weather-image

Bioladen schließt – Inhaber bedauern Haltung der Politik

BAD MÜNDER. Vier Jahre lang haben sie gekämpft – und am Ende war es doch vergebens: Die Betreiber des Bioladens „Senfkorn“ in Bad Münder schließen im März ihr Geschäft. Als Ursache sehen sie die Politik in Bad Münder, aber auch das geringe Interesse der Einwohner.

Große Schilder kündigen schon den Ausverkauf an – bis spätestens 31. März schließt der Bioladen „Senfkorn“. Foto: Lindermann
lindermann

Autor

Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

Im April 2014 eröffneten Karin und Khodr El-Anwar den Bio-Lebensmittelladen in der Marktstraße. Am Anfang war die Nachfrage zwar gering, doch das Ehepaar war optimistisch. „Wir dachten, so etwas braucht eben seine Zeit“, sagt Khodr El-Anwar. Doch es kam anders. „Richtig gelaufen ist der Laden nie“, bedauert seine Frau. Nach Meinung von Khodr El-Anwar liege der Grund in der „Sturheit“ der Politik in Bad Münder: „Wir haben zweimal Unterschriften für eine verkehrsberuhigte Zone gesammelt, aber die Entscheidung wurde in vier Jahren immer weiter verschoben. Jetzt können wir nicht mehr warten.“ Seit Jahren engagieren sich die El-Anwars für eine Öffnung der Fußgängerzone für den Autoverkehr.

Bereits kurz nach der Eröffnung, erzählt Khodr El-Anwar, hätten Kunden angemerkt, dass es schöner wäre, wenn es vor dem Geschäft einen Parkplatz gäbe. Der Einzelhändler gibt ihnen recht: „Hier werden über 20 Parkplätze verschenkt“, meint er und fügt hinzu: „Leute, die Kinder haben oder nach Feierabend noch schnell einkaufen wollen, parken nicht 500 Meter weiter und laufen zum Laden. Und ältere Menschen, die die Zeit haben, können die langen Wege nicht mehr gehen.“ Außerdem sei es schwierig, Getränkekisten sowie größere Einkäufe so weit zu tragen.

Diese Gründe könnten sie auch durchaus nachvollziehen, betonen die El-Anwars. Nicht verstehen könnten sie hingegen, warum sich die Politik in Bad Münder nicht mehr dafür einsetze, was die Geschäfte benötigten. „Es ist schade, dass wir nicht stärker unterstützt wurden“, findet Karin El-Anwar. Schließlich werte ein Bioladen eine Innenstadt auch für neu Zugezogene auf.

„Die Politik befasst sich mit dem Thema“, versichert Bürgermeister Hartmut Büttner. So seien viele Gespräche geführt und eine Einwohnerversammlung abgehalten worden. In diesem Jahr soll eine Teilöffnung der Innenstadt, an der Obertor- und der Echternstraße, weiter beraten werden. Allerdings gebe es viele unterschiedliche Positionen zur Öffnung der Fußgängerzone für den Autoverkehr. „Es ist keine leichte Entscheidung“, sagt Büttner.

Dass der Bioladen schließen muss, bedauert der Bürgermeister. „Es ist schade, dass das Angebot nun nicht mehr besteht.“ Gründe sieht er auch in der Konkurrenzsituation mit Supermärkten und Discountern. Außerdem sei die Verkehrssituation bei der Ansiedlung des Ladens auch keine andere gewesen.

„Wir wollten ursprünglich auch gerne in einen Laden mit Straßenanbindung“, sagt Karin El-Anwar, aber den hätte das Ehepaar nicht gefunden. Die Konkurrenzsituation zu den anderen Nahversorgern, die auch immer mehr Bio-Artikel anbieten, sehen sie ebenfalls als einen Grund für ihre Schließung. „Aber das kann man nicht vergleichen, die Qualität ist in den Supermärkten schlechter, weil dort der soziale Aspekt nicht berücksichtigt wird“, sagt Khodr El-Anwar. Die Bereitschaft, für Bio-Produkte im Fachhandel mehr zu zahlen, sei in Bad Münder nicht so hoch, bedauert seine Ehefrau. „Wir wollten mit unserem Angebot etwas Gutes für Bad Münder tun, und das haben wir auch gerne gemacht, aber wir müssen natürlich auch davon leben können.“

Derzeit werden die Lebensmittel nun zum reduzierten Preis angeboten, bis spätestens Ende März müssen die El-Anwars den Laden schließen. Dennoch bleiben die Inhaber positiv: „Ich bin jetzt vielleicht ärmer an Geld, aber reicher an Erfahrung“, so Karin El-Anwar.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare