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Völkening in Bad Münder: Neuer Ton durch „Leichte Sprache“

BAD MÜNDER. Manchmal verstehen wir einfach nur noch Bahnhof: Juristendeutsch und Fachchinesisch, Behördensprache und Expertenkauderwelsch machen auch sprachgewandte Zeitgenossen häufig ratlos. Das zeigt: Einfache, verständliche Sprache ist an vielen Stellen nützlich – fehlt allerdings oft.

Behördensprache leicht gemacht: Gertrud Völkening plädiert für „Leichte Sprache“ in jedem Bereich der Gesellschaft. Foto: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

Für die IGBCE-Funktionärin Gertrud Völkening ist „Leichte Sprache“ (LS) nicht ausschließlich etwas für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, Schlaganfallpatienten oder Sehbehinderte. Sie stellt fest: „7,5 Millionen Menschen bei uns sind Analphabeten, 13 Millionen beherrschen nicht einmal die Rechtschreibung auf dem Niveau der vierten Grundschulklasse.“ Es besteht also Handlungsbedarf, die Teilhabe der Betroffenen muss gesichert werden. Dabei soll LS helfen – und Völkening erklärte jetzt in einem Vortrag im Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrum, wie sie funktioniert.

Vor allem Menschen mit einfachem Leseniveau haben es im Alltag schwer: Formulare ausfüllen, Arztgesprächen folgen, amtliche Schreiben verstehen, von Versicherungsverträgen und Kleingedrucktem ganz zu schweigen. „Halt! Leichte Sprache!“ fordert da Völkening. Die soll inhaltlich und optisch die Chancen zum Verständnis komplizierter Zusammenhalte verbessern. „Wir müssen uns auch in der Alltagssprache einfach zukunftsfähiger aufstellen“, fordert sie, und will mit „Leichter Sprache“ neue Töne anschlagen.

Die Grundsätze sind nach der Regel „Der Mensch zuerst“ aufgebaut. Ab dem 1. Januar 2018 ist die Barrierefreiheit beim Schreiben und Lesen für alle Behörden Pflicht. Völkening: „Die müssen dann ihren Bescheiden entsprechende Erläuterungen in „Leichter Sprache“ beifügen.“ Auf den Weg gebracht hatte die Durchsetzung von „Leichter Sprache“ die Parlamentarische Staatssekretärin und örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller. Auf deren Vorlage „Sprechen Sie behördisch?“ hatte sich Völkening im Wesentlichen gestützt.

Zwar sei die Notwendigkeit von LS offensichtlich, doch die Widerstände mancher Berufsgruppen sei erheblich. „Bei den Juristen gibt es Widerstand ohne Ende, jüngere Ärzte dagegen unterstützen uns. Sprache ist eben auch immer sozialer Status und Ausgrenzungsmittel“ beklagt die für die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung tätige Referentin, einer zentralen Anlaufstelle für Qualitätsmanagement, Beratung und Fortbildung in Hannover.

„Es gibt einen riesigen Bedarf und es öffnet sich ein großer Markt, denn es fehlt an Personal, das LS im Alltag anbieten kann“, so Völkening. Niemand kann heute ohne LS auskommen, so die Einsicht der Zuhörer. Dass auch Fußballmuffel durch LS endlich den Begriff „Abseits“ kapieren können, machte Völkening anhand einer Regelkunde in LS deutlich. Völkenings Fazit, ganz im Jargon der Fußballer: „Leichte Sprache ist ein Volltreffer.“

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