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Kita-Anmeldung online: Ein Klick ersetzt keinen Besuch

BAD MÜNDER. Ein Blick in die Umgebung: Springe hat es schon, Hameln hätte es gerne, ist aber noch nicht soweit: Während die Rattenfängerstadt sich noch daran abmüht, ein stabiles Online-Anmeldesystem für die Kindertagesstätten anzubieten, hat in Springe die Anmeldephase begonnen.

Der beste Platz fürs Kind? Eine Online-Anmeldung ersetzt nicht den Besuch in der Wunsch-Kita, meinen zwei Kita-Leiterinnen aus dem Stadtgebiet – und sind damit auf einer Linie mit Verwaltungsmitarbeiterin Elisabeth Borcherding. Foto: Dittrich
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Und von der Kurstadt aus werden neugierige Blicke zu den Nachbarn geworfen. Dabei ist man von einer Online-Anmeldung noch weit entfernt. Größte Neuerung ist bisher, dass die belegten Plätze der Kitas monatlich an die Verwaltung gemeldet werden, um möglichst viele Plätze zu belegen und gleichzeitig den Eltern eine bestmögliche Betreuung der Kinder anzubieten – also: wohnortnah und vom Angebot her passend. Der nächste Schritt könnte ein zentrales Anmeldesystem sein, das über die Verwaltung angeboten wird.

„Die Idee ist auch schon öfter aufgekommen“, erklärt Fachbereichsleiterin Elisabeth Borcherding auf Anfrage. „Das ist bei unserer Träger-Vielfalt relativ schwer umsetzbar.“ Abgeneigt war die Verwaltungsmitarbeiterin aber nicht: „Das hat durchaus seine Vorteile.“ Um die auszuspielen, müssten die Anmeldezahlen und Belegungen der Kitas im Stadtgebiet aber immer auf dem aktuellen Stand bleiben.

Derzeit müssen Eltern ihren Nachwuchs direkt bei den Kitas anmelden – was zur Folge hat, dass ein Kind gleich bei mehreren Kitas angemeldet wird um in jedem Fall einen Platz zu ergattern. Katrin Pietschmann, Leiterin der DRK-Kita in Eimbeckhausen, findet allein deswegen eine Online-Anmeldung sinnvoll. „Das erleichtert uns die Arbeit.“ Es gebe sonst einfach zu viele doppelte Anmeldungen von Eltern, die ihr Kind bereits schon in einer anderen Kita untergebracht haben, für den anderen, reservierten Platz, aber nicht frühzeitig absagen. Im schlimmsten Fall bleiben dann Plätze zu Beginn des Kita-Jahres frei. Deswegen haben die vier DRK-Kitas im Stadtgebiet sich bereits auf eine gemeinsame Anmeldung verständigt, um wenigstens in dem kleinen Verbund Doppelanmeldungen vorzubeugen.

Pietschmann denkt dabei sogar noch weiter als das bisher angewandte System in Springe: Ihr schwebt ein transparentes Anmelde-Verfahren vor, wo die Eltern stets sehen können, wo es noch freie Plätze gibt. „Dann schauen die Menschen nicht nur bei ihrer Kita im Ort.“ Netter Nebeneffekt außerdem: „Die Eltern sparen sich die Wege zu jeder einzelnen Kita.“

Aber unabhängig von der Anmeldung: „Das persönliche Gespräch ersetzt das in keinem Fall.“ Entscheidend sei immernoch, ob das Umfeld, die Pädagogen für die Eltern und die Kinder passt. Das sieht auch Eva-Maria Achilles-Ingram von der Kita Arche Noah in der Kernstadt so: „Eine Online-Anmeldung macht sicherlich Sinn, aber geht man dann vorher noch in die Kita?“ Dass die Betreuungsstelle für den Nachwuchs vom Sofa aus per Klick ausgewählt wird, missfällt der Leiterin der evangelischen Kita. Die verschiedenen Kita-Träger im Stadtgebiet, das sei nicht nur eine Konkurrenz-Situation, sondern auch ein Beitrag zur Betreuungsvielfalt. „Bei einer Online-Anmeldung gibt es eine geringere Chance, sich zu präsentieren“, vermutet Achilles-Ingram. Außerdem müsse das pädagogische Konzept zu den Vorstellungen der Eltern passen. Das könne man nur bei einem Besuch klären.

Eine Einschätzung, die Borcherding teilt: „Die persönliche Kontaktaufnahme ist wichtig und wird auch gut angenommen.“ Unabhängig davon gibt die Verwaltungsmitarbeiterin zu Bedenken: „Eine Online-Anmeldung gibt es auch nicht zum Nulltarif.“ Würde das Anmelde-Verfahren zentralisiert, käme auf die Verwaltung mehr Arbeit zu, um zum Beispiel Rückfragen zu klären oder die Platzvergabe aktuell zu halten – von den Kosten für die Software ganz zu schweigen..

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