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Abdulsalam aus Syrien zeigt, wie Integration gelingen kann

BAD MÜNDER. Die kleine Wohnung unterm Dach in der Kellerstraße ist aufgeräumt und blitzblank geputzt. Die Ausstattung ist auf das Nötigste beschränkt: Kocher, Bücherregale und Fotos der Familie. Abdulsalam Arshokiye ist 26, stammt aus der syrischen Hafenstadt Latakia und ist im November 2015 nach Deutschland gekommen.

Abdulsalam Arshokiye vor seinen Fotos: Sie zeigen neben neuen Freunden aus Deutschland auch die Familie, die noch in Syrien ist. Foto: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

„Erst in ein Auffanglager in Friedland, dann anderthalb Monate nach Hameln in die Linsingen-Kaserne“, erzählt der junge Mann in fast fehlerfreiem Deutsch. In Bad Münder hat er erst in einer Gemeinschaftswohnung vor dem Obertor gewohnt, ehe er seine kleine Zweiraum-Wohnung beziehen konnte. Von der aus pendelt er täglich nach Hannover, wo er eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger am Klinikum der Region macht. „In Syrien habe ich bereits eine solche Ausbildung absolviert und als Pfleger auch im OP gearbeitet“, sagt Abdulsalam.

Nach Deutschland ist er ganz alleine gekommen. Bruder und Mutter leben noch in Syrien. „Ohne die Familie ist es auch hier sehr schwer“, sagt er leise. „Wenn ich darf, würde ich sie gerne nachholen, denn für uns ist Familie viel wichtiger als für die Menschen hier.“

Eine andere Kultur, anderes Essen, andere Lebenswelten, all das ist für den jungen Mann eine große Herausforderung. „Die Sprache zu lernen, das ist am Anfang das Wichtigste“, erklärt er. In Hameln hat er einen Intensiv-Sprachkurs besucht. „Immerhin Niveau C 1“, sagt er stolz. „Aber das Schwierigste sind immer noch die Artikel“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Seit Januar 2017 hat sich Abdulsalam in Bad Münder als Integrationslotse engagiert. „Das ist wichtig, denn da lernt man vieles kennen. Auch wenn einige der Lotsen jetzt nicht weitermachen wollen.“

Der Fußballer ist auch im Lauftreff des SC aktiv. „In Vereinen findet man Kontakte, wenn auch nicht immer zu Gleichaltrigen“, sagt er. „Aber das Vereinsleben ist für die Integration ungeheuer wichtig.“ Dennoch würde er sich mehr Kontakte mit anderen jungen Menschen wünschen. „Besonders nützlich ist für junge Ausländer wie mich auch das Café International“, berichtet er.

Nein, auf Vorurteile oder gar Ablehnung sei er in Bad Münder noch nicht getroffen. „Wenn es gut läuft mit meiner Ausbildung, dann will ich mich weiterbilden und studieren“, erläutert er seine beruflichen Planungen. Und nimmt dabei Anstrengungen auf sich, die Bewunderung abverlangen. Auch Abdulsalam hat Träume: von Frau und Familie, einem eigenen Heim. „Aber erst kommt der Beruf, dann alles andere“, lächelt er zuversichtlich.

Ein verstohlener Blick auf die Fotos an der Wand zeigt, wie sehr ihm seine Lieben fehlen. Doch der junge Syrer ist ein Kämpfer, der auf seinem langen Weg zur gelingenden Integration schon ein großes Stück geschafft hat.

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