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Wenn Sommer ist, fahren die Menschen ans Meer. Und wo, wenn nicht auf den ostfriesischen Inseln, erleben sie mehr Meer? Die Serie „Sommerträume auf den ostfriesischen Inseln“ ist eine siebenteilige Liebeserklärung und feiert heute mit Norderney ihr Finale.

Von Jean LeGrand

Norderney. Georg V. marschierte 1851 samt Hofstaat Richtung Strand, um seine Sommerfrische zu genießen. In solchen Zeiten, eingepackt in züchtiges Textil, wurden Männer und Frauen noch hübsch voneinander getrennt. Strandkörbe gab es nicht, aber Badekarren. Wenn das Inselhotel König Norderney Geschichten erzählen könnte – die mit Georg V. wäre eine davon. Aber Steine und Mauern bleiben stumm, und alles, was der Urlauber auf Norderney den lieben langen Tag lang hört, ist das Lied der See. Das klingt auch viel schöner.

Kleine, süße Fischerhäuschen säumen die Seilerstraße der 6000-Einwohner-Ortschaft, während Post- und Strandstraße zur Partymeile der Insel geworden sind. Aus dem mondänen Seebad mit 50 000 Gästen pro Jahr um die fünfziger Jahre ist eine Kultinsel im ostfriesischen Wattenmeer geworden, die die Interessen der Generationen perfekt miteinander kombiniert. „Ich liebe meine Heimat und komme immer wieder gerne nach Hause“, sagt auch Bernd Flessner. Nach Hause gekommen ist Flessner schon dutzendfach, denn als Surf-Weltmeister tourt er um die ganze Welt. Ein Norderneyer bleibt ein Norderneyer. Und die Wellen, die vor seiner Insel sich auftürmen, seien einfach ideal. Wie der Sonnenuntergang an der Milchbar. „Es gibt keinen schöneren.“

Sicher übertrieben, aber ja doch, und gerne. Das ist die Liebe, die die Norderneyer ihrer Insel entgegenbringen. Gewachsene Leidenschaft. Klaus Köhler, der als Spezialist die schönsten Drachen in den Nordseehimmel steigen lässt, ist derselben Meinung. Und Kapitän zur See a.D., Jochen Pahl, liebt sein Norderney ebenfalls heiß und innig. Deshalb hat er mittlerweile auch rund 8000 Ansichtskarten aus ganz alter Zeit bis heute gesammelt – und alle zeigen „seine“ Insel, mal landschaftlich kunstvoll in Szene gesetzt, mal mit frivolem Hinter(n)gedanken. Schade, dass heutzutage lieber SMS anstatt Ansichtskarte verschickt wird… Ein besonderes Motiv taucht immer wieder auf: der Leuchtturm. 1874 ist er gebaut worden. Viele Inseln (aber nicht alle) haben einen, dieser hier aber, der Norderneyer, hat das einzig links drehende Leuchtfeuer an der deutschen Nordseeküste. Da lohnt’s sich, mal gaaanz genau hinzuschauen. Es werden jedes Jahr millionenfach Blicke geworfen zu diesem Turm, was angesichts der jährlichen Urlauberströme auf die zweitgrößte ostfriesische Insel kein Wunder ist: rund 1,5 Millionen Übernachtungen verbuchen die Hotels und Pensionen, ob nun das große Inselhotel König oder das kleine, nur zehn Zimmer bietende Haus Noena.

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Relaxen im Strandkorb ist eine sehr sinnvolle Tätigkeit auf Norderney.

Aber Stress? Nein, Stress soll hier nicht aufkommen. Die Insel ist groß genug, um sich aus dem Weg gehen und Ruhe finden zu können. Immerhin umgeben den quirligen Hauptort eine ausgedehnte Dünenlandschaft und weite Strände, auf denen 2300 Strandkörbe verteilt sind, alle weiß-blau gestreift, wie die Flagge des Eilandes. Es sind solch fleißige Insulaner wie Friedrich Lange und Egon Hillmann, die in der Werkstatt dafür sorgen, dass die Körbe in Schuss sind. Dass der Sand so schön weiß und sauber ist, dafür sorgen andere. Treckerfahrer Klaus zum Beispiel, der mit dem dicken Deutz jeden Morgen um 7 Uhr den Sand beackert, um ihn von Seegras und Plastikmüll zu befreien. Dem Sonnen- und Meeresbadevergnügen kann dann kaum noch etwas im Wege stehen. Höchstens das Wetter.

Aber wenn’s regnet, dann weichen Urlauber wie Ulli Bayer aus Castrop-Rauxel („Norderney ist eine Wohltat für Körper und Seele“) eben aufs Familien-Thalassobad oder das „bade:haus“ aus, das tatsächlich klein und mit Doppelpunkt geschrieben wird, um sich vielleicht ein schon im Namen modernes Antlitz zu geben, was es gar nicht nötig hätte. Na, Schwamm drüber. Oder besser: Schlick. Denn damit, frisch aus dem Wattenmeer geholt, werden müde Knochen wieder munter. Verschiedene Anwendungen bieten die Spezialisten auf Norderney an, und sie haben einen hohen Anspruch, denn die Insel sieht sich imstande, zum Thalasso-Zentrum Europas aufzusteigen. Da darf dann natürlich auch ein Peeling mit warmer Seeseifenlauge nicht fehlen…

Auf die Nordseeinsel Norderney geht es unter anderem mit der Fähre aus dem hübschen Küstenort Norddeich unweit der ostfriesischen Stadt Norden. Die Anfahrt von dort dauert rund 50 Minuten. Mehr Informationen erfahren Interessierte im Internet auf der Homepage der Insel: www.norderney.de

Den Möwen gefällt Norderney mindestens genau so gut wie den Urlaubern. Fotos: Staatsbad Norderney GmbH

Hier gibt’s noch Meer

Sommerträume auf den ostfriesischen Inseln (7): Norderney




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