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Die durchs Feuer gehen

BAD MÜNDER. Löst eine sandfarbene Uniform die bisher noch verbreitete Einsatzkleidung der Feuerwehren ab? Dass sich die Brandschützer derzeit mit Beschaffenheit, Farbe und Schnitt von Geschneidertem beschäftigen, hat nichts mit modischen Vorlieben zu tun – die Einsatzkräfte testen sich durchs Ausrüstungsangebot.

Ungewöhnlicher Anblick: Atemschutzgeräte über roter und sandfarbener Kleidung – die Stadtfeuerwehr testet. Fotos: Simonsen
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Dabei soll die Schutzkleidung bei Übungen und unter realen Einsatzbedingungen getestet werden. „Modelle unterschiedlicher Hersteller werden in den nächsten Monaten von erfahrenen Feuerwehrleuten auf Herz und Nieren geprüft, um später alle Helfer mit der perfekten Schutzkleidung ausstatten zu können“, erklärt Stefan Simonsen, stellvertretender Pressesprecher der Wehr. Dass neue Einsatzkleidung benötigt wird, steht für Stadtbrandmeister Carsten Koch außer Frage. Der Großteil der derzeit bei Einsätzen im Stadtgebiet verwendeten Einsatzkleidung sei längst nicht mehr zeitgemäß. „Manche Wanderjacke ist heute besser geeignet als die Ausrüstung, die einige Kameraden tragen“, sagt Koch. Wie auch bei Arbeitskleidung habe sich das Material und die Schutzwirkung in den vergangenen Jahren deutlich verändert, und aktuelle Schutzkleidung sei für die, die im Zweifesfall für andere durchs Feuer gehen, unerlässlich.

Rund 300 000 Euro, verteilt auf zwei Haushaltsjahre, hat Kämmerer Marcus Westphal in die Haushaltsplanung der kommenden Jahre zur Erneuerung der Einsatzkleidung eingestellt. Koch hofft, dass bereits im kommenden Jahr die ersten Bestellungen aufgegeben werden können. Dafür werde nun ausgiebig getestet.

Für eine Übung in Rohrsen hatten die Organisatoren jetzt möglichst realistische Bedingungen geschaffen – mit künstlichem Rauch wurde eine Scheune vernebelt, ehrenamtliche Atemschutzgeräteträger der Ortswehren Hachmühlen, Beber, Eimbeckhausen und Egestorf rüsteten sich aus. Die Besonderheit: Sie trugen auffällige rote und sandfarbene Einsatzkleidung, und in dieser Kleidung mussten sie sich – wie bei einem echten Feuer – auf Knien möglichst tief durch das Gebäude bewegen. Später folgte ihnen ein weiterer Trupp, während vor der Tür auch der Leiter der Kleiderkammer, Karsten Homeier, gespannt darauf wartete, wie die Testkleidung beurteilt wurde. „Wir setzen bei den Tests erfahrene Feuerwehrleute ein, die viel Praxis haben und deshalb auch auf unscheinbare Details achten, die später für die Auswahl der richtigen Kleidung sehr wichtig sein werden“, sagte Homeier. Denn die Anforderungen von Atemschutzträgern seien vielfältig, aber für den Laien oft nicht gleich ersichtlich. So stünden große Taschen, die sich auch im dicksten Qualm ohne Sicht mit dicken Handschuhen leicht öffnen lassen, dicke Kniepolster zum Kriechen am Boden, Halterungen an der Jacke für Taschenlampen oder ausreichend dicke Schulterpolster für die Riemen der schweren Atemschutzflaschen auf der Kriterien-Liste, nach der die Kleidung beurteilt wird.

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