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Schliep begeistert im Springer Ratskeller

Als Erich Kästner mal so richtig schlüpfrig wurde

Springe (vob). Mit einem besonderen Programm lockte die „Springer Kleinkunstbühne“ am Wochenende wieder die Besucher in den Ratskeller. Bei seiner Varieté-Revue „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ entführte Jan Kristof Schliep zur Klavierbegleitung von Eelco Herder 70 Besucher auf eine Reise in die Welt der Chansons, Filmschlager und Gedichte der 20er- bis 40er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

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Bei den dargebotenen Liedern und der rezitierten Lyrik ging es in erster Linie – wen wundert es – um die Liebe. Der ausgebildete Tenor Schliep füllte den Saal mühelos mit seiner sonoren Stimme, wenn er Evergreens wie „Heut‘ ist der schönste Tag in meinem Leben“ oder „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n“ schmetterte und den Beiträgen mit seiner Bühnenpräsenz und seiner Mimik eine ganz eigene Note verlieh.

Der 1974 geborene Schliep ist eben nicht allein ein diplomierter Opernsänger, sondern hat auch im Theater und bei einem Zirkus als Artist und Trainer viele Erfahrungen sammeln können. Seit der Spielzeit 2007/2008 ist er Ensemblemitglied des Theaters für Niedersachsen in Hildesheim. Eine Kostprobe seines artistischen Talents gab Schliep beim Vortrag von Verdis „La donna è mobile“, das er zur Verwunderung der Zuschauer auf einer freistehenden Leiter zum Besten gab, auf der er wie auf Stelzen balancierte. Bei jeder Strophe erhöhte Klavierpartner Herder die Tonart – für Schliep das Zeichen zum Besteigen der nächsthöheren Stufe.

Die für die eingestreuten Gedichtvorträge gewählte Lyrik stammte vornehmlich von Erich Kästner, der für die oft humorigen Untertöne seiner Gebrauchslyrik bekannt ist und Gedichte für alle Lebenslagen in seiner „ Hausapotheke“ gesammelt hat. Dass der Dichter und Kinderbuchautor es aber auch faustdick hinter den Ohren hatte, bewies Schliep mit der Rezitation des schlüpfrigen Stücks „Die Sommermädchenküssetauschlächelbeichte“, das gleichzeitig als sarkastischer Fingerzeig auf die „Sprachreinigungspolitik“ der Nationalsozialisten konzipiert war. Nach zweieinhalb Stunden und vielen weiteren Höhepunkten – wie dem Vortrag von Marlene Dietrichs „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, das Schliep in Federboa und mit Stöckelschuhen zum besten gab – entließen die beiden Künstler ihr Publikum gut gelaunt und mit vielen Ohrwürmern im Kopf in die Springer Nacht.

Die Kleinkunstbühne wartet am 18. Dezember wieder auf Gäste. Dann werden „Wolfgang Grieger & die High Nees“ den Ratskeller mit „Musik, Quatsch und guter Laune“ erfüllen.

„Die Nacht ist nicht zum Schlafen da“: Eelco Herder (hinten) und Jan Kristof Schliep bei ihrem Auftritt im Springer Ratskeller.

Foto: vob

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