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„Friederike“: Die Bilanz der Zerstörung

BAD MÜNDER. Als „Friederike“ zum großen Schlag ausholte, öffnete Horst Ebeling den Ordner mit den Bildern aus dem Jahr 2007. „Kyrill“ war auf den Tag genau vor elf Jahren über das Land gezogen, hatte eine Schneise der Verwüstung auch durch die Waldbestände gezogen, die Ebeling als Förster betreut.

Wenn das Dach am Boden liegt: Ortwin Fröhlich mit den Überresten der Dachhaut der Tischlerei Feuerhake. Fotos: Mensing/Rathmann

Autor:

Jens Rathmann und Gert Mensing

„Ich hoffe, das wird nicht wieder so schlimm“, sagte er beim Blick auf die Fotos zu seiner Frau – und seit gestern hat Ebeling Gewissheit: Die Orkanböen am Donnerstag waren heftig, haben aber längst nicht so große Schäden angerichtet wie der Sturm 2007.

Mit Zahlen zu den Schäden, die „Friederike“ in den heimischen Wäldern angerichtet hat, ist Ebeling noch vorsichtig: Noch hat er nicht alle Bereiche ansehen können, weil auch für den Förster teilweise im Wald kein Durchkommen ist. Den wahrscheinlich größten Windbruch in seinem Zuständigkeitsbereich hat es in Hachmühlen am Katzberg gegeben, wo reihenweise Nadelbäume umgeworfen wurden. Gewaltige Krater sind dort entstanden, wo mächtige Stämme mitsamt Wurzelteller auf der Seite liegen.

Ein Bild, auf das auch Alexander Nebhuth gestern immer wieder stieß. Auch der neue Leiter der Reihebürgerschaft Bad Münder, immerhin einer der größten forstlichen Realverbände in Niedersachsen, versuchte gestern, sich einen Überblick über die Schäden im Süntelwald zu machen. Sein erstes Fazit: „Sehr viele Einzelwürfe.“ Allein schon dadurch unterscheiden sich die Folgen von „Friederike“ von denen „Kyrills“ – 2007 mähte der Orkan ganze Flächen nieder, ließ Laub- wie Nadelholz wie Streichhölzer knicken.

Am Katzberg hat der Sturm reihenweise Fichten gefällt.
  • Am Katzberg hat der Sturm reihenweise Fichten gefällt.

Rund 27 000 Festmeter Holz lagen nach Kyrill am Boden, aktuell sind es nach ersten Schätzungen Nebhuths vielleicht 1500 bis 1700 Festmeter. Dass die Schäden in dieser Größenordnung ausgefallen sind, liegt seiner Auffassung nach auch an den durchnässten Böden. Seit Wochen regnet es, die andauernde Feuchtigkeit hat auch Auswirkungen auf die Standfestigkeit der flach wurzelnden Bäume.

Reagieren wird die Reihebürgerschaft, indem sie sich die Hauungspläne für das junge Jahr noch einmal vornimmt. Dort, wo Windbruch beseitigt werden muss, wird nun zuerst gesägt – und Flächen, die für den Holzeinschlag vorgesehen waren, fallen heraus, werden erst im kommenden Jahr in Angriff genommen. Ebeling wird mit Forstmitarbeitern im Bereich Katzberg schon heute aktiv werden, um die größten Schäden schnellstmöglich zu beseitigen.

Doch nicht nur in Deister und Süntel hat der Sturm große Schäden angerichtet. Erst gestern wurde vielerorts genauer unter die Lupe genommen, was am Donnerstag in Mitleidenschaft gezogen wurde. Beispiel Bakede: Zwar hatte Heinz Wesemann am Donnerstag gegen 14.30 Uhr das gewaltige Krachen gehört und kurz darauf gesehen, wie sich das Dach der rund 150 Meter von seinem Fenster entfernten Tischlerei Feuerhake hob, löste und über die benachbarten hohen Bäume auf ein Feld krachte. Das tatsächliche Ausmaß des Schadens wurde aber erst am Freitag deutlich. Und Wesemann war auf einmal sehr froh, dass er erst vor einiger Zeit die Gebäudeversicherung für Sturmschäden aktualisiert hatte. Den Schaden schätzt er auf 20 000 bis 30 000 Euro. Der Betrieb in der Tischlerei läuft inzwischen eingeschränkt wieder. „An einigen Stellen kommt aber Wasser durch“, hat Mitarbeiter Ortwin Fröhlich bemerkt.

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