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Frühjahrsputz: Bad Münders dreckige Seite

BAD MÜNDER. „Manche Leute sind echt Schweine“, empört sich einer der jungen Müllsammler und lässt mit seiner Greifzange eine der zahllosen Zigarettenschachteln entlang der B 442 im großen grauen Müllsack verschwinden. Knapp 70 Münderaner haben tatkräftig am alljährlichen Frühjahrsputz teilgenommen.

Ein Fall für den Sperrmüll, meinen Lorenz (von links), Jakob und Bernd Krause von der Waldjugend. Foto: Huppert

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Christoph Huppert Reporter

„Viele junge Leute und auch Flüchtlinge sind dabei“, freute sich Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah, die im Jugendzentrum „Point“ alles vorbereitet hatte: Abfallsäcke, Handschuhe, Warnwesten, Einsatzpläne. In 18 Bezirken gingen die Müllsammler dann einen Vormittag lang auf Tour. „Ich weiß, dass im Tiefental eine Mikrowelle im Graben liegt“, so Kathrin Freise, die ebenso wie Laura Noh aus Afferde das erste Mal dabei war. „Wir gehen Richtung Bahnhof“, so der 14-jährige Jakob und sein 1,97 großer Freund Lorenz von der Waldjugend. Eine Tour, die sich lohnte, denn während die 13 Mitglieder der Jugendfeuerwehr mit Stefan Bosse entlang der Stichstraße zum Rohmelkreisel Abfälle aufsammelten, füllten Jakob und Lorenz zusammen mit Waldjugend-Chef Bernd Krause Sack um Sack. Besonders verschmutzt ist der Rand des Grundstückes vor dem Viadukt zur Dyes-Siedlung. Das wird von Fernfahrern gerne zur kostenfreien Übernachtung genutzt. „Nein, kein O-Saft, sondern Trucker-Pisse“, stellten die Sammler fest, denn neben allerlei Sperrmüll verunzierten zahlreiche PET-Flaschen mit gelber Flüssigkeit den Straßenrand. „Da muss der Bauhof mit einer Sperrmüllentsorgung ran“, so Bernd Krause.

Der hatte kurz zuvor sogar ein Drogen-Spritzbesteck aus dem Graben gefischt. „Echt gefährlich.“ „Wir haben wegen dieser Extremverdreckung hier die Stadt schon etliche Male alarmiert, aber es passiert einfach nichts“, erregte sich eine Anwohnerin wütend. „Das sei Privatgelände.“ Es bestehe hier dennoch dringend Handlungsbedarf. Nicht nur die Hygiene sei wohl ein Fall fürs Gesundheitsamt, auch der Wirrwarr an Ästen und nicht weggeräumtem Totholz stelle bei Sturm eine große Gefahr dar.

Gleich nebenan, gegenüber dem Brandhaus, haben die Sammler ein nagelneues hochwertiges Ersatzteil der Feuerwehr gefunden, teilte Joumaah später mit.

Mehrere Stunden sammelten die fleißigen Helfer jede Menge Müll ein. „Manchmal kriegt man da das schiere Entsetzen, aber das ist überall so“, sagt Joumaah. Die Mentalität der Menschen habe sich leider geändert. Um schnell zum Einkaufsmarkt zu kommen wird da auch schon einmal rücksichtslos die die Straße halb versperrende Feuerwehr angehupt.

Unterstützt haben den diesjährigen Frühjahrsputz 13 mündersche Geschäftsleute, die für die Sammler einen Einkaufsgutschein spendiert haben. Suppe und Würstchen gab´s von der IGBCE und auch über Gratis-Getränke durften sich die Müllsammler freuen. „Für alle war das ein Stück wichtiges soziales Lernen“, stellte Joumaah nach der Tour durch die dreckige Seite der Kurstadt abschließend fest.

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