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Zeuge berichtet von Gewalttat aus Eifersucht / 20-Jähriger muss strenge Auflagen erfüllen

Bahn-Schlägerei: letzte Chance zur Bewährung

Springe (ric). Am Ende hat er noch einmal Glück gehabt, ein allerletztes Mal: Das Jugendschöffengericht hat gestern den 20-Jährigen zu einer erneuten Bewährungsstrafe verurteilt, der im März einen Jugendlichen im Zug angegriffen und verletzt hat. Verbunden ist die dreijährige Bewährungszeit allerdings mit strengen Auflagen.


Der Heranwachsende muss in den kommenden sechs Monaten zweimal wöchentlich einen sozialen Trainingskurs besuchen, außerdem soll er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Schöffengericht folgte damit weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft, setzt auf erzieherische Maßnahmen, die dem jungen Springer helfen sollen, sich im Leben zurechtzufinden. Nach dem ersten Verhandlungstag vor zwei Wochen war er unentschuldigt seiner Ausbildungsmaßnahme ferngeblieben – was kein gutes Bild ablieferte.

Die Tat hatte sich im März ereignet. Da war der Springer in Begleitung seiner Freundin mit der S-Bahn in Richtung Hannover unterwegs. Zwei andere Jungs hatten die Freundin angesprochen, das brachte den 20-Jährigen zum Ausrasten: Nach der gestrigen Zeugenaussage des Opfers sah es das Gericht als erwiesen an, dass er dessen Kopf gegen die Scheibe gestoßen und ihm mehrere Kopfnüsse gegeben hatte. Dadurch erlitt der 18-Jährige Verletzungen an der Lippe und der Hand. „Er hat erst aufgehört, als ihn die Freundin zurückgezogen hat.“ Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte, der sich wie berichtet um einen Täter-Opfer-Ausgleich gekümmert haben soll, entschuldigte sich im Gericht: „Ich kann nur sagen, dass es mit leid tut.“

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe war erschrocken über die Entwicklung nach dem ersten Verhandlungstag. Sie könne nicht nachvollziehen, warum der Springer seiner Bildungsmaßnahme fern blieb. Die Staatsanwältin schätzte den Angeklagten als jemanden ein, der sich ändern möchte, aber nicht wisse wie.

Der Rechtsanwalt plädierte auf eine zwölfmonatige Bewährungsstrafe nach dem Jugendstrafrecht: Sein Mandant habe aus Eifersucht gehandelt – „eine typisches Jugenddelikt“. Die Schöffen fällten ihr Urteil nach längerer Beratungszeit: 18 Monate auf Bewährung – als letzter Warnschuss.

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