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Angeklagte Springerin gibt sich ahnungslos

Springe/Hannover. Sie gibt ein wenig die Ahnungslose an diesem Tag vor dem Landgericht: Saskia B. (24) ist wegen des Brandanschlags von Salzhemmendorf mitangeklagt. Was sie zum Prozessauftakt verkünden lässt, wie die schlimme Tat demnach vor sich ging:


Springe/Hannover. Die Zeugin wendet ihren Kopf, blickt kurz zur Anklagebank des Schwurgerichts. Ihr Blick mustert die beiden Männer, betrachtet etwas länger die mitangeklagte Frau. Dann beantwortet Margarete M. (34) die Frage des Vorsitzenden Richters Wolfgang Rosenbusch: „Ich erkenne und kenne niemand!“

Margerete M. ist das Opfer des nächtlichen Brandanschlags auf die Flüchtlingsunterkunft in Salzhemmendorf vom 28. August 2015. Dennis L. (31) soll an diesem Tag einen Molotowcocktail in das Schlafzimmer ihres elfjährigen Sohns Alwin geschleudert haben. Sascha D. (25) soll in einer Garage gemeinsam mit Dennis L. die Weinbrandflasche „Springer Urvater“ (28% Alkohol) mit Sägespäne und Benzin aufgefüllt haben. Und Saskia B. (24) aus Springe soll das Duo in Sascha D.s Golf II zum Tatort gefahren haben.

Oberstaatsanwalt Kai Lukitsch hat das Trio in seiner 27-seitigen Schrift wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung angeklagt. Sitzungsvertreterin Katharina Sprave gestern: „Eine Tat auf unterster sittlicher Stufe.“

Vier Verteidiger, 13 Nebenkläger und 27 Pressevertreter (unter ihnen eine Korrespondentin der „New York Times“) füllen den Verhandlungssaal.

Zum Auftakt des viertägigen Prozesses legten die drei Angeklagten über ihre Anwälte umfangreiche Geständnisse ab. Dennis L.: „ Wir hatten zwei Flaschen Urvater und mehrere Flaschen Bier getrunken. Wir schämen uns für die verabscheuungswürdige Tat und entschuldigen uns. Wir sind aber nicht ausländerfeindlich – mein bester Freund ist Armenier.“ D. verwies auf den Alkoholkonsum, der ihn enthemmt habe: „Nüchtern hätte ich dies nie getan und mich nicht am Anschlag beteiligt. Dennis war die Triebfeder. Wenn er getrunken hat, ist er autoritär. Und ich bin als Alkoholiker schwach.“ Und: „Es tut mir leid für Saskia!“

Mit der zweifachen Mutter aus Springe war Sascha D. früher befreundet und hatte eine kurze Beziehung mit ihr. Und da der 25-jährige ein Auto; aber keinen Führerschein mehr hat, chauffierte Saskia ihren Ex-Freund überall hin. Auch am Tattag nach Salzhemmendorf zur Garage von Dennis L. Bei steigendem Alkoholgenuss fielen dort immer öfter fremdenfeindliche Äußerungen.

Dann die Idee mit dem Molotowcocktail – den seine Mandantin bis zu diesem Abend gar nicht kannte, so Saskia B.s Verteidiger Christoph Rautenstengel: „Sie ist Realschülerin, lebt von Hartz IV und Kindergeld. Kurz nach Schulabschluss wurde ihre Tochter, heute sechs, geboren. Sie hat einen zweijährigen Sohn. Dessen Vater hat sich bereits vor der Geburt aus den Staub gemacht. Saskia ist ein unpolitischer Mensch und wusste bis zu diesem Abend nicht einmal, was ein Molotowcocktail ist. Sie ist mit einer Kurdin gut befreundet.“

Bei der Fahrt zum Tatort habe Saskia B. nur die Anweisungen von Dennis L. ausgeführt: „Kurz vor dem Heim wurden die Scheinwerfer ausgeschaltet. Der Motor lief weiter“, so Rautenstengel. Das Motorengeräusch weckte einen Nachbarn. Der Augenzeuge: „Ich sah, wie der Werfer die Flasche anzündete und durch das Fenster warf.“ Der Nachbar erkannte den Autotyp, gab der Kripo entscheidende Hinweise auf das Tätertrio. Das wurde kurz darauf verhaftet.

Saskia (rotbrauner Blouson, schmale silberne Halskette, schwarze Hose) sagte am ersten Verhandlungstag nur ein Wort. Als Richter Rosenbusch fragte, ob die Einlassung ihres Verteidigers richtig sei, ein knappes „Ja!“ Stille im Saal, als Margerete M. gefragt wurde, ob sie eine Entschuldigung der Angeklagten annehmen würde. Die dreifache Mutter, die immer noch psychotherapeutisch betreut wird: „Muss ich darauf antworten? Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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