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Denner-Bier: Zwei Männer aus Hasperde kaufen Brauerei

HASPERDE/SONNEBORN. Mit ihrer Liebe zum Bier sind sie nicht allein – statistisch gesehen ließ sich im vergangenen Jahr jeder Deutsche rund 104 Liter durch die Kehle rinnen Doch Dennis Kühn (45) und sein Schwiegervater Erich Gudde (67) brauen es auch noch gerne. Und das neuerdings auf einem ganz anderem Niveau:

Malz, Hopfen, Hefe, Wasser und zwei Brauer mit Begeisterung – seit fast 20 Jahren entwickeln Dennis Kuhn (l.) und Erich Gudde ganz unterschiedliche Biere. Foto: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Ihr Denner-Bier kommt künftig nicht mehr aus Hasperde, sondern aus Sonneborn. Dort haben sie eine Brauerei gekauft und füllen sie wieder mit Leben.

Für die beiden Hasperder ein gewaltiger Schritt: Statt der bisher sehr überschaubaren Produktion – zunächst in der heimischen Küche, dann im Keller unter der heimischen Garage – steht den beiden Brauern nun ein großes Sudhaus mit entsprechenden Kühlräumen und Tanks zur Verfügung. Bis zum 150 000 Liter Bier könnten dort jährlich produziert werden, ein massiver Unterschied zum bisherigen Ausstoß. „In letzter Zeit haben wir in Hasperde eigentlich nur noch auf Bestellung für Feiern oder für Freunde und Bekannte gebraut. Hier mal ein Fass, da mal ein Fass“, sagt Dennis Kühn. Die Luft war raus – die Begeisterung noch da, aber: „Ich wollte eigentlich mehr.“ Und als Kühn und Gudde sich noch mit dem Gedanken trugen, in Hasperde eine Scheune zur Brauerei umzubauen, spielte ihnen im Frühsommer der Zufall in die Hand: Kühn hielt aus einer Laune heraus mit dem Auto in Sonneborn, direkt an der B1 hinter der Landkreisgrenze gelegen, an. Im dortigen Brauhaus Röhr hatte er vor Jahren bereits Zutaten gekauft und war mit dem Besitzer in Kontakt gekommen. Der hatte aus gesundheitlichen Gründen vor Jahren aufgeben müssen – und Kühn war erstaunt, als er beim Stopp nun auf drei Kupferkessel stieß. „Ich dachte, bei dem anhaltenden Craft-Bier-Boom seien längst alle Kessel verkauft worden. So etwas ist derzeit absolut gefragt“, so Kühn. Dann ging es schnell: Gespräche mit Familie und Banken geführt, bei der Versteigerung den Zuschlag erhalten – und mit dem Wiederaufbau der Brauerei begonnen.

Inzwischen sind die ersten Liter gebraut und getrunken, und die beiden Hobbybrauer Kühn und Gudde sind mit der Qualität ihrer Produkte hoch zufrieden. Und weil sie ihr Bier in alter Handwerkstradition und ohne Filterung oder Verschnitt herstellen, schmeckt kaum ein Sud absolut identisch. „Das ist unser Problem: Ein Koch kann gleich probieren – wir müssen immer erst sechs Wochen warten, bevor wir testen können“, schmunzelt der Brauer. Die Einflüsse sind dabei ganz unterschiedlich: Jeder Metallkessel bringt eine andere Geschmacksnuance, auch das Wasser wirkt sich auf den Geschmack aus. Bei Hopfen und Malz hält sich Kühn nach einigen Negativ-Erfahrungen seit Jahren an seine bewährten Lieferanten. Malz aus Bamberg, dazu Hallertauer Aromahopfen.

Aktuell werden drei
Biersorten produziert

Mit der Übernahme des Brauhauses sind die Hasperder Bierfans nun an dem Punkt, wo das Brauen deutlich mehr als nur ein Hobby sein kann. Kühn will es allerdings auch weiterhin neben seinem eigentlichen Beruf, dem Verkauf von Pumpensystemen, betreiben, eventuell Hilfe von außen hinzunehmen – und Ruheständler Gudde hat ohnehin etwas mehr Zeit.

Dass die maximal mögliche Produktionsmenge in überschaubarer Zeit erreicht werden kann, ist höchst unwahrscheinlich. Zum einen, weil eine Vielzahl von Biersorten – derzeit werden ein helles und ein dunkles Bier sowie aktuell auch ein Winterbier gebraut und im kommenden Jahr sollen Weizen und Pils die Palette abrunden – die maximal mögliche Menge einschränkt. Zum anderen aber auch, weil Bier nicht nur produziert, sondern auch getrunken und vorher verkauft werden muss. Die für die Listung in großen Supermarktketten notwendige Zertifizierung strebt Kühn an, allerdings nicht in nächster Zeit – der Aufwand dafür sei sehr groß.

Den anhaltenden Trend zum Craft-Bier verfolgt Kühn mit großem Interesse. Mitmischen will er in diesem Segment aktuell aber nicht. „Ich gucke mir die Entwicklung mal an. Und wenn es das in drei, vier Jahren noch gibt, überlege ich mir, ob ich da mal aufspringe.“ Was er aber unterstützen möchte, ist die Weitergabe von Wissen. Kühn und Gudde haben selbst in Seminaren und bei befreundeten Brauern viel gelernt, und Seminare soll es künftig auch in Sonneborn geben. „Es ist ja schließlich kein Hexenwerk, was wir da machen“, sagt Kühn.

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