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Ein Münderaner unter den besten 100

BAD MÜNDER. Im Hintergrund die Berge, die aus dem Wasser wachsen, zwei Bäche und eine Straße schlängeln sich quer durch das Bild von Nils Leithold. Mittendrin in seinem Landschaftsfoto von den Faroer Inseln: Eine Kirche und seine Freundin. Das Foto, mit dem sich der Münderaner für den EyeEm-Award qualifiziert hat.

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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

„Ich zeige gerne Menschen in der Landschaft, ohne sie selber zu zeigen“, erklärt der Münderaner seine Intention. 27 Jahre ist er alt, seinen Masterabschluss in Landschaftswissenschaften hat er noch vor sich. Ansonsten nutzt er sein Studentenleben derzeit für ausgedehnte Ausflüge in zerklüftete Landschaften mit wechselhafter Wetterlage. „Die Person nehme ich gerne als Maßstab“, sagt er. Seine Freundin muss auf ihren gemeinsamen Ausflügen dann öfter dafür herhalten – so wie auf dem Foto, das Leithold bei Saksun, an der Westküste aufgenommen hat.

Zu den Faroern sind sie mit dem Schiff gefahren. „Schnell hin, schnell weg, das ist nicht meins.“ Stattdessen: Die ganze Tour als Erlebnis. Warum die zu Dänemark gehörenden Inseln derzeit bei Landschaftsfotografen sehr beliebt sind, lässt sich auch auf Leitholds Bildern sehen: Hohe Berge, die sich bis ins Meer erstrecken, weite Landschaften, die hauptsächlich von Wetterkapriolen geformt wurden. Nur wenige Häuser und Straßen zieren die schroffe Landschaft.

Es ist der Mix aus Meer und den Bergen, der auch Leithold fasziniert. „Nur raue Natur reicht mir nicht. Ich brauche den Kontrast aus Wasser und Land.“ Wo das Meer auf das Land trifft, da ist Leithold zu finden. „Außerdem mag ich es eher kühl, nass und grau“, sagt er über die Wetterlage. Skandinavien statt Mittelmeerküste also – der Sonnenscheintyp sei er nicht. Derzeit arbeitet er an einem Bildband über die Natur in Deutschland. Dafür war er kürzlich an der Nordsee, den Harz und die Alpen hat er noch auf seiner Reiseliste.

Eine Ausbildung als Fotograf hat er nicht, stattdessen hat er sich sein Wissen mithilfe des Internets angeeignet, Videos geguckt, andere Fotos, darunter auch welche von seinem Bruder angeguckt. Ein Buch über Fotografie hatte er auch mal, das landete aber schnell in der Ecke. Seine erste eigene Kamera erhielt er ungefähr mit 16, genau weiß er es nicht mehr. Es war eine einfache, kompakte Kamera.

Die eigentliche Faszination packte ihn auch erst mit Beginn des Studiums. Erdkunde, war sein erstes Studienfach, die Exkursionen inspirierten ihn. Dadurch gewann er auch einen anderen Blick auf die Natur, sagt er heute: „Ich verstehe, wie die Landschaft entstanden ist.“

Ausgestattet ist er bei seinen Foto-Reisen allerdings nur mit dem Nötigsten – zumindest, was die Kamera selbst angeht. Große, schwere Objektive schleppt er nicht mit sich. Mit einer schweren Ausrüstung einen Berg hinaufzuklettern sei auch nicht besonders schön. „Ich mache viel über Filter“, sagt er. Kleine dünne Glasscheiben, die das Bild dunkler machen, bestimmte Farben schlucken oder verstärken. Davon hat er dann aber nach eigener Aussage einige mit. Für manche Bilder braucht er einige Minuten, bis sie so sind, wie er sie sich vorgestellt hat. „Dafür brauche ich auch Ruhe.“

Dadurch fallen auch einige Motive schon grundsätzlich raus – Hochzeitsfotografie hat Leithold beispielsweise nur einmal probiert. „Da habe ich sehr schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist.“ Zu hektisch, zu schnell, zu stressig. Außerdem habe er nicht das Gefühl, dass er da so gut drin sei. „Für eine Hochzeitsreportage bin ich einfach die falsche Person“, sagt der 27-Jährige selbstbewusst.

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