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Stadt schlägt Alarm: Zu wenig Mitarbeiter für Grünflächen / Strafanzeige gegen Baumbeschneider

Über den Kopf gewachsen

Springe. Die Lage ist ernst, daran lässt Gerd Gennat keinen Zweifel. Bäume, Büsche, Sträucher, Blumen – das Grün, es wächst der Stadt nicht nur sinnbildlich über den Kopf. In einigen Bereichen im Stadtgebiet waren die Mitarbeiter dieses Jahr noch gar nicht aktiv; einen anderswo geplanten zweiten Durchgang wird es nicht geben. In den Sommermonaten, klagt Gennat, müsste sein Team doppelt so groß sein. Und dann sind auch noch Bürger, die – oft in guter Absicht – wild öffentliche Flächen bepflanzen. Und der Stadt damit noch mehr Ärger machen.

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VON CHRISTIAN ZETT

Um drastische Bilder ist Gennat nicht verlegen. „Wir kämpfen seit Jahren mit dem Rücken zu Wand“, sagt er. Und meint den Versuch, mit wenig Personal die Stadt in Sachen Bepflanzung und Pflege möglichst adrett aussehen zu lassen. Das Problem: Gennat sieht die zuständige Abteilung massiv unterbesetzt. 27 Kollegen kümmern sich zu Spitzenzeiten um die Grünpflege; zuletzt fehlten einige Ein-Euro-Kräfte; dazu kamen Krankheitsausfälle. „Ein Desaster“, seien die Sommerferien insofern gewesen. Aber auch so gilt für ihn: „Eigentlich müssten wir doppelt so viele Mitarbeiter haben.“

Und dann auch noch das: Immer mehr Bürger bepflanzen öffentliche Flächen – Baumscheiben, Friedhöfe, Grundstücke – mit allem, was ihnen einfällt. Oft geschieht das in guter Absicht: Statt den gebrauchten Weihnachtsbaum wegzuwerfen, bekommt er eben um die Ecke an der Straße ein neues Zuhause. Doch für die Stadt bedeuten solche unabgesprochenen Alleingänge vor allem eins: zusätzliche Arbeit. Sie muss Wege freischneiden, die sonst nie zuwachsen würden. Äste stutzen, die nach einer Weile aufs Nachbargrundstück ragen.

Wer pflanzte

das Fichtenwäldchen mitten in der Stadt?

An der Völksener Straße, auf dem Grünstreifen nahe des Graswegs, stand lange Zeit gar ein kleines Fichtenwäldchen – Spender unbekannt. „Wir schaffen es einfach nicht, diese zusätzliche Arbeit wahrzunehmen“, klagt Gennat – „woanders kommen wir dadurch deutlich später oder nie hin“. Die Stadt hat ein Papier erstellt, um die Politik über das Problem zu informieren. „Eingriffe von Dritten in öffentliche Grünanlagen“, lautet der Titel. Das klingt ein bisschen wie eine Anklageschrift. Darin listet die Verwaltung die Kritikpunkte detailliert auf: So pflanzten manche Anlieger bestimmte Sträucher an, „obwohl die Vorschriften des Bebauungsplanes solche Arten untersagen“. Einige Bürger machten sich auch an den Schnitt städtischer Bäume – was aus Sicht von Gennat „auf Jahrzehnte zu erhöhten Baumpflegekosten“ führt.

Nur eine Gruppe nimmt der Fachmann ganz klar aus von all der Kritik: „Das soll nicht bedeuten, dass wir uns nicht freuen, wenn jemand Patenschaften für öffentliche Grünflächen übernimmt.“ Für die anderen gilt ab sofort ein rigoroses Vorgehen: Fremdpflanzungen, teilt die Stadt der Politik in dem Papier mit, werden künftig „ohne

weitere Nachfragen entfernt“. Wer gar beim Beschneiden von Bäumen erwischt wird, dem droht eine Strafanzeige – die Schäden gingen in solchen Fällen teilweise in die tausende Euro, so Gennat.

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