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Bildung ist teuer

BAD MÜNDER. Für Anja Völksen ist die Schließung der Grundschule Hachmühlen zugunsten der Flegesser Einrichtung noch immer ein Fehler, mit dem sie „zu kämpfen“ hat. Allein aufgrund der Lage hätte die Vorsitzende des Stadtschulelternrats dem Standort Hachmühlen den Vorzug gegeben. Vorerst sehe sie für weitere Schulschließungen keinen Anlass, dies sei jedoch nur den Kindern aus Flüchtlingsfamilien zu verdanken, die die Zahlen steigen ließen. Nach den Debatten um Umzug der Kernstadt-Grundschule und der Einführung des Ganztags in allen drei Einrichtungen, werde jetzt Ruhe einkehren – so zumindest ihre Hoffnung.

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Autor:

Mira Colic

Tatsächlich sind die in vier münderschen Grundschulen in städtischer Trägerschaft sowie die Kooperative Gesamtschule, deren Träger der Landkreis Hameln-Pyrmont ist, gut aufgestellt. So lautet die einhellige Meinung sowohl von der Stadt als auch von den Schulleitern. Aber alle würden sicherlich auch den Worten von Christoph Schieb, Rektor der Kernstadt-Grundschule und im vergangenen Halbjahr auch kommissarischer Leiter der Schule in Bakede, zustimmen: „Ich bin zufrieden, wunschlos glücklich bin ich aber nicht.“ Schließlich müsse man immer die langfristige Entwicklung im Blick haben, auch wenn aktuell beide Schulen „gut aufgestellt sind“. Ein großer Punkt seien natürlich die notwendigen Sanierungen, denn „auch an den Schulgebäuden nagt der Zahn der Zeit“. Dies sei ein Großteil des Aufgabenbereichs des Schulträgers. In Bakede stehe etwa die Sanierung des Gebäudes im Rahmen des Brandschutzes sowie die Erneuerung der Toiletten bevor.

Auch die Eimbeckhäuser Rektorin Diana Rosenthal weist auf den Sanierungsstau hin. „Ein Gebäude, das stetig von vielen kleinen und großen Menschen besucht wird, zeigt natürlich Abnutzungserscheinungen. So gibt es einige stark renovierungsbedürftige Bereiche wie den Fußboden der Eingangshalle und der Küche sowie die Lehrertoiletten.“

Gedanken müsse sich die Stadt jedoch auch verstärkt um die Schulbudgets machen, „wenn der Ganztag erfolgreich ist und weiter ausgebaut wird“. So wünschen sich Rosenthal und Schieb mehr Investitionen in digitale Medien. Mit sogenannten Smart Boards „kann man ganz anders arbeiten. Aber bei 3000 Euro pro Stück wäre ich bei drei Klassenräumen am Ende meines Schulbudgets“, so Schieb. In der heutigen Zeit gehörten diese technischen Neuerungen einfach dazu. „Wir wollen ja die Kinder nicht nur auf die weiterführenden Schulen vorbereiten, sondern auf das Leben.“ Langfristig müsse man sich auf die veränderten Verhältnisse einstellen. „Dass Bildung grundsätzlich teuer ist, ist bekannt, preiswerter wird es nicht“, sagt Schieb.

Die Politik habe insofern ihr Mögliches getan, indem der im Zukunftsvertrag eigentlich vorgesehenen Reduzierung der Schulmittel eine Absage erteilt wurde, wie Fachdienstleisterin Elisabeth Borcherding erklärt. Dabei sei es um rund 10 300 Euro gegangen, die von 2016 bis 2020 eingespart werden sollten. Und nicht nur das: Das Budget, das die Stadt vor der Einführung des Ganztags für die Nachmittagsbetreuung investiert hat, wurde weiterhin den Schulen zur Verfügung gestellt. Für Borchering ganz klar ein „positives Signal“. Schließlich habe man mit der Umsetzung des Ganztags keinen Rückschritt in Sachen Betreuung machen wollen, „aber die Mittel des Landes reichen nicht aus, um alles umzusetzen“.

Investiert wird aktuell auch in den Neubau der Sporthalle am Laurentiusweg. Schieb verspricht sich eine deutliche Erleichterung für den schulischen Alltag, weil es die Abläufe erleichtere. Auch die Schulwegsicherung für beide Schulen sei immer wieder ein Thema. „Da sind wir ständig mit der Verwaltung im Gespräch. Für Bad Münder würde ich mich freuen, wenn nach Abschluss der Arbeiten an der Turnhalle am Laurentiusweg ein Kreisel als Anliefer- und Abholbereich für Eltern entstehen würde. Das würde die Situation auf jeden Fall entspannen.“

Positiv empfindet Stadtelternratsvorsitzende Völksen die Entwicklung der Ganztagsbetreuung. „Die Stimmung unter den Eltern, gerade was die teilgebundene Schule in der Kernstadt betrifft, ist gekippt.“ Habe es anfangs noch Bedenken gegeben, seien alle positiv überrascht von dem Angebot. Sehr unglücklich sei vor allem die Vakanz der Rektorenstelle in Bakede.

Bei allem sieht Völksen auch die Eltern in der Pflicht, mehr für ihre Forderungen zu kämpfen: „Eltern haben so eine Macht, nur wissen das viele gar nicht.“ Und auch für das Zusammenspiel unter den Schulen gebe es Nachholbedarf. „Es wäre sinnvoll, wenn sich die Schulleiter regelmäßig treffen und abstimmen würden.“ Dann würde vielleicht endlich auch mal die Neiddebatte ein Ende finden, „dass die kleineren Schulen eben nicht so viel leisten können, ist doch klar. Dafür ist ihr Angebot einfach super“.

Die Entwicklung der Schülerzahlen an der KGS zeigt auch, dass das pädagogische Angebot offenbar als „super“ empfunden wird. Deswegen hatte sich Schulleiterin Malihe Papastefanou auch gegen die von den Grünen geforderte Resolution zur Stärkung der Einrichtung ausgesprochen. Sie wolle nicht den Eindruck entstehen zu lassen, die Schule brauche Hilfe.

„Unterstützung wünschen wir uns im Bereich der Schülerbeförderung. Die fehlende Busverbindung in den Landkreis Schaumburg und immer wieder auftretende Finanzierungsunsicherheiten sind für Eltern und Kinder belastend.“ Der freie Elternwille sei ein hohes Gut „und sollte nach unserer Meinung unter keinen Umständen von fehlender Infrastruktur beeinträchtigt werden“.

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