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Betriebsrat sieht Wannenreparatur im Glaswerk als gutes Signal

Ardagh investiert Millionen

BAD MÜNDER. Die Ardagh Group wird noch in diesem Jahr kräftig in den Stadtort Bad Münder investieren. Im Raum steht eine zweistellige Millionensumme – mit Details zu den geplanten Arbeiten hält sich das Unternehmen aber zurück.

Am Heißen Ende wird in Form gebracht, was aus der Schmelzwanne fließt: Glasproduktion im Ardagh-Werk Bad Münder. Foto: ardagh
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Ardagh-Sprecherin Heike Gerhold verweist auf die Wettbewerbssituation, in der sich die Ardagh Group mit ihrem münderschen Glaswerk bewegt. Dort will man erst Tatsachen schaffen, dann darüber reden – aus strategischen Gründen werde erst nach Abschluss des Projektes berichtet. Bereits vor vier Jahren war in der mittelfristigen Planung des Unternehmens über die Schmelzwanne der münderschen Hütte nachgedacht worden, für 2018 stand ein Wannenwechsel im Investitionsplan. Wie aus Mitarbeiterkreisen zu erfahren ist, steht ein kompletter Wannenneubau – einer der größtmöglichen Eingriffe in einem Glaswerk – nicht mehr zur Diskussion, sehr wohl aber soll die Wanne umfangreich repariert werden. Die Schmelzwanne mit ihren extremen Temperaturen im Innern bildet das Herzstück des Unternehmens, rund 15 bis 20 Jahre kann sie ununterbrochen betrieben werden – Glasmacher sprechen von einer Wannenreise. Mit regelmäßigen Reparaturen wird die Lebenszeit verlängert.

In der Hochzeit des münderschen Glaswerkes wurden vier Wannen mit zehn angeschlossenen Produktionslinien betrieben, 2008 kündigte sich aber ein dramatischer Einschnitt bei Ardagh in Bad Münder an. Mit Überkapazitäten am Markt begründete die Geschäftsführung damals eine radikale Verschlankung des Standorts, 422 Jobs waren in Gefahr. Statt der kompletten Schließung gab es schließlich die Reduzierung auf eine Wanne, rund 160 Mitarbeiter sind heute noch im münderschen Glaswerk beschäftigt.

Einer der Schwerpunkte in der Produktion liegt in der Herstellung von Glasprodukten für die Pharma- und Chemieindustrie, und dieses Feld bedient das Werk derart erfolgreich, dass der Konzern nun wieder erheblich in den Standort investieren will. Neben Reparaturen sollen die Produktionsanlagen auch modernisiert werden.

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Für Gesamtbetriebsratschef Hans-Georg Diekmann, selbst Münderaner, ist die Entscheidung der Konzernleitung für umfangreiche Reparatur- und Modernisierungsarbeiten in Bad Münder eine gute Entscheidung. Ziel sei eine Optimierung der Produktion, dadurch werde der Standort weiterhin zukunftssicher aufgestellt.

Er sieht die Investition in das Glaswerk vor dem Hintergrund des speziellen Marktes, der von Bad Münder aus bedient werde: Glasverpackungen für die Pharmaprodukte und für die chemische Industrie „made in Bad Münder“ hätten einen hervorragenden Ruf. Der Markt in diesem Segment wachse weltweit und Bad Münder habe sich in dieser Nische etabliert. Insgesamt wachse der Glasmarkt nach langer Stagnation wieder, mit 1,5 bis 2 Prozent gibt Diekmann die Größenordnung an. Diese Entwicklung führe auch zu einer stabilen Beschäftigungssituation. „Einfache Tätigkeiten werden zunehmend automatisiert und hoch qualifizierte Beschäftigung nimmt zu“, sagt Diekmann. Um entsprechende Fachkräfte zu gewinnen, bilde Ardagh mit hoher Qualität aus, und gerade der Standort Bad Münder sei für seinen guten Ausbildungsstand mehrfach ausgezeichnet worden.

Beim Blick in die Zukunft ist Diekmann schnell bei den Vorteilen von Glas als Verpackung: „Wir profitieren davon, dass Kunststoffverpackungen zunehmend in den Fokus von Umweltverbänden, Verbrauchern und Politik geraten“, so der Betriebsratschef. Künftig werde es möglich sein, Glas stickoxid- und kohlendioxidfrei zu produzieren.

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