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NDZ-Serie: Bad Münders größte Verkehrs-Baustelle

BAD MÜNDER. 125 Kilometer Straßennetz, jede Menge Schlaglöcher, eine große Unfallkreuzung oder ein kleiner Ortsteil, der gleich von zwei viel befahrenen Bundesstraßen durchschnitten wird und auf die Umgehung hofft. Und doch: Die ganz große Verkehrs-Baustelle ist nicht die Straße – sondern der öffentliche Nahverkehr.

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VON CHRISTIAN ZETT

Was braucht Bad Münder? Eine Einigung im GVH-Streit, und zwar dringend. Zwar ist Bad Münder – immerhin – an die S 5 angeschlossen und damit gut und regelmäßig mit Hannover und Hameln verbunden. Doch der Bahnhof liegt alles andere als attraktiv. Das lässt sich auch nur schwerlich ändern. Dazu kommt: Dass die S 5 ihren direkten Flughafenanschluss verliert, wird wegen des geplanten Linientausches mit der S 4 (um Airport und Messe im Hannover zu verbinden) immer wahrscheinlicher. Weder beim heutigen Sprinter noch bei der angedachten Regionalbahn zwischen Paderborn und dem Flughafen spielt der Halt in Bad Münder – Stand jetzt – eine Rolle.

Bedeutet aber auch: Wenn die Verbindungen nicht attraktiver werden, dann muss die Fahrt wenigstens günstiger und bequemer werden. Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass Pendler aus Bad Münder ins Netz des Großraumverkehrs Hannover (GVH) aufgenommen wurden: Mit der Monats- oder Jahreskarte kann man seit 2006 vergünstigt ins Nachbar-Tarifnetz fahren. Bad Münder liegt in der sogenannten Außenzone I; 113,60 Euro werden im Monat für die Karte fällig.

Aber: Wer vorher noch mit den Öffis aus dem Stadtgebiet zum Münderaner Bahnhof will, der muss eine Extra-Busfahrkarte lösen. Und vor allem: Für den, für den sich das Abo nicht lohnt, ist die Einzel-, Mehrfach-, Tages- oder Gruppenfahrkarte deutlich teurer als etwa von Springe aus.

Das soll sich ändern; seit Jahren schon. Zuletzt war von Mitte 2016 als Starttermin die Rede: Dann wollten Landkreis und GVH alle Bahnfahrer aus Bad Münder in den Genuss der günstigeren Tickets kommen lassen. Doch inzwischen heißt es: Alles wieder offen.

Regionssprecherin Christina Kreutz sagt, momentan würden „die juristischen Rahmenbedingungen der notwendigen Vertragsänderungen geprüft“. Eine externe Rechtskanzlei erarbeite eine Finanzierungsvereinbarung zwischen den Partnern. Denn zumindest am Anfang erwartet der GVH weniger Einnahmen, die er sich zumindest teilweise von den beteiligten Landkreisen (unter anderem auch Celle und Nienburg) zurückholen will. Auch bei der vom Land zugesagten Anschubfinanzierung gebe es noch Klärungsbedarf, so Kreutz. Deshalb könne „ein genauer Einführungszeitpunkt noch nicht mitgeteilt werden“.

Dabei erwartet auch die Stadt die Reform sehnlichst: Aus Sicht von Bürgermeister Hartmut Büttner profitieren nicht nur die Bürger davon, sondern auch Kur- Tourismus- und Tagungsgäste: „Die erwarten einfach, dass sie von hier günstig und unkompliziert nach Hannover kommen.“ Büttner hofft außerdem, dass die neuen Tarife auch die Umwelt entlasten könnten: „Im Moment fahren viele Münderaner mit dem Auto zu den Bahnhöfen in Springe oder Völksen, weil es von dort günstiger ist.“

Auch ein anderer Tarif beschäftigt momentan die Politik: Rot-Grün hatte im Kreistag vor der Sommerpause eine Reform beschlossen, die die Fahrkartenpreise vergünstigt und vereinfacht: 2 Euro soll das Einzelticket im Nahbereich künftig kosten; 3 Euro im Fernbereich; auch für Monatskarten gelten dann feste Preise im Landkreis. Die Opposition wehrt sich, fürchtet Verluste und will den Beschluss schieben oder kippen.

Aus Sicht von Bad Münder bewertet Bürgermeister Büttner den Beschluss positiv: Das Tarifsystem sei damit „revolutioniert“ worden – und die Vergünstigungen könnten sich auch auf den münderschen Bürgerbus auswirken, der ans Tarifsystem der Öffis gekoppelt ist. Ohnehin ist der Bürgerbus bislang eine der richtigen wenigen Erfolgsgeschichten im münderschen Nahverkehr: Eine ehrenamtliche Initiative, die Lücken schließt – im Rathaus sieht man die ersten Wochen mit wohlwollen.

Und der Straßenverkehr? Klar, der ist auch eine Herausforderung. Weil das Geld knapp ist, flicken die Mitarbeiter die städtischen Fahrbahnen, sorgen für Verkehrssicherheit – mehr ist meist nicht drin. Da sind die finanziellen Dimensionen, die man sich in Hachmühlen wünscht, ganz andere: Mehrere Millionen müsste der Bund investieren, um mit einer Umgehungsstraße zumindest den Verkehr der B 442 aus dem Ort herauszuholen, die sich hier mit der B 217 trifft. Immerhin: Im neuen Bundesverkehrswegeplan ist das Projekt als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft. Für Büttner heißt es „Theoretisch“ könne es „sofort“ losgehen – praktisch ist noch kein Bautermin in Sicht – geschweige denn ein entsprechender konkreter Plan. Und die Friedhofskreuzung, immer wieder Schauplatz von größeren Unfällen? Eine Lösung wie ein Kreisverkehr ist nicht in Sicht. Ob überhaupt etwas passiert, steht in den Sternen.

Debatten, Diskussionen, Wünsche und Unmut gibt es also genug – und dabei hat die Stadt ein Verkehrsprojekt gar nicht auf dem Schirm, das momentan in der Nachbarstadt Springe für viel Ärger sorgt: Dort arbeitet die Stadt – gegen teils erheblichen Widerstand des Ortsrats – ein Radwegekonzept ab, das den Empfehlungen und Regelungen Folge leisten soll, den Radverkehr wo immer möglich auf die Straße zu verlagern. Und ihn attraktiver zu machen. Büttner sieht „keine Verpflichtung“, in Bad Münder ebenfalls tätig zu werden. Man prüfe, ob die städtischen Radwege sicher seien und die Standards erfüllten: „Für mehr haben wir auch keine Haushaltsmittel zur Verfügung.“ Was er stattdessen auf dem Schirm hat: Den beim Landkreis immer wieder erbeteten Lückenschluss des Radwegs zwischen Bakede und Böbber.

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