weather-image
18°

Familiennachzug von Flüchtlingen: Bad Münder kaum betroffen

BAD MÜNDER. Es war Thema der Jamaika-Sondierungen und ist womöglich auch wieder Knackpunkt der Gespräche zwischen CDU und SPD in Berlin: Der Familiennachzug von Flüchtlingen. Eine Debatte, die auch in Bad Münder verfolgt wird. Denn am Ende der Kette steht die Kommune, die die Geflüchteten aufnimmt.

Zwischenstation für Flüchtlinge: Das Puffergebäude in Hachmühlen wird bisher selten genutzt - für größere Flüchtlingsfamilien ist es aber eine Notlösung, wenn es noch keine passende Wohnung gibt. Foto: Dittrich/Archiv
dittrich

Autor

Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Wieviele davon tatsächlich noch Eltern, Kinder oder Ehepartner in Syrien oder anderen Herkunftsländern haben, lässt sich nicht genau sagen. „Bei vielen bekommen wir das erst dann mit, wenn es akut ist“, erklärt die Integrationsbeauftragte Sina Bruns von der Stadt. Bedeutet: Vor ihrem Schreibtisch steht dann jemand aus dem Nahen Osten und erklärt, dass seine Angehörigen einen Termin bei der Botschaft haben und in wenigen Tagen nach Deutschland kommen.

Das bedeutet für Bruns: Innerhalb von wenigen Tagen muss Wohnraum für jemanden gefunden werden, der als Einzelperson ankam und nun womöglich Platz für den eigenen Nachwuchs oder den Partner braucht. Wieviele es genau sind, ist manchmal auch nicht direkt klar. Als Zwischenlösung, bis eine ausreichend große Wohnung gefunden ist, dienen Pufferhäuser.

Derzeit leben noch 226 Flüchtlinge in der Stadt, wobei es immer wieder Veränderungen gibt, weil manche wegziehen und andere neu ankommen. Dabei handelt es sich laut Bruns aber nur noch um einzelne Zuweisungen. Eine übersichtliche Situation, weit entfernt von der Phase vor zwei Jahren, als regelmäßig hunderte Geflüchtete dem Landkreis zugeteilt wurden.

In Berlin wird derzeit um eine ganz konkrete Gruppe von Geflüchteten gestritten. Vollumfänglich anerkannte Flüchtlinge dürfen ohnehin ihre Familien nach Deutschland holen, für subsidiär Schutzberechtigte wurde dies aber temporär ausgesetzt. Ob dies nun wieder erlaubt wird, darüber streiten die Parteien derzeit.

Bedeutet für Bad Münder in Zahlen: Von 226 Flüchtlingen im Stadtgebiet haben 38 nur den subsidiären, also zeitlich begrenzten Schutzstatus. Bruns schränkt die Zahl aber noch weiter ein: „Bis jetzt sind es vor allem die Männer, die Familie haben.“ Frauen, die den Weg nach Deutschland geschafft haben, haben entweder keine Angehörigen mehr oder sind mit ihnen angekommen. Minderjährige können keine Eltern oder Geschwister nachholen.

Bleiben noch 12 Flüchtlinge übrig, von denen einer derzeit laut Bruns darum kämpft, seine Familie nach Bad Münder zu holen. Die Übrigen haben ihre Angehörigen schon vor Ort oder es ist unklar, ob sie noch Familie haben.

Anzeige

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare