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Bankenschließung: Gestorf sucht nach Lösungen

GESTORF. Die Zahl der Bankfilialen geht immer weiter zurück. Deutschlandweit. Immer mehr Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte online. Doch was tun, wenn in Gestorf mit der Schließung der Volksbankfiliale die letzte Bargeldquelle versickert?

Hans Friedrich Wuhlkopf (v.l.), Hans-Jörg Klempin, Karsten Brummermann und Anke Harmening suchen nach Lösungen. Foto: SZABO

Autor:

Patricia Szabo

Darüber sprachen jetzt Mitglieder des Sozialverbands Gestorf, Bürger und Bankvertreter der Sparkasse und der Volksbank. Das Ergebnis: eine emotionale, aber sachliche Diskussion zwischen den bereits verhärteten Fronten.

„Besonders bitter trifft die Schließung die älteren Mitbürger“, sagte Ernst Rasche zu der für die Geldinstitute notwendigen ökonomischen Notwendigkeit. Diese hätten Probleme sich anzupassen, so der Vorsitzende des Sozialverbandes Gestorf. In der Verantwortung sieht Rasche in erster Linie die Banken, da diese auch entsprechend hohe Gebühren kassierten.

„Wir fordern eine angemessene Lösung für die Situation“, betonte Rasche. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wurden bis Oktober 243 Unterschriften gesammelt. Diese seien am 5. Oktober der Sparkasse und der Volksbank zugeschickt worden, teilte Rasche den geladenen Gästen mit. „Wir haben auch die Bankfilialen in Bennigsen genauer unter die Lupe genommen und die Barrierefreiheit beurteilt“, berichtete Rasche. Das Ergebnis sei ernüchternd gewesen. „Bis auf die Postbank wiesen die Filialen in Bennigsen Mängel auf. Sowohl die Volksbank als auch die Sparkasse verfügen über keine behindertengerechten Parkplätze. Zwar ist der Eingangsbereich der Sparkasse barrierefrei, bei der Volksbank jedoch nicht“, sagte Rasche.

Bemängelt wurde auch die fehlende Serviceleistung. Nicht wenige Bürger fühlen sich von den Banken übergangen. „Viele Gestorfer haben die Volksbank mit aufgebaut und Anteile gekauft. Jetzt, wo sie alt und gebrechlich sind, geht man so mit ihnen um. Einfach unverschämt“, kritisierte ein Bürger.

Die Betroffenen schmerzt die fehlende Bargeldversorgung. Mal eben Essensgeld im Kindergarten begleichen, dem Enkel einen Zehner schenken – ohne größeren Aufwand ist das in Gestorf nicht mehr möglich. Es müsse eine bessere Infrastruktur für Geldtransfers her. Bemängelt wurden außerdem die bis jetzt vorgeschlagenen Lösungsansätze seitens der Kreditinstitute wie zum Beispiel der Geldbringdienst.

Anke Harmening von der Volksbank Hildesheim-Lehrte-Pattensen zeigte als gebürtige Gestorferin Verständnis für den Unmut. Denn, so Harmening, es sei schwierig, etwas wegzunehmen, was – wie die Volksbank – bereits eine lange Tradition habe. Sie verwies auf viele Ortschaften, die nie eine Filiale besessen hätten: Auch dort habe man Lösungen gefunden. Harmening machte aber auch unmissverständlich klar: „Es wird keine neue Volksbankfiliale geben.“ Entgegenkommen wolle die Bank ihren Kunden trotzdem. „Wir können eine Online-Schulung oder auch einen Geldbringdienst anbieten.“

Bankfiliale als reine Geldausgabestelle? Nicht, wenn es nach Karsten Brummermann von der Sparkasse Hannover geht. Dieser bezeichnete die Sparkasse als einen sozialen Treffpunkt, der mit der Schließung unwiederbringlich wegfiele. Er bedauerte die so entstandene Anonymität. Auch er bekräftigte, dass sich die Geldversorgung organisieren ließe. Doch wie? Das konnte Brummermann an diesem Abend nicht beantworten.

Die Gründe für die Filialschließungen sind vielfältig. In erster Linie sind es wirtschaftliche Veränderungen, die die Banken dazu zwingen, Standorte zu schließen. Die Zahlen sprächen gegen einen kostenintensiven Filialbetrieb. Das Onlinebanking setze sich immer mehr durch. „Ein durchschnittlicher Kunde kommt nur ein Mal im Jahr zur Beratung“, sagte Brummermann und verwies auf neue technische Möglichkeiten.

Hans Friedrich Wulkopf, Vorsitzender des sozialpolitischen Ausschusses im Kreisverband des Sozialverbands appelierte an die Fürsorgepflicht der Banken. Verständnis zeigte er jedoch für beide Seiten. Nun müsse gemeinsam überlegt werden, was die Menschen tatsächlich bräuchten.

Für eine mobile Filiale auf Rädern, einen Service, um ein bis zwei Mal im Monat Bankgeschäfte zu ermöglichen, sprach sich Ortsbürgermeister, Eberhard Brezski (SPD) aus. Mobile Lösung schlossen die Bankvertreter aber von vorne herein aus: „Wir haben uns gegen diesen Service entschieden und werden es nicht anbieten“, sagte Brummermann. Denn eine mobile Filiale sei eine „wirtschaftliche Katastrophe“.

Anforderungen und Sicherheitsvorkehrungen seien viel zu hoch. Solche Lösungen seien nur in Regionen mit einer sehr schwachen Infrastruktur möglich. Dies sei in Gestorf aber nicht der Fall.

Auch ein Cash-Back-Verfahren sei nicht zuletzt eine Möglichkeit, um an Bargeld zu kommen. Dieses sei jedoch an einen Einkaufswert von 20 Euro geknüpft. „Das ist Erpressung“, sagte Lutz Ahlers, Besitzer des Dorfladens.

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