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Als Vermieter am kürzeren Ende

HACHMÜHLEN. Das markante Mühlengebäude hatte es Ralf Flügge-Kranz schon lange angetan. Vor einigen Jahren konnte er es kaufen und zum Wohnhaus mit mehreren Mietparteien ausbauen. Was er damals nicht ahnte: Als Vermieter lernte Flügge-Kranz nun aber eine ganze Reihe Probleme kennen, auf die er gerne verzichtet hätte.

Ralf Flügge-Kranz moniert ausstehende Zahlungen – aber auch die Vermüllung einer Scheune und des zugehörigen Gartens stößt ihm bitter auf.
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

„Vermieter haben immer den Schwarzen Peter. Man liest immer wieder, wie schlimm Vermieter mit Mietern umgehen, aber über die andere Seite spricht kein Mensch“, sagt Flügge-Kranz. Seit 2013 läuft er hinter dem Geld her, das er von den Mietern einer seiner Wohnungen erhalten müsste. Die Nebenkosten-Abrechnung wurde nicht bezahlt, auch in den Folgejahren blieben die Zahlungen aus. „Ich habe ganz viele Briefe mit Beteuerungen erhalten, dass ich mein Geld erhalten sollte, aber nie ist etwas passiert“, sagt Flügge-Kranz. Anfang vergangenen Jahres platzte Flügge-Kranz, der als Land- und Forstwirt für den Familienunterhalt schwer arbeitet, der Kragen. „Ich habe ihnen fristgerecht gekündigt. Und weil sie bereits lange in der Wohnung lebten, mit recht langer Kündigungsfrist.“ Zum 1. November sollte die Wohnung geräumt sein – war sie aber nicht. „Keinerlei Reaktion seitens der Mieter“, sagt Flügge-Kranz – er klagte.

Anfang März war eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Hameln anberaumt, zu der die Mieter aber nicht erschienen. Der Richter erließ ein Versäumnisurteil, verurteilte die Mieter, die Wohnung herauszugeben.

Mit Unterstützung ihrer Anwältin legten die Mieter Einspruch ein, zogen ihn aber Ende April in der anberaumten Verhandlung zurück. Trotz der Ankündigung der Anwältin, dass ihre Mandanten die Wohnung zum 1. Mai und eine als Lagerraum genutzte Scheune, Keller und Garten zum 1. Juni übergeben würden, sind die Mieter bislang nicht ausgezogen. „Ich darf nicht einmal rein in meine Wohnung. Wenn ich sie betreten würde, wäre das Hausfriedensbruch“, sagt Flügge-Kranz. Besonders bitter für ihn: Er hat durchaus Interessenten für die Wohnung, kann sie aber nicht zeigen, weil er sie nicht betreten darf und letztlich auch kein Datum nennen kann, wann sie tatsächlich frei ist.

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Nun soll ein Gerichtsvollzieher hinzugezogen werdenl

Sein Anwalt hat nun einen Gerichtsvollzieher beauftragt, die Wohnung zu räumen. „Aber auch da gibt es wieder drei Wochen Vorlauf. So geht die Zeit ins Land“, stellt Vermieter Flügge-Kranz fest. Auf rund 9000 Euro ist die Summe angewachsen, die er von seinen Mietern noch erhalten müsste. „Immer wieder wird diesen Menschen Zeit zugebilligt, die uns letztlich Geld kostet“, sagt seine Partnerin Kirstin Henjes. Sie weiß: „Es gibt so viele Wohnungen, die leer stehen – einzig aus dem Grund, weil Vermieter feststellen, dass sie quasi keine Rechte haben. Und wenn sie jemanden hereinnehmen, der die Miete nicht zahlt, kriegen sie ihn nicht wieder raus.“

Probleme wie die des Hachmühler Vermieters kennt auch Eva Karina Dreyer, Vorsitzende des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Vereins Bad Münder. Die Rechtsanwältin berät und unterstützt regelmäßig Vermieter, rät grundsätzlich zu einer nüchternen Betrachtungsweise. Oftmals gebe es dort Probleme, wo sich die Parteien nicht aus dem Weg gehen könnten, wo zu viel in die Verbindung hineininterpretiert werde. In Bad Münder gebe es ähnliche Probleme wie in anderen Städten vergleichbarer Größenordnung, Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern seien aber noch immer die Ausnahme.

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