weather-image

Mehr Parkplätze in Bad Münder: Was wollen die Händler?

BAD MÜNDER. Ein Parkplatzkonzept soll laut CDU die mündersche Innenstadt retten (wir berichteten). Während Bürgermeister Hartmut Büttner vorher geklärt haben möchte, wie es mit der Fußgängerzone weitergeht, wünschen sich viele Händler einfach nur, dass endlich etwas passiert. Wir haben in der Fußgängerzone nachgefragt.

270_0900_47367_Fussgaengerzone.jpg
hermes

Autor

Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Deutliche Worte findet Dudo Wanderer: „Die Situation macht uns alle mürbe. Nicht nur die Händler sind frustriert, auch die Kunden.“ Die Inhaberin der Buchhandlung in der Echternstraße wünscht sich, dass die Stagnation endlich aufhört. „Es ist nicht mehr zu ertragen. Die Kunden rücken immer mehr ab“, sagt sie und fragt: „Was nützt eine Fußgängerzone, wenn dort die meisten Leerstände sind?“ Bad Münder verhalte sich hier antizyklisch. „Der Kern – dort, wo am meisten los sein sollte, ist der Trauerkloß der Stadt.“ Zwar wisse sie nicht, ob mit dem angedachten Parkplatzkonzept alles besser werde, „aber wenn man nicht handelt, kann sich die Situation auch nicht verbessern“, macht Wanderer deutlich.

Ihr sei auch recht, dass die Fußgängerzone bis mittags für den Autoverkehr geöffnet werde und nicht nur bis morgens 10 Uhr. „Man sieht überall so viele Gemeinden, in denen es funktioniert, warum nicht auch in Bad Münder?“ Wenn es ums Handeln gehe, passiere einfach nichts, „das frustriert. Es geht auch um unsere Existenz“, kritisiert sie.

Unterstützung bekommt Wanderer von Karin El-Anwar. Sie ist die Inhaberin des Bioladens „Senfkorn“ in der Markstraße. „Ich bin auf jeden Fall dafür, dass Parkplätze direkt vor den Geschäften eingerichtet werden“, sagt El-Anwar. Für sie ergäben sich dadurch nur Vorteile. „Meine Kunden hätten endlich die Möglichkeit, auch mal größere Einkäufe zu tätigen. Sie müssten nicht mehr so weit schleppen oder gar als Alternative zum Rohmel-Center fahren, weil der Einkauf dort bequemer mit dem Auto ist.“ Auch für ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß seien, sei die Parkplatzidee von Vorteil. „Oder für Eltern mit kleinen Kindern oder für diejenigen, die nach Feierabend auf dem Rückweg von der Arbeit noch eben eine Kleinigkeit besorgen wollen“, ergänzt die Bioladen-Inhaberin. Durch Gespräche mit ihren Kunden habe sie auch erfahren, dass diese deutlich öfter bei ihr einkaufen würden, wenn sie direkt vor der Tür parken könnten.

„Sicherlich profitiert nicht jeder Händler davon, aber mir würde es wohl das Überleben sichern“, sagt El-Anwar. „Ich verstehe die Politik auch nicht, man muss die Praxis auch einfach mal erproben und nicht nur Theorien spinnen.“ Es könne ja nicht so teuer sein, mit weißer Farbe Parkplätze einzuzeichnen. „Wozu stattdessen Geld für teure Gutachter ausgeben?“, fragt sich El-Anwar. Um ihr Geschäft zu retten, hatte die Senfkorn-Inhaberin zuletzt für ein Genossenschaftsmodell geworben, bei dem Mitglieder einen monatlichen Beitrag zahlen und im Gegenzug Rabatt pro Einkauf im Bioladen erhalten.

Ganz anders bewertet Johann Hasenfuss vom Augenoptikfachgeschäft in der Marktstraße den Vorschlag der CDU. „Die Fußgängerzone in Bad Münder hat seine Berechtigung, sie ist wirklich sehr schön. Ich glaube nicht, dass ich mehr Kundschaft bekomme, nur weil es andere oder mehr Parkmöglichkeiten gibt“, sagt Hasenfuss. Die Innenstadt werde durch weitere Parkplätze nicht belebt.

„Das kann nicht die Antwort auf das Problem sein.“ Seiner Meinung nach sei jeder Händler selbst für sein Glück verantwortlich „Es liegt in unseren Händen. Die Kunden kommen, wenn das Angebot und der Service stimmen oder eben durch besondere Aktionen, nicht aber durch Parkplätze“, betont der Augenoptikmeister.

Wie es mit der münderschen Innenstadt und der Parkplatz-Idee der CDU weitergeht, wird erst im nächsten Verwaltungsausschuss am 10. August behandelt. Nach den Sommerferien will Büttner auch erst mit einem Experten und der Politik eine Innenstadtbesichtigung durchführen.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare