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Musikschul-Vorstand verfehlt Mehrheit für Satzungsänderungen / Droht bald die Insolvenz?

Bedenkliche Signale aus der Lehrerschaft

Springe (hzs). Am Ende stand dann bei der Musikschule fast alles wieder auf Anfang: Die vom Vorstand erhofften Mehrheiten für eine Straffung der Leitungsarbeit reichten nicht aus. Saskia Brendler, seit einem Jahr Vorstandsvorsitzende, fand deutliche Worte: „Wenn es so weitergeht, entzieht das dem Verein die Geschäftsgrundlage.“ Der Musikschule drohe dann in spätestens zwei Jahren die Insolvenz. Und auch die neue Schulleiterin Nana Zeh bekräftigte: „Wir brauchen einfach sichere Einnahmen.“

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Von den rund 350 Mitgliedern waren 16 erschienen, um die vom Vorstand vorgeschlagenen Satzungsänderungen zu diskutieren. Die zielten wie berichtet darauf ab, das Führungsgremium „zeitnah handlungsfähiger zu machen, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren und so Zeit und Geld zu sparen.“ Braucht die Musikschule einen Beirat? Sollen die Kündigungsfristen eingeschränkt werden? Darf der Vorstand Unterrichtsgebühren künftig eigenständig festlegen, gar ohne Votum der Mitglieder die Satzung ändern? Fragen, die ausgiebig und teilweise emotional besprochen wurden.

Der Vorstand konnte sich dabei einzig bei den Kündigungsfristen durchsetzen. Künftig dürfen Mitglieder nur noch an zwei Terminen im Jahr austreten. Brendler: „Begründete Sonderregelungen sind jedoch jederzeit möglich.“ Neben inhaltlich unbedeutenden Formkorrekturen konnte sich die Mitgliederversammlung jedoch nicht zur Streichung des in der Satzung zwar erwähnten, in der Realität allerdings nicht in Erscheinung tretenden Musikschul-Beirates entscheiden. Der verblieb, wenn auch ohne klar definierte Aufgabe, in der Satzung.

„Ich will mich da gar nicht überzeugen lassen. Wenn ich dadurch Schüler verliere, kündige ich“, drohte Trompetenlehrer Bernd Gattermann erbost in Reaktion auf den Plan, Unterrichtsgebühren künftig nur durch den Vorstand festlegen zu lassen. Zwar sei er kein Betriebsrat, aber die Signale aus der Lehrerschaft in dieser Angelegenheit seien „bedenklich“. Kassenwart Gerhard Schäfer dagegen ließ nüchterne Zahlen sprechen und stellte fest: „Zuschusskürzung, zu schwaches Spendenaufkommen, schon jetzt trägt der Unterricht die Honorar- und Personalkosten nicht mehr.“ Auch für den stellvertretenden Vorsitzenden Stefan Raspini war klar: „Das geht an unsere Substanz.“

Trotz aller Bedenken: Mit zehn Ja- und vier Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen verfehlte der Vorstandsantrag die zur Satzungsänderung erforderliche Dreiviertelmehrheit. Eine klare Abfuhr auch für den Plan des Vorstands, Satzungsänderungen ohne Einberufung einer Mitgliederversammlung beschließen zu können.

Brendlers Hinweis darauf, dass das Vereinsrecht Missbrauch verhindere, fruchtete nicht. Mit elf Gegenstimmen scheiterte der Antrag.

„Das macht unsere Arbeit in der Tat nicht einfacher“, stellte Raspini fest. Kassenprüfer Herbert Zucknik und seine neu gewählte Kollegin Kathrin Leopold werden wohl auch weiterhin mit einer wirtschaftlichen Talfahrt konfrontiert werden.

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