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28 Jugendliche erscheinen wiederholt nicht zum Unterricht

20 Euro pro Fehltag: Stadt greift gegen Schulschwänzer durch

Springe (mari). Bis zu 20 Euro müssen Springer Schüler zahlen, die den Unterricht schwänzen – pro Tag. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die lieber abhängen als zu lernen, ist gestiegen. 17 hartnäckige Verweigerer gab es im vorigen Jahr, aktuell stehen bereits 28 Springer auf der schwarzen Liste.

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Sachbearbeiter Bernd Ockenga rechnet damit, dass die Zahl bis zum Jahresende weiter steigt. „Im Moment ist das schon enorm“, sagt er. Eine einfache Erklärung für den Anstieg hat er nicht. Allerdings: Während in der Vergangenheit vor allem die Berufsschule betroffen war, würden jetzt auch die Hauptschule und die Realschule häufiger Anzeigen schreiben.

Erst vor wenigen Tagen hatte Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann die Schulen im Land aufgefordert, strenger gegen Schulschwänzer vorzugehen. Es gehe ihm dabei vor allem um Sozialpolitik: „Die Integration gerade der lernschwachen Schüler fängt mit der Anwesenheit im Klassenzimmer an.“

Die Zusammenarbeit zwischen den Springer Schulen und der Verwaltung sei hier bereits gut, sagt Ockenga. Häufen ein Kind oder ein Jugendlicher unentschuldigte Fehltage an, bittet der Rektor die Familie zum Gespräch. Lässt sich der Vorfall nicht klären oder wiederholt sich, schreibt die Schule eine Anzeige. Daraufhin greifen das Schulamt und der Allgemeine Soziale Dienst (ASD, Jugendamt) ein. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Familie Hilfe braucht.

Erst dann landen die Akten auf dem Tisch des stellvertretenden Ordnungsamtsleiters Karsten Kohlmeyer, der ein Bußgeld verhängt. Im Regelfall „kostet“ ein Fehltag 5 Euro, aber es kann mit bis zu 20 Euro auch wesentlich teurer werden, erklärt Kohlmeyer. Das läppere sich bei durchschnittlich 25 Fehltagen. Im vergangenen Jahr belief sich das verhängte Bußgeld auf 3760 Euro. Aktuell liegt die Summe bereits bei 6310 Euro. Das Geld fließt in den allgemeinen Haushalt.

Gezahlt wird nicht immer: Die Jugendlichen können – auf Anordnung des Gerichts – auch eine gemeinnützige Arbeit verrichten oder in Jugendarrest gehen.

Die Gründe fürs Schwänzen sind vielfältig: Meist seien die Eltern überfordert. Teilweise würden die Schüler behaupten, sie würden gemobbt.

Für Ockenga deuten die steigenden Fallzahlen auch auf eine schnellere Reaktion der Schulen hin: Ihnen sei bewusst, „dass das Bußgeld eine Erziehungshilfe ist. Die Schüler müssen sehen: ,Wenn Du fehlst, hat das Konsequenzen.‘“ Tatsächlich könnten etliche Jugendliche so in einer kritischen Phase wachgerüttelt werden.

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