Fällen für möglich. Die Wohnung im Flüchtlingsheim Salzhemmendorf wurde zum Zeitpunkt des Anschlags von einer Mutter aus Simbabwe (34) mit ihren drei Kindern bewohnt. Der Psychiater der Witwe wies in einem Brief darauf hin, dass seine Patientin schwer traumatisierte sei. In Simbabwe wurde ihr Mann als Regimekritiker auf offener Straße ermordet. Sie hatte sich in Deutschland sicher gefühlt. Durch den Brandanschlag sei sie erneut traumatisiert, leide an Panikattacken und schweren Depressionen. Jedes nächtliche Geräusch erzeuge Angstzustände. Nur ihre Pflicht als Mutter gegenüber ihren Kindern halte sie am Leben.

Statt des Urteils folgen am Freitag die Plädoyers der Staatsanwaltschaft. Voraussichtliches Prozessende: 17. März.

Saskia B. aus Springe (vorne) mit ihren Mitangeklagten vor Gericht.Sturm

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare