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Die SPD eine Woche vor der Entscheidung: Wechselbad der Gefühle bei den Bürgermeister-Bewerbern

„Am Händchen durch die Abteilungen geführt“

Springe (zett/vob). Am Wochenende, da sind sie sich zum ersten Mal begegnet: Silvia Jünke, Detlef Meine und Heinz Bähre. Die drei SPD-Bewerber um das Springer Bürgermeisteramt saßen beim Braunkohlessen der Eldagsener Sozialdemokraten zusammen. Einen offenen Schlagabtausch gab es dort nicht – doch wer eine Woche vor der entscheidenden Abstimmung mit den drei Kandidaten spricht, der erlebt ein Wechselbad der Gefühle.


Vordergründig geben sich Bähre und Meine optimistisch. „Es kann noch in jede Richtung kippen“, glaubt der Bennigser Bähre. Doch bei ihm kommt auch der Frust durch – darüber, dass der SPD-Vorstand immer wieder offen für Jünke wirbt, gar eine Wahlempfehlung ausgesprochen hat. „Was die wollen, ist ja klar“, sagt er – und legt nach: „Man kann sich schon fragen, ob es nötig ist, dass sie da jetzt so am Händchen durch die Abteilungen geführt wird.“ Auch die Homepage der Springer SPD, die momentan gleich zwei große Fotos von Jünke zieren, stößt ihm auf. Trotzdem gibt er sich kämpferisch: „Mein Profil steht – das werde ich nicht ändern. Wir werden schauen, was die Partei will.“

Dass deren Wunsch nicht unbedingt dem des Vorstands entspricht, darauf setzt auch Meine. Ihn habe nach dem Grünkohlessen am Sonntag eine Frau auf der Straße angesprochen: „Ich verstehe nicht, was die da machen“, habe sie mit Blick auf den SPD-Vorstand gesagt. Solche Erlebnisse bestärken Meine in seiner Entscheidung, weiterzukämpfen: „Am Ende entscheiden ja die Mitglieder.“

Mit etwa 50 bis 60 Sozialdemokraten rechnet Parteichef Eberhard Brezski, wenn am 30. November in Eldagsen abgestimmt wird. Dass sich jetzt beim Grünkohlessen neben Jünke auch Meine und Bähre noch einmal kurz vorstellten, soll den Vorsitzenden sichtlich verstimmt haben, wie Gäste berichten. Der NDZ erklärte er gestern, er habe im Vorfeld nichts vom Erscheinen der anderen Kandidaten gewusst: „Aber letztendlich war es mir auch egal.“ Das Feedback bei der Präsentation Jünkes sei in den vergangenen Wochen überall „durchweg positiv“ gewesen, so Brezski. Er rechne nicht damit, dass einer der beiden Männer eine Mehrheit bekommt: „Wir haben Frau Jünke schließlich nicht aus Jux und Dollerei aufgestellt, sondern weil sich viele Mitglieder einen weiteren Bewerber gewünscht haben.“

Jünke selbst lobte gestern den Ablauf ihrer Kennenlern-Runden. Sie habe „ein gutes Gefühl“ mitgenommen, die Genossen hätten ihr „faire Fragen“ gestellt. Über ihre Begegnung mit Meine und Bähre schweigt sie sich aus, nach ihren Gegenkandidaten sei sie auch nicht gefragt worden: „Mir wurde nur von einigen Genossen präsentiert, wie sich die beiden verhalten haben.“ Sie müsse jedoch „niemanden niedermachen, um mich selbst zu erhöhen“.

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