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Eltern-Taxi in Bad Münder: Kein Vorbild für Kinder

BAD MÜNDER. Morgens an der Wallstraße in Bad Münder: Kurz vor 8, Schulbeginn, Hauptverkehrszeit an der Grundschule. Eltern bringen ihre Schützlinge zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto zur Schule. Was schon dem Nachwuchs schwer fällt, scheint auch Erwachsenen Probleme zu bereiten: Sich an Regeln halten.

Die neue Verkehrsinsel vor der Grundschule dient als Unterstützung, damit Schüler die Wallstraße sicher überqueren können. Foto: dittrich
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Vereinzelt parken Autos im Halteverbot, wird die Vorfahrt am Laurentiusweg missachtet, überschreiten Autofahrer das Tempolimit. Und das, obwohl Schilder an beiden Seiten der Wallstraße auf die Regeln hinweisen, Schulleiter Christoph Schieb seit Jahren auf das Problem hinweist, dort ein Messgerät die Geschwindigkeit anzeigt und inzwischen die Fahrbahn verengt wurde. „Da verzweifeln wir an unserem Bildungsauftrag“, sagte Schieb jüngst gegenüber Ratsherren der Stadt. Zusammen mit dem Elternrat wurde gar ein „Verkehrs-Einmaleins“ für das Gebiet rund um die Schule verfasst.

Zumindest zu Unterrichtsbeginn scheint all das zumindest teilweise zu fruchten: Die Fahrbahnverengung auf der Wallstraße sorgt dafür, dass Autofahrer, die von der Süntelstraße kommen, regelmäßig bremsen und Kinder dort die Straße überqueren können. „Das bestätigen uns auch die Anwohner, die Verengung ist wirkungsvoll“, sagt Schieb.

Allerdings – und das bringt Schieb nach wie vor auf die Palme – die Vorfahrt am Laurentiusweg wird immernoch regelmäßig missachtet, genauso wie das Durchfahrtsverbot oder das absolute Halteverbot. „Das ist schon fast selbstverständlich geworden“, schimpft der Pädagoge. Bis zu 30 Mal pro Tag würden Autofahrer die Sperrung ignorieren und die verbotene Abkürzung durch die Bushaltestelle zur Bahnhofstraße nehmen. Eine komplette Sperrung mit Barrieren, auch für Busse und Fahrräder, wie von Ratsherr Benjamin Hachfeld angedacht, ist laut Schieb unmöglich – die Verkehrsplanung und Taktung der Buslinien lasse einen Umweg nicht zu.

Es geht Schieb ohnehin darum, dass die Erwachsenen die aktuell geltenden Verkehrsregeln einhalten. Denn derzeit üben die Viertklässler für ihre Fahrradprüfung – und die würden derzeit völlig verunsichert: „Die Schüler versuchen krampfhaft alles richtig zu machen – und dann machen sie zwei Schritte aus der Schule heraus und finden eine andere Welt vor.“ Im Klassenraum würden die Kinder lernen: Es gelte nicht das Recht des Stärkeren. „Aber ohne positive Beispiele fällt es schwer, das zu verstehen.“ Dem Schulleiter graut es schon vor nächster Woche: Am Mittwoch, 27. September, sollen die Schüler ihre Prüfung ablegen, die Strecke führt sie von der Grundschule hoch in das Südfeld und wieder zurück.

Die Schilder wurden jetzt wieder freigeschnitten, die neu gebaute Verkehrsinsel könnte laut Elisabeth Borcherding von der Stadtverwaltung auch noch versetzt werden – man befinde sich noch in einer Testphase. Die nächste Idee, die für Entspannung vor der Schule sorgen soll: Eine Abhol- und Bring-Zone für Eltern hinter der Sporthalle. Trotzdem: Schieb geht es eigentlich nur um eine Sache: „Vorbild ist das Stichwort.“

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