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Wie steht es um die Kultur?

Wie steht es um die Kulturszene der Stadt? Fragt man Politiker, so sind die des Lobes voll. Ratsherr Thomas Konior etwa hält das Kulturangebot für einen Ort mit 17 300 Einwohnen für „angemessen“.

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Autor:

Christoph Huppert

Teilweise werde Bad Münder selbst von größeren Städten darum beneidet. In der Tat zeigt sich die Kurstadt auf den ersten Blick mit einem überaus reichhaltigen kulturellen Angebot. Die Meisterkonzerte im Martin-Schmidt-Konzertsaal gehören ebenso dazu wie Rock-Events, Amateurtheater bieten generationsübergreifende Unterhaltung, die Kirchen kümmern sich um Konzerte und Kino, Hochkultur ist im „Schaafstall“ zu genießen, Kabarett, Lesungen und Vorträge im Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrum; das Museum stellt Sonderausstellungen auf die Beine, die Jugendmusikschule hat sich zu einem kulturellen Zentrum entwickelt, und nicht zuletzt mit Glaskunst hat das „Forum Glas“ der Stadt über regionale Grenzen hinaus einen besonderen Ruf verschafft.

Bad Münder also ein El Dorado der Kultur? Spricht man mit den Kulturschaffenden, dann werden schnell auch Schwächen deutlich. Wie etwa beim mehrfach ausgezeichneten Kinder- und Jugendtheater St. Magnus Beber. „Wir haben uns nach der Kündigung unseres bisherigen Requisitenraumes ohne Unterstützung endlos lange um eine neue Örtlichkeit kümmern müssen. Eine, die wir auch bezahlen können“, klagt Regisseurin Peggy Zawilla. Das Wort vom Propheten, der im eigenen Land nichts gilt, schwingt in ihrer Kritik mit. Gut für Sonntagsreden, aber wenn’s ans Eingemachte gehe, seien die Grenzen schnell erreicht. Während andere etwa den Martin-Schmidt-Saal als exzellenten Veranstaltungsort lobpreisen, bemängeln nicht wenige, dass Veranstaltungen dort wegen der hohen Miete nicht möglich seien. „Im Sägewerk Lauenau gibt’s Auftrittsmöglichkeiten kostenlos“, so Zawilla. „Warum geht das bei uns nicht?“

Eine Einstellung, die auch Ingeborg Salzmann vom Museum teilt. „Die GeTour nutzt nicht das Potenzial, das im Saal steckt.“ Die Stadt habe das Thema „Kultur“ bei der GeTour abgeladen. „Ohne fachliche Voraussetzungen. Das ist der falsche Ort“, bemängelt auch Rudolf Kolde, dessen Frau die „Deisterbühne“ leitet.

Auf die inhaltliche Entwicklung der ansonsten weitgehend stagnierenden kulturellen Entwicklung zielt auch die Kritik von „Schaafstall“-Chef Ernst Jürgen Kirchertz. Die Meisterkonzerte „sehr konservativ“ und „zu repetitiv“, das Ausstellungskonzept im Foyer solle „konsequenter“ betrieben werden.

Der Geschäftsführer der Jugendmusikschule, Andreas Seidel, dagegen sieht den Konzertsaal „als ein großes Geschenk der Martin- und Ilse Schmidt-Stiftung“. Wenngleich es auch ihm an „Charme und Bewirtung“ fehle. Zwar gelinge es der GeTour mit attraktiven Seniorenveranstaltungen den Saal ab und an zu füllen, doch offenbarten die kein sonderlich hohes Niveau.

Mit großer Vielfalt des Angebotes, aber ohne große Entwicklungsfähigkeit – so zeigt sich die Kulturszene. Stagnation statt Experimentierfreude und Innovation. „Immer dasselbe, kaum neue Formate, selten etwas, das Lust auf Neues macht“, ist dann auch seitens vieler Besucher zu hören. Von neuen Erfahrungen durch Kultur keine Spur. Zu statisch, zu eingefahren, so die Kritik. Anderswo werde wesentlich mehr Dynamik entwickelt.

Was also nun tun? Was den Kommunalpolitikern ins Buch schreiben? Einen Nachhilfekurs, um die Bedeutung der Kultur klarzumachen etwa? So lautet eine Anregung. Ein informeller Kulturbeauftragter solle mit den Politikern ein Brainstorming machen, Themen und Realisierungsmöglichkeiten erarbeiten – ähnlich wie in Emmerthal, wo mit einer ehrenamtlichen Kulturbeauftragten gute Erfahrungen gemacht werden. Ein Modell auch für Bad Münder? Andere setzen auf das Motto „wenn du nicht mehr weiter weist, gründe einen Arbeitskreis.“

Ein „Kulturentwicklungsplan“ müsse her, die ideelle und finanzielle Unterstützung seitens Rat und Verwaltung verstärkt beziehungsweise erst einmal geschaffen werden.

„Eigeninitiative und Einbeziehung des Potenzials der Neubürger“, wünscht sich Ingeborg Salzmann. Und der „Forum Glas“-Vorsitzende Hermann Wessling stellt enttäuscht fest, dass „die Kultur in der Kommunalpolitik Bad Münders schon immer ein Stiefkind“ gewesen sei. Sein konkreter Rat: „Wünschenswert sind kompetente und interessierte Ansprechpartner und die organisatorische Hilfe und fallweise Unterstützung durch Landkreis, Land und fördernden Institutionen.“

Eine „Anlaufstelle in der Verwaltung, die dem Thema persönlich zugewandt ist“, so auch Seidels und Koldes Forderung. „Die Politiker sollten zeigen, dass ihnen die Kultur wirklich am Herzen liegt, auch durch mehr Präsenz bei Veranstaltungen. Ohne nennenswerte Kultur wird ein Gemeinwesen nichtssagend, denn dann fehlt etwas Entscheidendes“, so Salzmann.

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