weather-image

Altkleider: DLRG-Sammler sollen Firmen weichen

Springe/Eldagsen. Glas, Papier, Kleidung – und jede Menge Probleme: Die Stadt will endlich den Betrieb der zahlreichen Container-Sammelplätze neu organisieren. Ein Ziel: deutlich mehr Einnahmen. Vom Tisch soll außerdem das leidige Thema der Textilsammlung. Doch die jetzt angedachte Reform hätte einen Verlierer: die DLRG-Ortsgruppe aus Eldagsen.


Schon seit Jahren sammeln die Ehrenamtlichen mit 16 eigenen Containern in fünf Ortsteilen gebrauchte Kleidung. Der Erlös fließt in die Vereinskasse; von dem Geld finanzieren die Aktiven ihre Rettungsschwimm-Angebote, aber auch das Zeltlager oder die Jugendarbeit. Bislang habe man diese Sammlung „stillschweigend geduldet“, heißt es bei der Stadt.

Doch jetzt könnte diese Tradition einen Dämpfer bekommen. Denn die Stadt will das Container-System auf ihren Flächen umkrempeln. Eine Rolle spielt dabei das liebe Geld. Mit Blick auf den klammen Haushalt soll sich die Gebühr für die so beliebten Kleidercontainer verzehnfachen – von 12,50 Euro auf 125 Euro pro Quadratmeter und Jahr.

Per Grundsatzbeschluss soll außerdem festgelegt werden, dass Altkleidersammlungen nur an den Wertstoffinseln erlaubt ist – und sonst nirgendwo auf städtischem Gebiet. Am umstrittensten dürfte der dritte Teil des Plans sein: die Frage, wer sich künftig um Reinigung, Instandhaltung und Vermarktung der Textilcontainer kümmert.

Die Nachfrage nach gebrauchter Kleidung ist groß – entsprechend viele Firmen kommen mit Standortwünschen auf die Stadt zu. Und: „Einzelne Unternehmen stellen bereits in erheblichem Umfang Sammelbehälter auf, ohne die erforderliche Erlaubnis zu besitzen“, beklagt die Stadt in einem Papier.

Grundsätzlich kümmert sich schon seit 1996 Entsorger Aha um die Containerplätze. Die Stadt stellt kostenlos Flächen für Glas- und Papierbehälter zur Verfügung – dafür übernimmt das Unternehmen Pflege und Reinigung. Textilcontainer zählen aber ausdrücklich nicht zur Vereinbarung. Die hatte bis Ende 2012 ein privates Unternehmen aus Hemmingen aufgestellt – und dafür Nutzungsgebühren an die Stadt gezahlt. Der Vertrag ist inzwischen gekündigt, weil ein Mitbewerber die unbefristete Regelung anfechten wollte. Seitdem arbeitet der bisherige Betreiber übergangsweise weiter.

Wie gefragt der neue Auftrag ist, zeigt, dass nicht nur die Hemminger anbieten, für deutlich mehr Geld weiterzumachen: Fünf Mitbewerber bieten inzwischen mit und überbieten sich gegenseitig. Und auch die Aha selbst hat den Hut in den Ring geworfen. Für die Stadt hätte letzteres den Vorteil, die gesamte Wertstoffinsel in der Hand eines einzigen Anbieters zu lassen. Außerdem könne man durch Veränderung der bereits bestehenden Vereinbarung eine Ausschreibung vermeiden, heißt es im Rathaus. Weil es sich aber quasi um einen Exklusivvertrag handelt, müssten die DLRG-Container weichen. Und: Die Aha kündigt der Stadt Gebühreneinnahmen von etwa 4000 Euro im Jahr an. Zum Vergleich: Bei einem der Mitbewerber käme man gleich auf 28 800 Euro. Die Aha müsse ihr Angebot also „deutlich nachbessern“, fordert die Stadt.

Aber auch, wenn sie stattdessen auf eine Ausschreibung setzt und das beste Angebot annimmt, müsste die DLRG weichen. Die Organisation könne sich aber „über ihren Landesverband an der Ausschreibung beteiligen“, tröstet die Stadt.

DLRG-Chef Carsten Antelmann erfuhr gestern durch die NDZ von den Plänen und wollte sich noch nicht äußern. Unklar ist auch, was mit den DLRG-Containern auf privaten Flächen passiert – etwa an der Jägerallee in Springe.

Die Verwaltung hat aber auch bei der Ausschreibungs-Variante Bedenken: So gebe es weiterhin zwei Betreiber auf einer Wertstoffinsel. Es könne etwa Reibereien in Sachen Reinigung oder Rechtsstreitigkeiten mit unterlegenen Bewerbern geben. Entscheiden soll letztendlich die Politik: Sie bekommt das Thema am 26. Februar (Verwaltungsausschuss) und am 19. März (Rat) auf den Tisch.zett

21 Wertstoffinseln – wie hier in Völksen – gibt es im Stadtgebiet. Jetzt soll die Politik neue Regeln beschließen – zum Nachteil der DLRG.

Brinkmann- Thies

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare