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Ärztenetz Bad Münder: Nur ein Wehwehchen oder was Ernstes?

BAD MÜNDER. Jeder kennt das. Ein Zahn ziept, ein Gelenk schmerzt, das Herz stolpert oder man ist einfach schlecht drauf. Aber deshalb gleich zum Arzt laufen? Das gibt sich schon wieder. Oder auch nicht.

Gelegentlich auch mit detektivischem Spürsinn unterwegs: Dr. Ute Schendel, Expertin für Rheumatologie. Fotos: Huppert

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Christoph Huppert Reporter

„Wehwehchen oder richtig krank?“, das war das Motto einer zweistündigen Veranstaltung des Ärztenetzes Bad Münder. Derzeit haben sich 37 Mediziner in der 2007 gegründeten Vereinigung zusammengeschlossen. „Anderswo gibt es kaum Vergleichbares“, so die Ärztenetz-Vorsitzende und Moderatorin der Veranstaltung, die psychologische Psychotherapeutin Jutta Witthinrich.

Das mündersche Ärztenetz sei ein rein inhaltlich kollegialer Zusammenschluss, betont Witthinrich. Bereits zum elften Mal habe man der interessierten Öffentlichkeit eine Reihe informativer Kurzvorträge angeboten. Mit sehr großer Resonanz, denn der Martin-Schmidt-Konzertsaal war zum Sonntagmittag fast ganz besetzt.

Die nicht nur älteren Besucher erlebten dann sechs durchaus informative wie mitunter auch kurzweilige Vorträge. Dabei wurde deutlich, dass die Abklärung, ob es sich bloß um ein harmloses Wehwehchen oder den Beginn einer sehr ernst zu nehmenden Erkrankung handelt, gar nicht so einfach ist. Zumal wenn sich der Übergang beispielsweise vom übermäßigen Genuss zu Sucht und Süchtigkeit langsam und unmerklich vollzieht, wie der psychologische Psychotherapeut Dieter Krause darstellte. Dass Herzrhythmusstörungen nicht dramatisch sein müssen, zum anderen aber auch Anzeichen einer lebensbedrohlichen Herz- oder Lungenerkrankung sein können, stellte der Kardiologe Dr. Peter Mäckel dar. Mäckel referierte zum Thema „Extrasystole – banal oder gefährlich?“. Ein Thema, das wohl kaum jemanden im Saal unbeeindruckt ließ.

Auch der 51-jährige Zahnarzt Dr. Thomas Grahl zog alle Register: Karies, Zahnfleischbluten, Parodontose, Zahnausfall, Wurzelbehandlung, Wurzelspitzenresektion. Grahl schilderte anschaulich die Geschichte eines Zahns vom ersten, kleinen schwarzen Loch bis zum Zahnverlust.

Dass bei der Erforschung der Ursachen einer Erkrankung durchaus detektivischer Spürsinn vonnöten ist, ließ die Medizinerin Dr. Ute Schendel, Fachärztin für innere Medizin und Rheumatologie, deutlich werden. Die Erkrankung der Hand einer Patientin konnte erst nach langen Nachforschungen auf deren Kontakt zu exotischen Zierfischen in einem Aquarium zurückgeführt werden.

„Luftnot“ allerdings sei kein Wehwehchen, warnte der Schlafmediziner Martin Bergmann nachdrücklich, und der Orthopäde Dr. Günter Schnabel gab Einblicke in die komplexen Konstruktionen des menschlichen Skelettapparates. Auch hier ist die Frage, ob es, wenn´s zwickt und zwackt, was Ernstes ist, sehr schwer zu beantworten.

Alles in allem ein informativer, aufklärender Vormittag, der bewusst machte, dass der Grad zwischen einem hypochondrischen eingebildeten Kranken und einer ernsten Erkrankung schmal ist. Wer unentschlossen ist, der sollte vorbeugend den Arzt seines Vertrauens aufsuchen. Vorzugsweise einen des lokalen Ärztenetzes.

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