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Alarmierender Artenrückgang: Kampf gegen das Vogelsterben

SPRINGE. An diesem Wochenende haben sich zahlreiche Vogelfreunde an der Aktion „Stunde der Gartenvögel“ beteiligt. Bereits vor der Auswertung der Zähldaten steht fest, dass die Vogelbestände auch in Springe dramatisch zurückgegangen sind. Sogar der Allerweltsvogel Spatz ist bedroht, Naturschützer schlagen Alarm.

Wird auch in Springe seltener: Spatzen stehen seit Kurzem auf der Vorwarnliste der bedrohten Arten. FOTO: steve prinz / pixelio.de
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

„Es wird höchste Zeit, dass das Thema angegangen wird“, sagt Rudolf Krause vom Naturschutzbund Springe. Und betont, dass die Rückgänge sowohl im Bereich der Gebäudebrüter als auch bei den Feldvögeln groß sind. Seit Kurzem etwa steht der Spatz auf der Vorwarnliste zur Roten Liste. Das heißt, dass die Bestände dramatisch sinken.

„Das hat mehrere Gründe“, erklärt Krause. Unter anderem habe es damit zu tun, dass Gartenbesitzer keine wilde Natur mehr zulassen. „Wenn die Flächen etwas naturnäher gestaltet würden und mehr Wildkräuter Platz bekämen, wäre schon geholfen“, sagt der Nabu-Experte. Als Beispiel nennt er Vorgärten, in denen Englischer Rasen wächst – und die Artenvielfalt gering ist. „Gartenbesitzer dürfen keine Angst vor der Unordnung haben. Und auch Hausbesitzer nimmt er in die Pflicht: „Mit der Renovierung der Gebäude verschwinden oft auch Nischen und Zwischenräume, die wichtige Bruträume für die Tiere sind.“ Um zu verhindern, dass die Tiere abwandern, wäre es hilfreich, Nisthilfen anzubringen.

Noch dramatischer sieht die Situation bei den Feldvögeln aus. Laut Region ist etwa der Bestand der Rebhühner um 94 Prozent zurückgegangen. Den Tieren fehlt es schlichtweg an artgerechtem Lebensraum. Feldränder sind in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen, Wildkräuter im Feld werden immer seltener.

Krause: „Die Landwirtschaft könnte die Situation stark verbessern, etwa indem die Wegränder vergrößert und seltener gemäht würden.“ Durch das frühzeitige Abschneiden der Pflanzen – vor deren Samenwurf oder manchmal bereits vor der Blüte – werde die Pflanzenvielfalt reduziert. Dadurch sei die Zahl der Insekten, das betreffe auch und gerade Bienen, geringer. Und die Vögel verfügen über weniger Nahrung.

„Es greift ein Rad ins andere – und eine Wirkungskaskade setzt sich in Gang“, sagt Krause. Die Folge: Arten sterben aus. Auch solche, von denen man sich das gar nicht vorstellen kann, wie etwa der gefährdete Spatz.. In Deutschland haben laut Erhebungen einige Vogelarten 80 Prozent ihrer Population verloren. Krause: „Das hat Folgen. Nicht nur für die Natur, sondern für jeden Einzelnen persönlich.“

Das zu ändern, sei nicht schwer, schon kleine Maßnahmen könnten den Trend stoppen oder umkehren. „Wenn der gute Wille und die Einsicht da ist, kann etwas unternommen werden“, sagt der Nabu-Experte.

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