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Maisernte mit High-Tech in Beber: Mit Vollgas ganz nach oben

BEBER. Sein Arbeitsgerät ist konzipiert für effizientes Arbeiten in schwierigem Gelände. Für den Einsatz unter härtesten Bedingungen – etwa dafür, in 3000 Meter Höhe aus einem Schneefeld eine präparierte Skipiste zu machen. In Beber setzt Sebastian Wissel seine Maschine derzeit aber für eine ganz andere Aufgabe ein.

20.000 Tonnen Maishäcksel werden zum Ende der Ernte einen gewaltigen Berg bilden. Mit der Raupe schiebt Sebastian Wissel Fuhre um Fuhre nach oben. Foto: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Er schichtet an der Biogasanlage am Ortsrand einen gewaltigen Silomaisberg auf.

Jürgen Kinast, Betreiber der Biogasanlage und eines Milchviehbetriebes, setzt bereits seit einiger Zeit auf die Unterstützung Wissels. Seine Maschine ist geradezu ideal dazu geeignet, die angelieferten Maishäcksel schnell nach oben zu schieben und dabei zu verdichten. „Erfunden habe ich das nicht“, macht Wissel deutlich – doch in dem kurzen Zeitfenster der Maisernte läuft die Maschine Stunde um Stunde. Sogar eine Zweite hat er daher angeschafft. Neun Tonnen schwer, 430 PS stark – und mit gewaltiger Schubkraft selbst in den Bereichen, in denen den bislang eingesetzten Traktoren die Luft ausgeht: Wenn’s steil nach oben geht. Dabei unterscheidet sich Wissels „Leitwolf“, wie seine Maschine ab Werk heißt, nur in Details von denen, die er einst in einem Skigebiet beobachtete und die den begeisterten Skifahrer dazu brachten, im Herbst seine Dienste samt Raupe in der Landwirtschaft anzubieten. Eine andere Kette, deutlich vergrößertes Kühlsystem – das sind die auffälligsten Unterschiede am Arbeitsgerät.

Zu denen, die die Vorzüge einer Pistenraupe beim Bau einer Maissilage zu schätzen wissen, zählt auch Moritz Kinast. Er organisiert in diesem Jahr die Arbeiten und behält den Überblick – eine besondere Herausforderung in einem Jahr, in dem sich die Ernte verzögert hat. Bis zu Sturm Sebastian rechneten die Landwirte mit einem sehr guten Ertrag beim Mais, doch der Sturm legte viele Schläge platt. Mit bis zu 20 Prozent Ausfall wird auf Hof Kinast gerechnet, je nach Lage der Flächen. Hinzu kamen anhaltende Niederschläge – die Äcker waren nass, nicht nur feucht. Oftmals lange Zeit zu feucht, um sie mit schweren Maschinen befahren zu können. Und so macht Jürgen Kinast, der Chef auf dem Hof, die Reinigung der Straßen auch zur Chefsache: Wo ein Gespann vom Acker zieht, sorgt er dafür, dass keine Gefahr für Motorradfahrer und Autofahrer entsteht.

Am Hof dirigiert sein Sohn Moritz die Anlieferung – eine logistisch durchaus anspruchsvolle Aufgabe. Der Fahrereinsatz wird online koordiniert, die Fahrer instruiert, wie sie die Fuhren wiegen und dokumentieren und auch Qualitätsproben ziehen und archivieren. Rund 1500 Fuhren kommen in rund zehn Tagen Ernte zusammen. 20 000 Tonnen Maishäcksel, die siliert werden, um dann ein ganzes Jahr lang als Viehfutter und Substrat für die Biogaserzeugung zur Verfügung zu stehen. „So viel Mais wie nötig, so wenig wie möglich“ sagt Jürgen Kinast. Durch die Weiterentwicklung der Technik sei es heute möglich, rund mit der Hälfte des Maiseinsatzes von vor zehn Jahren auszukommen.

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