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NDZ-Serie: Wie seniorenfreundlich ist Bad Münder?

BAD MÜNDER. Als die EU-Staaten vor fünf Jahren eine große gemeinsame Volkszählung durchführten, da gehörte auch das zu den Erkenntnissen: Bad Münder ist im Landkreis die zweitälteste Stadt – nur übertroffen durch Bad Pyrmont. 45,6 Jahre alt ist der Durchschnitts-Münderaner demnach. Und jeder Vierte gehört zur Gruppe 65 und älter. Darauf muss die Stadt sich einstellen; nicht erst seit 2011. Angebote gibt es dabei schon eine Menge – Wünsche aber auch.

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VON CHRISTIAN ZETT

„Idealerweise“, sagt Bürgermeister Hartmut Büttner, „werden wir eine mehrgenerationengerechte Stadt“. Soll heißen: Nicht die viel beschworene Familienfreundlichkeit (die in der Regel junge Familien meint) steht allein im Fokus. Aber auch nicht das ausschließliche Ausrichten aufs Alter. Sondern ein Mittelweg, der allen irgendwie gerecht wird.

Oder eher einer, der es allen recht machen will und dabei so richtig niemanden zufriedenstellt? Das werden die nächsten Jahre zeigen.

In denen sich aus sicht des städtischen Seniorenbeirats Einiges ändern soll. So ein Gremium leistet sich die Stadt – im Gegensatz etwa zum Nachbarn Springe, wo Versuche, etwas Ähnliches zu etablieren, immer wieder scheiterten.

An der Spitze des Beirats steht Gertrud Bünnig. Sie ist im Großen und Ganzen gar nicht unzufrieden mit der Lage der Senioren im Ort. Das merkt man, wenn man eine Weile mit ihr spricht. Und doch hat sie ein großes Anliegen, ein Herzensthema: die Barrierefreiheit.

In den kommenden Monaten will sich der Beirat nach und nach alle Ortsteile ansehen; sie auf Schwachstellen abklopfen. Auf nicht oder falsch abgesenkte Bordsteine. Auf schwer zugängliche Geschäfte oder Gebäude. Auf winzige Hindernisse, die zu großen Problemen führen können. „Es sind meistens diese Kleinigkeiten“, sagt Bünnig. In der Kernstadt und in Eimbeckhausen waren die Senioren schon unterwegs (wir berichteten); nach den Sommerferien soll es in Beber, Rohrsen und Nettelrede weitergehen.

Und sonst? Denkt Bünnig auch an die Dinge, um die es in vielen Beratungsstellen immer wieder geht: es möglich zu machen, im Alter lange zuhause wohnen zu bleiben. Aus Sicht der Seniorenbeirats-Chefin ist das nicht nur eine Frage von Umbauten in den eigenen vier Wänden. Sondern auch eine Frage der Logistik: „Für uns ist es zum Beispiel ein großes Thema, dass mehr Supermärkte Liefermöglichkeiten anbieten.“

Wie wichtig das Thema Wohnen ist, haben auch Investoren inzwischen wahrgenommen. In vielen Neubauten ist die Barrierefreiheit schon mitgedacht, weiß Bünnig. Sowohl die Kreissiedlungsgesellschaft Hannover als auch das Wohnungsbauunternehmen Meravis bieten im Stadtgebiet sogar spezielle Seniorenwohnanlagen an. Ein Trend, der sich auch hier vor Ort verstärkt – die Nachfrage wächst. Und das Angebot ergänzt die fünf Altenheime, die es im Stadtgebiet außerdem gibt.

Bürgermeister Büttner erinnert in Sachen Senioren nicht an den Beirat, sondern auch an weitere Angebote. An das Servicebüro der Stadt, das etwa Kontakte vermittelt und Hilfestellungen leistet. Die Pflegeberatung des Landkreises ist ebenfalls für Bad Münder zuständig, macht auf Wunsch auch Hausbesuche.

Und aus Sicht von Büttner richtet sich auch das Projekt „Bad Münder bewegt“ an Senioren: Es gehe darum, Menschen aus drohender Isolation zu holen und Suchtgefährdung rechtzeitig zu erkennen.

Die Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt, gerade in die neuen Räume an der Wallstraße umgezogen, spielt eine wichtige Rolle im Beratungs- und Freizeitangebot für die ältere Generation. In zahlreichen Ortsteilen kümmern sich auch DRK und Kirchengemeinden um Unterhaltung und vor allem um Zusammensein; um den Austausch.

Zu den größten Vereinen mit Schwerpunkt auf Seniorenangebote gehört die Rheumaliga Springe/Bad Münder mit ihren rund 2000 Mitgliedern. Die vor allem eine gemeinsame Sorge teilen: Dass das marode und geflickte Solebewegungsbad keine Zukunft hat. Bislang fehlt Stadt und Politik ein Konzept, wie es dort weitergehen kann. Und vor allem fehlt das, was immer fehlt: Geld.

In Sachen Freizeit und Gesundheit ist auch der Seniorenbeirat aktiv – zumindest begleitend. Bünnigs Vize Hansjürgen Rauscher sieht etwa die Turngeräte im Kurpark kritisch, die sich speziell auch an Ältere richten. Dort seien zwei Geräte angeschafft worden, „die einfach nicht geeignet sind – obwohl wir vorher darauf hingewiesen haben“.

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