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So halten die Kirchen ihre Besucher warm

Aufgeheizt und umgezogen

Springe. Eine geheizte Kirche gibt es in diesem Winter nur noch für Geld: Die Pläne der St.-Andreas-Gemeinde werden im Umland aufmerksam verfolgt. Dort geht jede Gemeinde anders mit der Winterkälte um.

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VON CHRISTIAN ZETT

Die Eldagser von St. Alexandri sind dabei eine der wenigen, die – genau wie St. Andreas – nicht eine sogenannte Winterkirche im Pfarr- oder Gemeindehaus eröffnen. In diesem Fall aus Platzgründen: „Wir veranstalten da parallel unseren Kindergottesdienst“, sagt Pastor Torsten Schoppe.

Die Kirche selbst habe außerdem keine abtrennbaren Nebenräume wie einige andere Gemeinden: „Wir machen also ganz normal weiter.“ Um Heizkosten zu sparen, wird die St.-Alexandri-Kirche im Winter unter der Woche auf nicht mehr als 8 Grad erwärmt. Bei Gottesdiensten und Veranstaltungen werden es dann 15 Grad. „Das sind schon relativ hohe Kosten“, sagt Schoppe, „aber wir können damit leben“. Pläne, die Gemeindemitglieder und Gäste finanziell zu beteiligen, gibt es nicht. Unter dem Titel „Grüner Hahn“ kümmert sich seit Jahren eine Arbeitsgruppe der Gemeinde darum, Energie und Geld zu sparen.

Die Völksener Johannesgemeinde heizt ihre Kirche ebenfalls auf 15 Grad hoch – aber nur bis zum 6. Januar. Danach verlegt Pastor Reinhard Surendorff den Gottesdienst zwei Monate lang ins Gemeindehaus. Für ihn hat dieser Schritt durchaus seinen Reiz: „Es herrscht eine ganze andere Atmosphäre, man rückt viel enger zusammen.“

Trotzdem macht er keinen Hehl daraus, dass finanzielle Gründe den Ausschlag für den Umzug geben: „Wir können es uns nicht leisten, den ganzen Winter zu heizen.“ Das Problem sei nicht nur, den großen Kirchenraum warm zu bekommen: „Wegen der Orgel können wir die Temperatur auch nur um ein Grad pro Stunde erhöhen.“ Der ganze Vorgang dauert also sehr lange – was die Kosten zusätzlich in die Höhe treibt. Der Weg zurück in die Kirche soll im kommenden Frühjahr ein ganz besonderes Ereignis in Völksen werden: „Am 15. März soll ein richtig schönes Konzert für die Jugend stattfinden“, kündig Surendorff an. Hervorgegangen ist es aus einem Wettbewerb, den Kreis-Popkantor Til von Dombois ins Leben gerufen hatte.

In Bennigsen hat Pastor Harald Lemke ein etwas weniger positives Verhältnis zur Winterkirche. Für ihn ist der vor einigen Jahren eingeführte mehrwöchige Zwangsumzug „eine reine Notlösung. Die Heizkosten fressen uns sonst auf.“ Nur in Ausnahmefällen wird die Kirche darum in den kalten Monaten genutzt. Vom Neujahrsempfang Anfang Januar bis etwa Palmsonntag findet der Gottesdienst im Gemeindehaus statt.

Wer mehrere Kirchen zu betreuen hat, der hat auch mehrere Varianten, durch den Winter zu kommen – niemand in der Region um Springe weiß das besser als Anselm Stuckenberg. Der Pastor ist sowohl für Ges-torf als auch für die Klosterdörfer mit Holtensen, Boitzum, Sorsum, Wittenburg und Wülfinghausen zuständig.

Um in Gestorf den Winter in der Kirche verbringen zu können, wurde das Gebäude schon vor gut 30 Jahren umgebaut. Seitdem kann ein abgetrennter Raum nahe des Altars extra beheizt und so jederzeit genutzt werden. „Falls es dort doch mal zieht, haben wir immer ein paar Decken bereit liegen“, sagt Stuckenberg. Ähnlich ist die Situation in Wittenburg: In der räumlich getrennten Sakristei wird der Gottesdienst gefeiert.

Wie es in Holtensen weitergeht, wollen Stuckenberg und der Kirchenvorstand in den kommenden Monaten erörtern. Man müsse zunächst ausprobieren, wie sich die Temperaturen und Heizkosten in dem frisch renovierten Gebäude der St.-Georg-Kirche entwickelten, sagt der Pastor.

Ganz einfach stellt sich für ihn und die Gläubigen die Situation in Boitzum und Sorsum dar: In beiden Fällen handelt es sich um kleine Kapellen, die im Winter problemlos mit einer Elektroheizung auf Betriebstemperatur gebracht werden können.

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