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Geschichte des Klappstuhls im Stuhlmuseum Eimbeckhausen

EIMBECKHAUSEN. Man quetscht sich regelmäßig die Finger beim aufstellen, aber der Klappstuhl ist bei aller Gefahr auch einfach praktisch. Dabei ist die Geschichte des Klappstuhles fast so alt wie die des Stuhles selbst. Das Stuhlmuseum widmet sich ab Sonntag, dem 23. April, dem Möbelstück in einer Sonderausstellung.

Klapp-Garantie: Kurt Fichtner beim Aufbau der Ausstellung auf – und zeigt ein besonderes Stück. Fotos: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Römische Feldherren ruhten auf Klappstühlen, und selbst Kleopatra, die Ikone der antiken Welt, soll ihren Allerwertesten auf einen Klappstuhl gebettet haben. Bei den Griechen ließen sich Spaziergänger, die auf sich hielten, von einem Sklaven einen Faltstuhl nachtragen. „Der Klappstuhl ist eine uralte Erfindung der Menschheit. Schon in der Bronzezeit gab es Klappstühle in Skandinavien, wie zum Beispiel Grabungen in Gulghoj in Dänemark zutagegebracht haben“, sagt Gisela Hahne, die Leiterin des Wilkhahn-Archives.

Die Begeisterung für Klappstühle reicht bis in die heutige Zeit – aktuelle Designstudien beweisen das ebenso wie die reiche Auswahl in den Häusern des schwedischen Möbelgiganten. Das Deutsche Stuhlmuseum Eimbeckhausen widmet ab Sonntag dem klappbaren Bruder des klassischen Stuhls eine eigene Sonderausstellung.

Aufgebaut wird die derzeit von engagierten Museumsteammitgliedern, und auch bei den Stuhlprofis sorgen Details der Exponate für leuchtende Augen. Herbert Kowalzik beispielsweise klappt voller Hochachtung eine Konstruktion auf, die aus einem Stuhl mit nur einer Bewegung eine kleine freistehende Leiter macht, die der Hausfrau der 1950er-Jahre das Gardienenaufhängen erleichterte.

Absoluter Minimalismus hat es Bernard Bonset angetan: Eine Sitzfläche, sechs verstrebte Leisten, zwei Drehpunkte – das Prinzip des Hocker-Klassikers ist bei extrem wenig Gewicht so einfach, dass er überall dabei sein kann, wo langes Stehen durch bequemes Ruhen unterbrochen werden soll. Platzsparende Stapelung und Aufbewahrung bei akzeptabler Stabilität ist der große Vorteil der Modelle, die Kurt Fichtner in der Ausstellung platziert: Was in der Zeit großer Zeltfeste zu tausenden zwischen Deister und Süntel zu finden war, bestückt in der Ausstellung eine ganze Wand.

Zu bestaunen sind aber nicht nur Modelle aus Holz – richtig in Form gebracht, wird auch aus Pappe schnell ein Stuhl zusammengeklappt. Liegestühle mit entsprechenden Fußteilen, Generationen von Campingmöbeln und auch ein weiterer Klassiker, der an keinem Filmset fehlen darf, ist zu finden: Der Director’s Chair, der Regiestuhl. Gekreuzte Beine, klappbare Armlehnen und eine leicht schräge Rückenlehne, dazwischen stabiles Segeltuch, bestimmen sein klassisches Design.

Ausgestellt werden aber auch Klappstühle „Made in Eimbeckhausen“ – etwa die aus der Produktion von Benze oder Wellner. Beide hatten spezielle Modelle im Angebot, die dem Herren beim Auskleiden zur sorgsamen Aufbewahlung von Hemd und Hose anhielten. Klappbare „Herrendiener“, die unter der Sitzfläche selbst Platz für Kravatte und Socken ließen.

Öffentlich zu sehen ist die neue Sonderausstellung „Flachgelegt. Ein Sitz für alle Fälle“ ab dem 23. April von 14 bis 18 Uhr – bis zum 16. Juli und am ersten und dritten Sonntag eines Monats.

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