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Bennigsen: Ansässiger Firmenchef irritiert über Awo-Aussagen / Eldagsen: Brachfläche soll weichen

Altenheim-Pläne werfen weiter Fragen auf

Bennigsen/Eldagsen. Es war kurz vor der Zusammenkunft des Planungsausschusses, als bei Hermann Jaspers das Telefon klingelte. Endlich: der lange erwartete Anruf von Angela Willamowius, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Wohnen und Pflegen. Für Firmenchef Jaspers wahrlich irritierend: Willamowius habe im Telefonat Zweifel am Projekt auf dem Gelände der ehemaligen Bennigser Zuckerfabrik geäußert – in der Ausschusssitzung aber nicht mehr.

Das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik in Bennigsen. Archiv/ric

Autor:

Markus Richter

Mit dem Bau einer Altenpflegeeinrichtung scheint das Ende des sechsköpfigen Familienbetriebs „Jaspers Alu-Systeme“ zumindest am Standort besiegelt (NDZ berichtete). Am Telefon soll Willamowius dagegen noch Hoffnung gemacht haben: „Sie versuchte mich zu beschwichtigen, hat gesagt, wir müssten uns keine Sorgen machen und dass der Awo am Standort ohnehin einiges nicht gefallen würde“, erinnert sich Jaspers. Noch unwahrscheinlicher würde die Realisierung des Projektes, wenn der Bennigser Unternehmer rechtliche Schritte gegen die Kündigung des Mietverhältnisses in den Hallen auf dem Zuckerfabrik-Gelände einleiten würde. „In der Sitzung wollte sie das ansprechen – hat sie aber nicht“, wundert sich Jaspers im Nachhinein. Willamowius war gestern für Nachfragen leider nicht erreichbar.

Verärgert ist Jaspers aber auch über den städtischen Chefplaner Hermann Aden: „Es besteht gar kein Kontakt.“ Aden selbst sagte in der Sitzung das Gegenteil, machte aber gleichwohl deutlich, dass „Mieter nicht die gleichen Rechte wie Eigentümer“ hätten und dass alle Beteiligten über den Zeitraum von eineinhalb Jahren die Möglichkeit hatten, „die Augen offenzuhalten“.

„Es kann doch niemand ernsthaft annehmen, dass sich eine Firma aufgrund von Gerüchten gleich einen neuen Standort sucht“, ärgert sich Jaspers. Elke Thielmann-Dittert (Grüne) hatte sich zuvor in der Sitzung nach der Situation der aktuellen Nutzer erkundigt. Grundsätzlich befürworte sie jedoch den Abriss des alten Fabrikgebäudes und die Nachnutzung in Form moderner Altenwohnungen. „Der Standort ist gut, zentrumsnah.“ Es gebe in Bennigsen genügend Menschen, die nicht optimal versorgt und vor allem nicht wohnortnah betreut werden könnten.

Ortsbürgermeister Hartmut Rieck freute sich über den neuen Entwurf in Form eines Blütenblattes, der gegenüber der früheren Variante von „mutiger Architektur“ geprägt sei. Nach den Plänen der Awo Wohnen und Pflegen soll sowohl in Bennigsen als auch am Koppelstandort Eldagsen älteren und pflegebedürftigen Mitmenschen ein „Leben in familienähnlichen Strukturen“ ermöglicht werden. Willamowius machte deutlich, dass ihre gemeinnützige Gesellschaft dabei als Betreiber, keineswegs aber als Investor auftreten würde. Zwar würden öffentliche Planungskosten in die Hand genommen, ergänzte Aden, dennoch sei der Bebauungsplan flexibel. Die Stadt würde nicht zu weit in Vorleistung gehen. „Aber wenn es keine Interessenten (als Investoren) gäbe, dann würden wir das hier nicht machen.“

Weniger Reibung als in Bennigsen gibt es bislang in Eldagsen: Dort soll auf dem Gelände des ehemaligen HL-Marktes ein städtebaulicher Missstand einer zeitgemäßen, sozialen Nachnutzung weichen. Für den Ersten Stadtrat Aden ist klar: „Das Vorhaben steht nicht im Widerspruch zur Stadtsanierung.“ Zweifel daran hatte Heinrich Freimann (CDU) geäußert – zumindest frage er sich, ob ein flaches Gebäude in den Stadtkern Eldagsens passe, der von hohen Häusern mit Giebeldächern geprägt sei.

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