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Kurhotel-Verkauf ist perfekt

BAD MÜNDER. Einst erstes Haus am Platze, heute nur noch eine Ruine, die an bessere Zeiten erinnert: das Kurhotel. Seit Jahrzehnten versucht die Stadt, einen Käufer mit einer Projektidee für das Grundstück in prominenter Lage zu finden, nach dem Votum des Rates zum Verkauf Anfang Dezember ist es jetzt gelungen.

Prominent am Kurpark gelegen – das ehemalige Kurhotel bietet außen wie innen einen desolaten Anblick. Wasser und Vandalismus haben Spuren hinterlassen.
Jens

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Der Vertrag ist auf der Käuferseite bereits notariell beglaubigt worden, in dieser Woche zieht die Stadt nach.

Absehbar ist damit auch das Ende des Kurhotels in seiner bisherigen Form, es soll abgebrochen werden und einem Neubau weichen. Tatsächlich scheint diese Lösung alternativlos – seit fast 30 Jahren steht das Gebäude leer, eindringendes Wasser und auch Vandalismus haben deutliche Spuren hinterlassen. Bereits in den vergangenen Monaten hatten Mitarbeiter der Stadt das sanft vor sich hin modernde Gebäude vom alten Mobiliar befreit.

Die Vergangenheit des Hauses lässt sich bis ins Jahr 1897 zurückverfolgen – im Mai des Jahres weihte die Saline-, Sole- und Schwefelbad-Aktiengesellschaft auf dem Areal des früheren Salzhofes das damals noch eingeschossige Kurbadehaus ein. Die erste Aufgabe des Gebäudes damals: Es bot Raum, um Sole- und Schwefelbäder anzubieten, für Gäste ebenso wie für Einwohner.

In dieser Küche wurden viele Jahre die Speisen für die Gäste des Kurhotels zubereitet.
  • In dieser Küche wurden viele Jahre die Speisen für die Gäste des Kurhotels zubereitet.
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In einigen Räumen haben sich Unbekannte wohnlich eingerichtet – vielleicht die Metalldiebe, die in den Zimmern nach Armaturen gesucht haben.
  • In einigen Räumen haben sich Unbekannte wohnlich eingerichtet – vielleicht die Metalldiebe, die in den Zimmern nach Armaturen gesucht haben.
Der zentrale Saal des Kurhotels – mit Blick auf den Kurpark wurden viele Jahre auch große Bälle und Feste gefeiert. Fotos: Rathmann
  • Der zentrale Saal des Kurhotels – mit Blick auf den Kurpark wurden viele Jahre auch große Bälle und Feste gefeiert. Fotos: Rathmann
In dieser Küche wurden viele Jahre die Speisen für die Gäste des Kurhotels zubereitet.
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In einigen Räumen haben sich Unbekannte wohnlich eingerichtet – vielleicht die Metalldiebe, die in den Zimmern nach Armaturen gesucht haben.
Der zentrale Saal des Kurhotels – mit Blick auf den Kurpark wurden viele Jahre auch große Bälle und Feste gefeiert. Fotos: Rathmann

Weil die Zahl der Gäste von Jahr zu Jahr zunahm, entschied sich Fritz Koke, in den Jahren 1898 und 1899 direkt an das Kurbadehaus ein dreigeschossiges Kurhotel anzubauen. Im Keller wurden eine Küche sowie Wirtschafts- und Lagerräume eingerichtet, im Erdgeschoss eine Rezeption und ein Restaurant, in den oberen Etagen die Gästezimmer. Vom Gebäude aus gab es einen Zugang zum Kurbadehaus. Koke führte das Haus bis 1909 selbst, ab 1910 wechselten Hotel und Badehaus einige Male den Eigentümer. Mit den neuen Besitzern wurde auch wieder umgebaut, beispielsweise wurde das Dachgeschoss des Hotels ausgebaut, der Eingangsbereich verlegt. 1931/32 gingen Kurhotel, Badehaus, Kurpark und Heilquellen in das Eigentum der Stadt über, sie verpachtete das Hotel.

1936 wurde Münder der Namenszusatz „Bad“ zuerkannt, das Kurwesen gewann weiterhin an Bedeutung – bis zum Kriegsbeginn 1939. Die Heeresverwaltung beschlagnahmte das Hotel als Reserve-Lazarett. Bei Kriegsende 1945 wurde die Innenausstattung in weiten Teilen zerstört. In den Folgejahren bot das Hotel vielen Flüchtlingen eine erste Anlaufstation, bevor sie auf andere Häuser im Stadtgebiet verteilt wurden. Nach Renovierungsarbeiten wurde das Hotel 1953 wiedereröffnet, 1959 verkaufte die Stadt Hotel und Badehaus an einen hannoverschen Kaufmann, der es erweiterte – dann aber nur vier Jahre später an die Stadt zurückgab. Mehrere Pächter folgten, die letzten wurden sogar vorzeitig aus ihrem Vertrag gebeten – die Stadt hatte großes vor: Der Dei-sterpark mit seinen blühenden Versprechen zu Therme und Hotelneubau lockte, Rat und Verwaltung witterten die ganz große Chance für die Stadt.

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