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So entstand die Tradition des Fastlabends

FLEGESSEN/HASPERDE/KLEIN SÜNTEL. Bunt verkleidete, vergnügte Menschen, die mit Musik durch die Straßen ziehen, sind in Norddeutschland doch eher ein seltener Anblick. In Flegessen, Hasperde und Klein Süntel hat genau das allerdings Tradition: Am Tag des „Fastlabends“ stehen die Dörfer Kopf – so auch wieder am Samstag.

Narrenzeit: Fünf bunte Gruppen ziehen am Samstag wieder durch die Sünteldörfer und sammeln Lebensmittel ein. Foto: Archiv/Huppert
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

„Ich kenne das noch von meinen Eltern“, erinnert sich Annegret Wehrmann aus Klein Süntel. Ihr Vater habe im örtlichen Bergwerk gearbeitet, gemeinsam mit Flüchtlingen aus dem Ruhrgebiet. „Die haben nicht viel verdient, wollten aber trotzdem feiern. Außerdem kannten die Rheinländer ja den Karneval“, erzählt die 70-Jährige von den Ursprüngen des Fastlabends. Nach dem Krieg nahm der Gemischte Chor Klein Süntel in den 1950er Jahren diese Tradition wieder auf, doch als die Mitglieder älter wurden, konnten sie die Organisation nicht mehr durchführen. „Leider fand der Fastlabend dann mehrere Jahre nicht statt. Das war traurig“, sagt Wehrmann.

Schließlich nahm sich die Ideenwerkstatt Dorfzukunft der Wiederbelebung der alten Tradition an. Am morgigen Samstag findet der Fastlabend bereits zum fünften Mal wieder statt. „Wir ziehen ab 10 Uhr in fünf Gruppen los“, erklärt Kerstin Panitz vom Organisationsteam der Ideenwerkstatt. Drei Gruppen sind dabei in Flegessen unterwegs, eine in Hasperde und eine in Klein Süntel. „Insgesamt sind es 30 Sammler“, sagt Panitz. Sie sammeln Eier, Würste und andere Lebensmittel an den Haustüren ein.

Auch Annegret Wehrmann ist wieder dabei – wie immer spielt sie als einzige die Quetsche. Begleitet von drei Gitarrenspielern ziehen die Sammler dann wieder gut gelaunt und singend durchs Dorf. „Da bin ich immer mit vollem Herzen dabei“, sagt Wehrmann.

Trotz der Tatsache, dass Karneval in dieser Gegend nicht sonderlich verbreitet sei, werde der Fastlabend immer gut angenommen, meint Wehrmann. „Es ist eben schon so lange Tradition. Es stellen sogar Leute, die an dem Tag nicht zu Hause sind, oft Körbe mit Wurst vor die Tür und schreiben einen Zettel: ‚Viel Spaß!‘“, freut sich die Klein Süntelerin. „Und den neu Zugezogenen erklären wir die Tradition immer und viele kommen dann auch zum Fest.“ Eine Verkleidung sei auch kein Muss, sagt Panitz und betont: „Wir freuen uns über jeden, der kommt.“

Die gesammelten Lebensmittel werden dann ab 19 Uhr in der geschmückten Sporthalle gemeinsam mit einer Wanne Kartoffelsalat bei einer Feier verzehrt. „Diese Zusammenarbeit ist ein schönes Beispiel für die Gemeinschaft der drei Dörfer“, findet Panitz.

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